
Starkwind - Sturzregen - Gewitter
Espardell liegt querab und wir segeln mit raumen Wind. Im Schnitt um die 15 Knoten Wind bringen die Thalatta mit 6 Knoten ihrem Ziel Mallorca näher.

Noch scheint die Sonne und das Segeln macht uns Spaß. Delfine besuchen uns und begleiten uns auf unserem Kurs. Der Wind dreht achterlich und wir setzen den Spibaum als Ausbaumer an das Großsegel, da es uns dauernd einfällt. Gegen späten Nachmittag verdichten sich langsam die Wolken und der Wind lässt nach. Wir starten unsere Maschine, die mittlerweile ohne die geringsten Probleme läuft, um möglichst nicht unter 6 Seemeilen pro Stunde zu kommen. An unserer Backbordseite am Horizont wird es immer dunkler und vereinzelt sehen wir Blitze. Nach unserer Position zu beurteilen müssten wir längst Mallorca sehen, aber die Sicht wird immer schlechter.

Der Wind nimmt immer mehr ab aber die Welle schiebt uns voran. Das Groß lassen wir zur Zeit nur noch als Stützsegel stehen und bergen aus Sicherheitsgründen den Ausbaumer. Die Maschine dreht mit 2000 Umdrehungen und schiebt uns mit 6 -7 Knoten durch das Wasser. Es ist 18.00 Uhr und der Himmel verdunkelt sich als wäre Nacht. Die Blitze kommen immer näher. Als Serieneinschläge mit einem ohrenbetäubenden Donnerknall schnellen sie um uns herum ins Wasser. Der Anblick eines Blitzes auf hoher See ist ein anderer als an Land. Wir haben den Eindruck, dass Blitze auf See fast senkrecht ins Wasser einschlagen. Die Stimmung an Bord ist ein wenig gespannt. Wir bereiten uns und unser Schiff auf schweres Wetter vor. Die Kajüte ist geschlossen, wir tragen natürlich Rettungswesten und sind mit einem stabilen Lifebelt mit unserem Schiff verbunden. Timmy trägt seine Bergungsweste und ist mit einem Karabinerhaken gesichert. Wir sind sicher, dass er von dem schlechten Wetter nicht viel mitbekommt. Er liegt vor der Steuersäule und schläft, der Glückliche. Das Tief, an dessen Randbereich wir uns befinden, zieht vor uns liegend, nach Osten ab. Am Horizont wird es ein wenig heller. Wir schöpfen Hoffnung, dass wir noch mal davon gekommen sind. Der Wind nimmt wieder langsam zu, sodass wir wieder die Segel setzen können. Mit dem Wind wird die See bewegter. Von Westen schiebt sich nun eine pechschwarze Wand auf uns zu. Land ist nicht mehr zu sehen. Dieses scheinbare Gewittertief, was da auf uns zusteuert, verdrängt innerhalb von Minuten die aufhellenden Wolkenbereiche. Um diesem Tief ein wenig auszuweichen, ändern wir unseren Kurs um etwa 90 Grad und laufen nun, wieder unter Maschine, in Richtung Puerto Andraitx. Ein wenig gelingt uns dies auch, aber das Wetter erwischt uns dennoch. Regen prasselt auf uns nieder. Der Wind, aus allen Richtungen der Rose, geht in Böen hoch auf 40 Knoten und bleibt bei etwa 35 Knoten, 7 bis 8 Beaufort. Die See wird gröber und langgezogener. Der Wind weht die Wellenkämme zu einer Schaumgischt vor sich her. Wir fahren Achterbahn mit unserer Thalatta. Eine gute halbe Stunde bleibt dies so konstant, dann ist der Spuk zu Ende.
Wir ändern wieder unseren Kurs und unter Segeln bei höchstens 4 Beaufort steuern wir nun die Bucht von Palma an. Es ist Stockdunkel. Hin und wieder ist der Mond zu sehen wenn er durch ein immer seltener werdendes Wolkenloch scheint. Wir sehen über Backbord das Feuer vom Cabo Figuera und die Lichter der Küste bei Santa Ponsa. Über Steuerbord erkennen wir das Leuchtfeuer vom Cabo Blanco. Vor uns machen wir die Positionslichter eines quer zu unserem Kurs steuernden, scheinbar größeren Schiffes, aus. Da wir jedoch seine rote Backbordbeleuchtung sehen, ist für uns Vorsicht geboten. Die Sicht ist jedoch so schlecht, dass eine genaue und für uns wichtige Einordnung dieser Bewegung nicht möglich ist. Stutzig macht uns die äußerst langsame Versetzung. Als wir näher kommen, glauben wir einen vielleicht 100 m langen Frachter zu sehen. Da er sehr langsam fährt, entscheiden wir uns, ihn vor seinem Bug zu passieren. Der Abstand zwischen uns und diesem vermeintlichen Frachter wird immer kleiner, dennoch können wir uns komfortabel Freifahren. Nach etwa 10 Minuten gehen meine Blicke achternaus und ich glaube meinen Augen nicht zu trauen. Es ist kein Frachter der nun hinter uns querab seine Bahn zieht, sondern ein riesiger Schlepper der ein noch größeres Schiff an einer mehrere hundert Meter lange Stahltrosse auf dem Haken hat. Die Positionslichter dieser Schleppverband ist von uns nicht gesehen worden. Wären wir übervorsichtig gewesen und hätten den Schlepper achtern passiert, wären wir womöglich in diese Trosse gefahren.
Es ist 22.00 Uhr, als wir das Cabo Figuera querab ins Logbuch notieren. Gute 2 Stunden und wir sind wieder in unserem Heimathafen Arenal. Aber so einfach will es uns das Meer oder die Natur nicht machen. Ein extrem starkes Gewitter geht nochmals in der Bucht von Palma auf uns herab. Der Regen nimmt uns jede Sichtmöglichkeit. Ein Steuern unserer Thalatta nach Sicht, ist nicht mehr möglich. Kurze Sekundenblicke nach Hindernissen auf unserem Kurs sind kaum möglich. Der starke Regen peitscht sofort in die Augen und lässt keine Orientierung zu. Mit Hilfe des Radars und des Kartenplotters, erreichen wir dann unseren Hafen gegen Mitternacht. Im strömenden Regen machen wir an unserem Liegeplatz fest. In dieser Nacht fällt mehr Niederschlag auf Mallorca als im gesamten letzten Jahr, erfahren wir am folgenden Tag durch das Inselradio.
Der nächste Tag begrüßt uns mit schönsten Sonnenwetter. Von den Strapazen der letzten Nacht ist nichts mehr zu spüren. Wir nutzen das schöne Wetter und gehen segeln. Über Nacht und nen nächsten Tag bleiben wir an der Boje in der Cala Blava und lassen es uns gut gehen.

Das Unterwasserschiff unserer Thalatta kontroliere ich mit Hilfe meiner Freediver-Tauchausrüstung. Ohne viel Aufwand kann ich bis zu 45 Minuten unter Wasser bleiben und zum Beispiel an der Schraube oder Ruderanlage Arbeiten erledigen oder auch nur so zum Spass in geringer Wassertiefe tauchen.
Die SY Liberty mit Karin u. Werner legen an der Nachbarboje an. Frederik, ihr Enkeln und Freund Ben sind zu Besuch.
ENDE
In der Cala Blava
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