Tod im Bolero

Willi, von der SY Marco, hatte mich mal wieder überzeugt, der Disco Oberbayern einen Besuch abzustatten. Wie immer war dort unten im Keller der Teufel los. Für nicht Eingeweihte sei erwähnt, dass die nächtliche Amüsierszene an der Playa de Palma es besonders schätzt, zwischen drei Diskotheken, nach belieben, zu wechseln ohne die Räumlichkeiten zu verlassen. Die Einlasskarte gibt den freien Eingang zu dem, wie oben erwähnten Oberbayern, mit vorwiegend „Ballermann-Musik" im Angebot. Wer es jedoch fetziger, bis hin zur Techno- Musik mag, ist im „Regines" gut aufgehoben. Die sogenannte reifere Jugend findet sich im Bolero bei Schlagern und Schmusemusik. Alle drei Diskotheken sind miteinander verbunden.

Es ist Ende August und an der Playa de Palma sind noch viele Jugendliche. Natürlich auch im Oberbayern. So richtig wohl fühlten Willi und ich uns nicht , inmitten der 18 - 20 jährigen. Gegen ein Uhr wollten wir zurück zu unseren Schiffen, beschlossen jedoch, den Ausgang im in dieser Nacht nur spärlich besuchten Bolero, zu nutzen. Den Song mit dem Lasso von Olaf Henning hinter uns gelassen, erwarteten wir hinter der Schleuse, im Eingangsbereich zum Bolero, mehr die Musikrichtung rot-rot sind die Rosen vom Alpentrio Tirol, was eben der Musikrichtung des Bolero entsprach. Aber die Lautsprecher schwiegen zu der bunten, im nicht vorhandenen Rhythmus der aufleuchtenden Diskobeleuchtung. Untermalt wurde diese Szenerie durch die Geräusche der Gäste. Aus Gewohnheit unterhielt man sich genauso laut, als ob die Musik alles übertönen würde. Die in der Mitte gelegene Tanzfläche war umringt von vielleicht 50 Männern sowie Frauen. Auf der Tanzfläche, beleuchtet von einer Discokugel, lag ein Frau der wohl übel geworden war. So unsere Vermutung. Durch die umherstehende Menge konnten wir erkennen, dass sich ein Polizist um diese Frau kümmerte, in dem er die Reanimation mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführte. Diese Frau kämpfte um ihr Leben. Von Sanitätern oder gar einem Notarzt war weit und breit nichts zu sehen. Dieses Szenario dauerte gute 30 Minuten. Es erschien die Besatzung eines Ambulance - Wagen mit zwei, hoffentlich, ausgebildeten Sanitätern. Diese übernahmen dann das weitere Vorgehen bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung am Körper der regungslos auf der Tanzfläche liegenden Frau, deren Oberkörper mittlerweile bis zum Gürtelbereich freigelegt war. Die Live-Band sammelte sich auf der kleinen Bühne, scheinbar mit der Hoffnung, dass es bald weitergehen kann, mit der Musik. Der Pulk der Schaulustigen nahm groteske Formen an, denn man sieht so etwas sicherlich selten. Einigen wurde das Stehen im Rund der Tanzfläche zu ermüdend, sie holten sich einen Hocker. Über schlechten Service musste auch nicht geklagt werden, Bier und andere Getränke wurden von den Kellnern auf Zuruf gebracht. Es vergingen weitere 20 Minuten bis eine Notärztin endlich vor Ort war. Der Versuch der Reanimation ging weiter. Die anwesenden Polizisten machten keine Versuche die umstehenden Gaffer auf Distanz zu halten. Der Kampf zurück ins Leben dauerte für diese Frau nun schon fast eine Stunde. Aus unserer Sicht wurde die Reanimation dann erfolglos abgebrochen. Diese Frau hat es wohl nicht geschafft. Dann passiert das unbegreifliche. Beim heraustragen des leblosen Körpers wurde applaudiert.

Das Personal reinigte innerhalb kürzester Zeit die Tanzfläche. Die Band tat das, wozu sie bezahlt wurde und im Bolero ging für die tanzenden Paare alles seinen gewohnten Gang.

-The show must go on-

Wir verließen das Bolero. Oben angekommen stand der Rettungswagen noch vor der Tür. Die Besatzung machte eine Zigarettenpause. Im Wagen lag die wohl tote Frau. Der zweite Todesfall in diesem Jahr im Bolero.

Ende