
In Deutschland ist das schönste Wetter. Im Straßencafe bekommt man kaum einen Platz und mein gebuchter Flug nach Mallorca soll mich nun in den Regen bringen. In der Sonne sitze ich vor dem Flughafengebäude und warte in leichter Bekleidung auf den Flug.
In Palma ist es ungemütlich. Starke Bewölkung, Wind aus Nordost und leichte Regenschauer bei 12 Grad am Tag.
Morgen, am Samstag, soll in Palma das sechste Schiff der Kussmundflotte, die AIDAluna mit einem großen Feuerwerk getauft werden. Da die Wettervorhersage, zumindest für die beiden nächsten Tage, von deutlicher Besserung spricht, entscheiden wir uns Samstag nachmittag nach Palma zu segeln. Fast unterhalb der Kathedrale, direkt am Paseo, machen wir bei herrlicher Abendsonne unsere Thalatta fest.
Sonntag, die Sonne ist gerade aufgegangen, als wir den Hafen von Palma verlassen, in Richtung unseres Heimathafens. Unsere geplante Wanderung soll heute noch starten.
Wanderung im Tossals-Verds-Massiv

Mit dem Auto fahren wir bis zum Parkplatz am Stausee Cuber. Hier befindet sich der Einstieg in die sehr abwechslungsreiche Runde um das Tossals-Verds Massiv. Diese Wanderung gilt als sehr anspruchsvoll. Mit An- und Abstieg müssen 450 m Höhenunterschied bewältigt werden. Der erste Anstieg führt über Zickzackwege zum Coll de sa Coma des Ases auf 903 m. Eine traumhafte Sicht auf die beiden Stauseen Cuber und Gorg Blau sowie auf den höchsten Berg Mallorca's, den Puig Major, entschädigen für die Mühen des Anstiegs.

Jetzt beginnt der erste Abstieg in Richtung Süd. Der Puig de Alaro liegt mit seiner fast flachen Ebene vor uns.
Im letzten November 2008 hatte ich von Orient eine Wanderung zum Kastell von Alaro gemacht. Den Rückweg hatte ich dann über das Restaurant im Tal von Alaro genommen, um nach fast acht Stunden wieder in Orient die Wanderung zu beenden. Eine ausgesprochen anstrengende Tour, zumal alleine.
Vorbei an blühenden Rosmariensträuchern führt heute der Weg bis zu einem reichlich Wasser führenden Torrent.

Unmittelbar am Weg liegt das Wrack eines Kleinflugzeuges welches dort wohl abgestürzt ist. Der Wanderführer weiss zu berichten, dass der Pilot, einem Wunder gleich, überlebt hat.
Von einem Plato können wir den Wasserlauf des Torrent gut einsehen. Sicherlich ist es den vielen Niederschlägen zu verdanken, das dieser Torrent so viel Wasser mit sich führt, welches sich mehrfach dann in Wasserfällen die schroffen Berghänge herabstürzt um sich in kleine Seen in Terrassenform zu sammeln. Von dieser Position aus, sind auf der gegenüberliegenden Seite der Felsmassive die Tunnelwege gut auszumachen, die bei einer anderen Wanderung mit einbezogen werden können.

Wir erreichen über schmale, steile Geröllwege Pas Llis. Vor uns liegt das Nadelöhr dieser Schlucht. Erst nach einigem suchen finden wir die ausgebrachten Seile und hangeln uns nach oben. Die Strecke bleibt felsiges Gelände. Ein stetiges auf und ab über größere und kleinere Hindernisse zehren zumindest bei mir an der Kondition. Jedes Pfund an überhöhtem Körpergewicht wird zur Qual. Wir queren einen Olivenhain und hören aus allen Richtungen das Rauschen von Wasserläufen.

Gegen späten Nachmittag erreichen wir das Refugi de Tossals Verds und diese Station hat zu unserem Glück geöffnet. Eine Stärkung mit Serranoschinken, Käse und Wein kann nicht schaden. An einem Hahn vor der Hütte können die Wasserflaschen gefüllt werden. Wir Segler sitzen nun in der Sonne mit einem wunderschönen Bergpanorama und wissen, dass erst die Hälfte der zu bewältigenden Strecke hinter uns liegt. Die vor uns liegende ist aber einfacher und dadurch schneller zu laufen.
Nach einer knappen Stunde brechen wir wieder auf. Vorbei an einem wie ein Iglu geformten Brunnen, öffnet sich bald der Blick auf die Zentralebene. Wir sehen eine offene Wasserleitung die über ein Aquädukt geführt wird. Steineichenwälder durchlaufen wir mal abwärts und mal aufwärts, unterbrochen von grandiosen Bergpanoramen. Wasserläufe queren wir mehrfach und das erste Mal in meinem Leben sehe ich eine Quelle. Der Aufstieg zum Coll des Colomes (808m) beginnt.

Die Wege sind teilweise steinig und feucht und damit sehr rutschig. Einen Wanderstock würde helfen, Sicherheit beim Laufen zu haben. Kurz vor der Passhöhe, in einer Kehre, mitten im Steineichenwald, steht in nur zehn Meter Entfernung, wir wollen es nicht glauben, ein ausgewachsener Stier vor uns.
Stier und Spanien lassen mich sofort nach roten Kleidungsstücken bei uns suchen. Feli hat eine rote Jacke dabei. Ob die den Stier wirklich reizen kann weiß ich natürlich nicht. Feli geht in schnellen Schritten in einem möglichst großen Abstand an ihm vorbei, während ich ihn fotografiere, was ihn ablenken soll. Der Stier interessiert sich für uns nicht die Bohne. Wir sind ihm scheinbar egal. Sein durch die vielen Regenfälle saftiges Gras ist ihm wichtiger. Wir denken gut so und nehmen die Passhöhe wieder ins Auge.

Nach gut einer Stunde erreichen wir einen auf Stelzen geführten Wasserkanal. Von hier haben wir wieder einen tollen Blick auf den Stausee Gorg Blau. Ein flacher ebener Weg führt uns entlang dieses Wasserkanals bis zum Parkplatz, bis zu unserem Auto. Es ist 20 Uhr und fast 9 Stunden anstrengende Wanderung liegen hinter uns.
Auf unserer Thalatta angekommen, verbringen wir den Abend unter der Kuchenbude, gönnen uns einige Biere und essen die Reste aus der Kühlung. Wir haben keine Lust und Kraft für einen Besuch in einem Restaurant.
E N D E
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