Chaos an Bord
Der nächste Morgen bricht an und wir wollen in Richtung Formentera segeln. Das Wetter ist bestens, nur der Wind fehlt noch, soll aber noch aus Ost bis zu 3 Windstärken kommen. Feli steht am Steuer und ich fahre mit der Elektrowinsch den Anker und die 30 Meter Kette auf. Durch das Slippen des Ankers bei diesem Manöver, hat sich ein riesiger Seegrasbüschel um die Flunken gelegt. Feli fährt die Thalatta langsam achteraus und ich die Kette mit der Fernbedienung hoch und runter. Dabei passiert das, was ich immer schon befürchtet habe, das Kabel der Fernbedienung dreht sich um die Nuss der Ankerwinsch und ist nicht mehr herauszubekommen. Dass sie nun defekt ist, muss sicherlich nicht erwähnt werden. Hand über Hand ziehe ich den Anker hoch, was bei einer Sunbeam nicht einfach ist, da der Anker nicht über eine Bugrolle oben läuft, sondern fast einen Meter unterhalb des Süllbordes angeschlagen ist. Erst im nächsten Hafen werde ich eine entsprechende Reparatur vornehmen können.
Wir verabschieden uns im Vorbeifahren noch von der Crew der Lazy Life, von Hartwig und Achim, und gehen davon aus, die beiden in den nächsten Tagen auf Formentera wieder zu treffen.
Unter Maschine fahren wir in Richtung Formentera. Es ist einfach noch zu wenig Wind für unsere Segel. Von Portinatx sind wir etwa 6 Seemeilen entfernt als unser Motor, ohne für mich erkennbaren Grund, ausgeht. Innerhalb von 20 Minuten muss ich den Motor nun 6-8 mal starten. Die Abstände des Motorversagens werden immer kürzer bis ich ihn gar nicht mehr in Gang bekommen kann. Einen Reparaturversuch hier, drei Seemeilen vor der Küste, möchte ich jetzt nicht unternehmen. Meines Erachtens kann der Grund nur an der Brennstoffzufuhr liegen. Ich muss Zeit gewinnen. Unsere Entscheidung ist klar. Die Segel werden nun gesetzt. Die Holeleinen sind schnell über die Winsch gebracht und das Groß soll nun aus dem Mast rauschen und unsere Lage stabilisieren. Aber das Großsegel klemmt und lässt sich auch mit unserer sehr kräftigen elektrischen Winsch nicht heißen. Was war geschehen ? Bei unserem Segelbergen vor drei Tagen habe ich wohl das Schiff nicht genau im Wind gefahren um ein einwandfreies Einfahren des Segels zu sichern. Jetzt ist im Mast, vor dem Austritt des Segeltuches, eine Falte, die alles beklemmt.
Es ist der Moment gekommen die Situation in der wir uns nun befinden, genau zu analysieren und zu überlegen was zu tun ist.
Wir liegen bei zwei Windstärken etwa drei Seemeilen vor der Steilküste von Ibiza, ohne funktionierendes Ankergeschirr, die 56 PS Maschine will zum verrecken nicht anspringen und unser Rollgroß beabsichtigt im Mast zu bleiben.
Keine komfortable Situation. Zur Not hätten wir natürlich noch die Fock.

Mit einigem Aufwand und mit ein wenig Glück, gelingt es uns, nach etwa einer halben Stunde, dass Groß aus dem Mast zu drehen. Wir segeln in Richtung San Antonio. Sollten wir selber nicht mehr weiter wissen, rechnen wir dort auf Hilfe durch einen Monteur. Trotz Unwegsamkeiten macht uns das Segeln Spaß. Der Wind nimmt zu und erreicht vier bis fünf Beaufort in Böen auch sechs. Über Funk spricht Feli mit dem Club Nautico San Antoni de Portmany, die uns in den Hafen schleppen sollen. Bis kurz vor dem Feuer auf der Mole segeln wir. Wie vereinbart nimmt uns ein Boot der Marina auf den Haken und bringt uns an einen sicheren Platz im Hafen.
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