Teil 2


 

Colonia Sankt Pere - Ciudadela

Mallorca >>> Menorca/Ciudadela

Ciudadela auf Menorca war in den letzten Jahren nie unser Ziel. Zuviel schlechte Infos z.B. von Fähren, die extremen Schwell erzeugen, kaum Liegeplätzen für Yachten und nicht zuletzt der so genannten „Fenomeno Rissagua" haben wir von der zweitgrößten Stadt Menorcas, die an der Westküste liegt, gehört. Das letztere ist eine nicht vorhersagbare Wasserstandsänderung, die den Hafen im Extremfall leer laufen lässt und kurz darauf wieder flutet. Hierbei entstehen große Schäden. Heute wollen wir jedoch unser Glück versuchen und halten Kurs in Richtung Ciudadela. Leider verlässt uns der Wind sehr rasch. Wir motoren unserem Tagesziel entgegen. Eine Gruppe Delfine unterbricht unser dösen in der Sonne.

Delfine zu Besuch

Fünf oder sechs große Tiere kündigen ihre Anwesenheit durch typische Delfinsprünge schon von weitem an. Sie begleiten uns für eine kurze Zeit unmittelbar neben dem Schiff und sind zum greifen nahe. An ihren Flossen und am Körper sind große Wunden und Narben zu erkennen. Zwei Tiere setzen sich vor unseren Bug, man könnte glauben, sie ziehen uns durch die See. So schnell wie sie gekommen sind, verschwinden sie auch wieder, jedoch nicht ohne sich mit einigen Sprüngen zu verabschieden. Timmy, unser Bordhund, hat alles verschlafen. Früher wurde er immer unruhig bevor Delfine zu sehen waren. Wir glauben, er konnte sie hören. Mit nunmehr über 14 ½ Jahren ist dies nicht mehr möglich.

Die Umrisse Mallorcas sind, über das Heck gesehen, am Horizont nur noch schwer auszumachen. Menorca, die kleine Schwester Mallorcas, wird aus dem über ihr legenden Dunst sichtbar. Die Einfahrt nach Ciudadela ist nicht sofort erkennbar. Erst bei der Annäherung erkennen wir die Kathedrale  und  passieren das Einfahrtsfeuer.

Einfahrt nach Ciudadela

In langsamer Fahrt steuern wir in den engen Hafenschlauch. An unserer Steuerbordseite liegt der Club Nautico, der seine Schwimmstege komplett gesperrt hat. Hier bestätigt sich die Ungastlichkeit dieses Club Nautico. Natürlich versuchen wir einen der wenigen Liegeplätze unterhalb der Restaurants zu bekommen. Im Normalfall völlig unmöglich. Ein Marinero, am Anlegekai der Fähren, ruft uns und deutet uns klar, dass wir nicht weiter fahren brauchen und zu ihm kommen sollen. Von unserer Absicht lassen wir uns jedoch nicht abringen. Doch eine noch so kleine Lücke, die uns ein Hineindrängeln ermöglicht, ist zu finden. Zurück an der Anlegestelle der Fähren erklärt uns der Marinero, dass wir unser Schiff dort festmachen können, aber spätestens  um 18.00 Uhr wegen der ankommenden Fähre wieder losgemacht haben müssen. Es ist Pfingstsonntag und der Club Nautico hat geschlossen. Lediglich ein Marinero soll ab 15 Uhr über UKW Kanal 9 erreichbar sein. Eine andere Yacht liegt ebenfalls auf Zeit an dieser Anlegestelle. Noch als wir mit dem Marinero unsere Thalatta an den für uns viel zu großen Pollern festzurren, sieht Feli auf der anderen Seite eine Yacht, die ihren Platz verlässt. Zwischen einer großen spanischen Motoryacht und einem französischen Segler wäre nun Platz für uns. Wir machen unser Heck zum anlegen frei, lassen unser Dingi von den Heckträgern blitzschnell ins Wasser und fahren unsere Thalatta rückwärts in die Lücke.

Immer wieder versuchen wir über Kanal 9 mit dem Club Nautico in Verbindung zu kommen. Feli geht zweimal zum Oficina. Unsere Bemühungen bleiben aber ohne Erfolg. Gegen Abend erscheint ein freundlicher Mitarbeiter des örtlichen Club Nautico. Wir wollen zwei Tage bleiben und dies mit ihm gleich abrechnen. Heute ist der letzte Tag im Mai und es sind 46,00 € fällig. Aber der Schreck kommt noch. Ab dem 1. Juni ist für unsere 39 Fuß Yacht 96,00 € die Nacht zu bezahlen. Wir akzeptieren notgedrungen diese Wegelagergebühr. Unserem Bordhund Timmy wollen wir die noch heiße Innenstadt von Ciudadela  ersparen und gehen erst nach dem Abendessen in die schöne Altstadt. Vom Placa d'es Born genießen wir die spektakuläre Sicht auf den Hafen, besonders in der Nacht. Uns fällt auf, dass es auf Menorca wesentlich mehr Eisgeschäfte gibt als anderswo in den Balearen. Die Stadt ist voll. Es herrscht mediterranes Lebensgefühl. An jeder Ecke ein anderer Geruch. Überall ist was los. Alle Cafes sind gut besucht und bis weit nach Mitternacht wird auf den Terrassen noch gegessen. Timmy lebte schon immer nachts besonders auf. Unsere nächtliche Tour durch die Altstadt von Ciudadela macht er ohne murren mit. Wir glauben es macht im Spaß sich mit uns durch die Gassen treiben zu lassen. Es ist schon weit nach 1.00 Uhr als wir drei zum Schiff zurückkommen. Die Kellner in den Restaurants vor unserem Schiff räumen gerade die Terrassen auf. Wir kommen noch ins Gespräch. Es würden immer weniger Gäste kommen, hörten wir sie besorgt sagen. Sie zeigten jedoch auch Verständnis, dass bei verlangten Hafengebühren von 96,00 € ein Besuch in einem Restaurant für weitere 60,00 € bis 80,00 € für die meisten nicht mehr möglich ist. Auch die Restaurants haben feststellen müssen, dass auf vielen Yachten, auch auf Charteryachten gekocht wird. Die gerade auf den Balearen in letzter Zeit enorm gestiegenen Hafengebühren gehen letztlich zu Lasten der örtlichen Gastronomie.

Altstadt von Ciudadela
Altstadt von Ciusadela
Kathedrale in der Altstadt von Ciudadela

Wir verbringen eine ruhige Nacht und am Morgen macht unser französischer Nachbar die Leinen los. Trotz Sprachschwierigkeiten hatten wir einen netten Kontakt. Franzosen sprechen leider meist nur ihre eigene Sprache. Mehrere Schiffe verlassen den Club Nautico. Sicherlich nicht zuletzt wegen der ab heute gültigen hohen Liegegebühr. In Ciudadela bieten eine große Anzahl Cafes eine WI-FI Zone an. In diesem Bereich kann man sich kostenlos mit seinem Laptop ins Internet loggen. Diese Art des Service verbreitet sich immer mehr. Dies ist für uns Segler gut, da wir uns ständig über das zu erwartende Wetter informieren müssen. Nur in den Yachthäfen der Balearen ist diese Möglichkeit, trotz hoher Liegekosten, von einigen Ausnahmen abgesehen, noch nicht angekommen. In einem solchen Cafe sitze ich nun und regele meine Angelegenheiten in Deutschland per Internet. Eine e-mail von Annemarie und Peter, von der SY Onyx, haben wir erhalten.

Hallo Ihr Lieben! Einen kurzen Lagebericht: Sind von Korfu nach Paxsoi, Lefkas (Bijou und Krispin getroffen) weiter Nidri, Meganisi, Astakos, in den Golf von Korinth, dort wunderschöner Gratishafen  Trizonia, von wo aus wir Delfi besuchten, haben vom Orakel leider keine Antwort bekommen! Weiter durch den Kanal von Korinth, beeindruckend!!! Weiter nach Kofos am Peloponnes anschließend  Ägina, weiter bei starken Meldemi (6-8bft nach Kythnos -wunderschöne Bucht nur eine Kapelle und ein Esel davor, mein Skipper nicht eingerechnet!!! Heute in Syros, unsere Weiterreise wird nun von den Windrichtungen abhängen alle 20 Meilen gibt's eine andere Insel!! Wir hoffen Ihr hattet einen schönen Törn und es geht Euch gut. Herzliche Grüsse an Euch und an die anderen von der Lindenstrasse Annemarie &Peter
Die Crew der Arrebatao

Wir bekommen neue Nachbarn. Am Heck weht die spanische Flagge aber die Anweisungen des Skipper deuten auf Landsleute hin. Die Arrebatao, eine 40 Fuß Sun Odyssey, verholt sich an unsere Backbordseite. Die Crew besteht aus vier Männern die sich aus Sa Rapita, auf Mallorca kennen. Eine lustige Truppe und angenehme Nachbarn, mit der wir  ins Gespräch kommen. Sie wollen Menorca umrunden und müssen ihre Charteryacht am Freitag wieder in Palma übergeben. Die Cala Morell, Fornells und Mahon stehen noch auf dem Kurszettel der SY Arrebatao bevor es zurück nach Mallorca geht. Ein strammer Plan, bei dem leider für den einzelnen Ort wenig Zeit, viel zu wenig Zeit, übrig bleibt. Wir genießen es, auf diesem Törn jeweils so lange zu bleiben wie wir wollen, ohne zu vergessen, dass dies früher auch nicht immer möglich war.

Das große Motorschiff, an unserer Steuerbordseite, hat mittlerweile den Anleger verlassen. Wir sind ganz froh darüber, denn so haben wir jetzt einen freien Blick an den Restaurants entlang bis zur Kathedrale von Ciudadela.

Auch unsere Nachbarn sitzen zum Sundower in der Plicht. Wir reden gemeinsam über dieses und jenes und lachen viel. Wir wollen heute Abend  etwas früher in die Stadt. Tagsüber ist ein Stadtbummel unserem Bordhund Timmy nicht zuzumuten. Er ist zwar sehr geduldig und tapfer, aber die Hitze setzt im doch arg zu.

In guter Umgebung an Bord zu sitzen und gut zu essen ist einer der schönsten Momente auf einer Yacht. Wir kochen beide gerne und tun dies oft. Hier unsere heutige Menüfolge:

Man nehme klein geschnittenes Fleisch, Gemüse, gewürfelte Kartoffeln, genügend Knoblauch und Gewürz. Gibt dieses alles in einen Tontopf in den Backofen. Dazu einen kalten Weißwein und zum Nachtisch Orangen aus Friedhelms Garten. Das perfekte Diner in mediterraner Umgebung.

im Hafen von Ciudadela

Auch heute Nacht ist es mal wieder spät geworden. Als wir drei zum Schiff zurückkommen, sind unsere Nachbarn aus sa Rapita noch wach. Wir sprechen noch ein wenig zusammen bis die Müdigkeit uns einholt. Mit Chartercrews in der Nachbarschaft haben wir viel schlechte Erfahrung gemacht. Die Charterdauer ist meist eine Woche, was in vielen Fällen zur Folge hat, dass jede Nacht gefeiert wird und man nicht zum schlafen kommt. Unsere Nachbarn waren jedoch nicht von dieser Sorte und nahmen Rücksicht. Ein Lob im Nachhinein.

Der Morgen war reserviert für kleinere Besorgungen. Unser Bootshaken war defekt und eine Gasflasche war leer. In einem Cafe in der Altstadt treffen wir dann noch mal die Crew der Arrebatao. Sie wollen heute nach Fornells segeln, aber  in der Cala Morell einen Badestopp einlegen.

Ciudadela - Cala Morell

Ciudadela >>> Cala Morell

Auch wir verlassen Ciudadela und segeln in Richtung Cala Morell. Der Wind weht mit 3 Beaufort aus Nordwest. Das Cabo Nati lassen wir an unserer Steuerbordseite. Mit einem langen Schlag von fast sechs Seemeilen segelt die Thalatta aufs Meer hinaus, um mit dem Gegenkurs die Cala Morell direkt zu erreichen. Gegen frühen Nachmittag passieren wir den bizarren Felsen in der Einfahrt, der etwa 250 m breiten Bucht. Nur ein Schiff liegt in bester Lage vor Anker. Sofort erkennen wir die Crew der SY Arrebatao, die gerade ihre Badepause beendet hat. Wir können den Platz übernehmen und wünschen der Arrebatao noch einen guten Törn. Mit dem legen unseres Ankers tun wir uns schwer. Die östliche Seite ist unrein und von kleinen unter der Wasseroberfläche vorhandenen Klippen durchsetzt. Im westlichen Teil fällt der Anker auf guten Sandgrund, der jedoch mit alten Muringketten leicht zu einer Ankerfalle werden kann. Das dritte Ankermanöver bringt den notwendigen Halt, was meine anschließende Überprüfung mit der Taucherbrille bestätigt.

Cala Morell
Cala Morell
bizarrer Felsen, wie ein Elefant, in der Einfahrt der Cala Morell

Gut geschützt gegen alle Winde liegt unser Schiff nun in dieser sehr schönen Cala, an der Nordküste von Menorca.. Rundherum kahle rote Felsen. Der bizarre Felsen der Einfahrt sieht aus wie ein Elefant. An den Hügeln sind schneeweiße Ferienhäuser entstanden, die  einen eindrucksvollen Kontrast  zu den roten Felsen bilden. Über allem thront ein Restaurant, von dessen Terrasse sich ein wunderschöner Blick über die gesamte Bucht bietet. Es gefällt uns hier so gut, dass wir zwei Tage bleiben. Die meiste Zeit davon alleine.

Cala Morel - Fornells

Cala Morell >>> Cala Fornells

Calla Fornells, an der Nordküste von Menorca

Die Reise geht weiter an der Nordküste, in die mehr als zwei sm nach Süden einschneidende Bucht von Fornells. Hier erwartet uns ein großes Bojenfeld. Ankern soll dort nicht mehr möglich sein. Das Einfahrtsfeuer liegt hinter uns, es öffnet sich für uns die Sicht auf die weißen Häuser von Fornells die durch ihre weißen Dächer in der Sonne noch leuchtender scheinen. Wir finden keine Boje um unser Schiff festzumachen. Lediglich am anderen Ende der Bucht scheint es eine frei zu geben. Dies ist uns zu weit, weil wir mit Timmy ja öfters mal an Land müssen. Vor uns liegt eine offizielle Boje die aber wohl von irgendjemanden in eine private umgewandelt wurde. Wir erleben es oft, dass an Bojen, die über das Projekt Life Posidonia per Internet gebucht werden können, Festlieger oder gewerblich genutzte Schiffe liegen. Wir nehmen uns diese erst einmal, um weiter nach einer Möglichkeit zum festmachen zu suchen. Es dauert nicht lange und der Besitzer dieser Boje meldet sich. Er erklärt, dass am Nachmittag gegen 18.00 Uhr das dazugehörige Schiff kommen würde. Bis dahin liegen wir aber erst einmal.

Mit dem Dingi fahren wir an Land und suchen den Club Nautico. An dessen Steg lag nicht eine einzige Segelyacht. An der Steinmole erfahren wir, dass die Gemeinde Fornells einige Liegeplätze vorhält, die auch alle noch frei sind.

Hafenbüro in Fornells

Die vorhandene Wassertiefe macht mir Sorge Sie steigt ab etwa dem sechsten Liegeplatz flott an und hat am Kai eine alte Hafenmauer, unterhalb der Wasseroberfläche. Das Büro des Port Fornells finden wir schnell, ist aber geschlossen. Durst und die Lust auf einen Kaffee lässt ein nahe gelegenes Cafe als das richtige erscheinen, um den Eingang des Hafenbüros im Auge zu halten. Es bleibt jedoch ohne Ergebnis. Auch die telefonische Hilfe der Kaffeebesitzerin und einer Polizeistreife vermögen nicht einen zuständigen Marinero aufzutreiben. Es dauert uns zu lange. Unser Dingi bringt uns zurück zur Thalatta. Die Boje geben wir auf und beschließen vor dem Hafen zu ankern. Wir sind unzufrieden und es ist still an Bord. Feli und ich hätten gerne einen Platz in dem kleinen Hafen von Fornells, um mit Timmy besser von Bord zu kommen. Unser Bordhund fährt zwar für sein Leben gerne Schlauchboot, aber das ist nicht so oft möglich, wie mal eben von Bord zu gehen. Alte Hunde müssen nun mal öfters, genau wie Menschen. Kurz vor der Hafeneinfahrt beschließen wir es doch zu versuchen. Wir machen die Thalatta fertig zum Anlegen am Pier. Die Vorleinen sind schnell gesteckt und die Fender sind gebunden. Ich fahre die Thalatta nicht mit dem Heck zuerst an den Pier sondern mit dem Bug, um zu verhindern, mit dem Ruder Grundberührung zu bekommen. Der Tiefenmesser zeigt mir die rasche Abnahme der Wassertiefe. Kurz vor dem Kai habe ich noch einen halben Meter unter dem Kiel. Das sollte reichen. Wie von Geisterhand ist auch eine Marinera, ein weiblicher Marinero, erschienen und hilft uns bei der Muring. Wir liegen fest und gut.

Caldereta de Langosta

Der Wind nimmt auf gute fünf Beaufort zu. Gegen Abend kreuzt ein 42 Fuß Schiff in der Einfahrt und macht deutlich, dass es neben uns anlegen will. An Bord sechs Mann und eine Frau, augenscheinlich die Skipperin. Die herbeigeeilte Marinera erklärt uns, das die Skipperin über Funk ihre Angst beim Anlegen erklärt hat. Wir sehen wie diese Skipperin langsam und sehr umsichtig ihr Schiff für die „Landung" vorbereitet. An den entscheidenden Stellen sind Besatzungsmitglieder postiert. Genügend Fender sind gesteckt und zwei Männer stehen bereit um die Landleinen überzuwerfen. Wir stehen an unserer Steuerbordseite um zu helfen. Dann geht alles sehr schnell. Zügig rückwärts, mit genügend Abstand zu uns, fährt sie Ihre Yacht in Richtung Pier. Der Seitenwind drückt die Yacht genau in die richtige Lage. Die Landleinen fliegen und sind schnell wieder belegt. Die Skipperin hat den Steuerstand nach dem aufstoppen verlassen und überläuft zwei Besatzungsmitglieder mit der Muring in Ihrer Hand. Blitzschnell ist die Muring fest. Sechs kräftige Männer sehen zu, wie diese doch zierliche Skipperin ihre ganze Kraft beim ziehen der Muring aufbringen muss. Eine perfekte und sehenswerte Leistung dieser Frau. Wir kommen mit der sehr attraktiven Katalanin ins Gespräch. Sie kommt aus Barcelona, ist Segellehrerin und hat sechs Segelschüler an Bord. Die Strecke Barcelona-Menorca macht sie jede Woche.

mit den Bordfahrrädern unterwegs zur Cala Tirant

Wir verbringen drei Tage in diesem schönen Ort in Müßiggang und schönen Spaziergängen mit unserem Bordhund. Einen halben Tag muss Timmy leider alleine an Bord bleiben. Mit unseren Bordfahrrädern unternehmen wir eine Fahrradtour entlang der Cala Fornells und biegen fast am Ende zur Cala Tirant ab. Hier in der leicht hügeligen Landschaft finden wir eine Ferienhaussiedlung mit sehr hübschen, auf kleinen Terrassen erbauten Häusern.

Fornells - El Grau

Cala Fornells >>> Es Grau

Unsere Reise führt uns nun weiter entlang der Nordküste Menorcas in östliche Richtung. Vorbei an der Cala Addaya sehen wir das Feuer vom Cabo Favaritx. Trotz nur leichter Winde verzichten wir nicht auf unsere Segel, brauchen jedoch viel Zeit für unsere heutige Tagesstrecke. Gegen späten Nachmittag steigt der Wind auf vier bis fünf Beaufort und an den Cabos kommen noch Fallwinde und Düsen Effekte hinzu. Wir suchen eine geeignete Stelle zum Ankern. Durchfahren nach Mahon wollen wir nicht. Der Bereich unterhalb des Cabo Monsena erscheint uns günstig. Wir fahren hin und müssen feststellen, dass der erhoffte Schutz für die kommende Nacht nicht zu erwarten ist. Weiter südlich, in der Cala Rambla, hält unser Anker nach drei Versuchen immer noch nicht. Sandgrund auf fünf Metern stellt sich als Steinplatten mit Sand heraus, auf dem natürlich kein Anker hält.

Die Bucht von es Grao

Es wird immer später und noch kein Ankerplatz in Sicht. Feli sieht in der Seekarte hinter der Isla Colm einen Ankerplatz gegenüber des kleinen Dorf El Grao. Wir steuern unser Schiff vorbei an einigen Untiefen in diese Bucht. Vor uns liegt im Süden El Grao, ein freundlich wirkendes weißes Fischerdorf. Der Anker fällt auf fünf Meter Sandgrund. Beim zweiten Versuch gräbt sich unser Grundgeschirr ein. Wir liegen fest und sicher für die Nacht.

Ankerplatz vor Es Grao

Nach dem doch sehr anstrengenden Tag schmeckt das Anlegerbier heute besonders gut. Wir sitzen auf unserem Achterdeck und lassen in der langsam untergehenden Sonne unsere Blicke über das vor uns liegende El Grao schweifen. Direkt an der vorderen Häuserzeile sehen wir ein Restaurant. Die roten Kunststoffstühle lassen den Schluss zu, dass es sich um eine einfache Dorf-Bar handelt. Viel Zeit für unseren Sundowner bleibt nicht, da unser Bordhund den längst fälligen Landfall eindringlich anmahnt. Damit wir dieses auch richtig verstehen, stellt Timmy sich ans Heck und lässt unser Schlauchboot nicht mehr aus seinen Augen. Wir machen unser Dingi für die Überfahrt an Land klar. Nicht ganz so einfach, da Timmy seine achterliche Position nicht aufgibt und dadurch ständig im Wege steht. Die knappen  hundert Meter bis zum Anleger sind eine Tortur, da es sich unser Bordhund trotz seines hohen Alters nicht nehmen lässt, mit drei Beinen ( früher mit allen vieren) auf dem vorderen Wulst des Dingi zu stehen und bellend unseren Landausflug anzukündigen.

Morgencafe in es Grao
weiße Häuser in es Grao
Landgang
Ankerplatz vor es Grao

Es ist immer wieder schön in einem fremden Ort anzukommen und diesen dann für sich zu erkunden. Um uns einen Überblick zu verschaffen, machen wir einen kurzen Rundgang durch das kleine Dorf. Das Ende dieser hübschen Ansiedlung haben wir schnell erreicht und einen Platz für Timmy, der natürlich sein Geschäft erledigen muss, haben wir auch gefunden. Im Übrigen finden sich an vielen Stellen Kästen mit kleinen Plastiktüten, um Timmys Hinterlassenschaft wegzuräumen. Wir beschließen den ersten Ortsbummel mit einem Drink auf der Terrasse der Bar, die wir schon von Bord aus gesehen haben. Auf roten Kunststoffstühlen sitzend, genießen wir den Blick über die Bucht und auf unser Schiff. Wir essen heute Abend an Bord und leeren im Anschluss daran die angefangene Flasche Weißwein auf dem Vorschiff. Es ist absolut windstill in dieser Nacht. Unsere Thalatta liegt ruhig im jetzt tiefschwarzen Wasser vor Anker. Das nächtliche El Grao liegt vor uns. Ein Blick wie in ein Hochglanz - Bildband. In den Gassen zwischen den reinweißen Häusern leuchten die Laternen in einem warmen gelblichen Ton. Alles spiegelt sich im Wasser zwischen uns und dem Ufer. Im Schein der Laternen wirkt dieser Ort elfenbeinfarbig und  strahlt Ruhe und Geborgenheit aus. Hin und wieder sind Personen zu sehen, oder die Scheinwerfer eines Autos suchen sich den Weg durch die Nacht. Dorfbewohner sitzen auf Ihren Balkonen oder Terrassen. Die Bar im Hafen zerstört mit Ihren Leuchtstoffröhren  eigentlich  das Bild,  aber irgendwie gehört so etwas zu einem spanischen Dorf. Von dort sind Stimmen der noch reichlich vorhandenen Gäste zu hören. Nicht störend, mehr ein Stimmengeraune. Es ist fast Mitternacht und die Luft hat sich abgekühlt. Uns bietet sich ein Sternenhimmel, wie er nicht so oft  zu sehen ist. Eine zweite Flasche Vina Sol muss ihr Leben lassen. Irgendwann kann Feli nicht mehr gegen Ihre Müdigkeit ankämpfen und geht in die Koje. Timmy erklärt sich, wie nicht anders zu erwarten war, solidarisch und verschwindet ebenfalls unter Deck. Alleine, nur mit einer halben Flasche Wein neben mir, sitze ich auf dem Vorschiff, als sich folgendes grandiose Naturschauspiel  vor mir in Szene setzt: Die Bar hat gerade geschlossen und ihre Leuchtstoffröhren gelöscht, als über den Dächern von Es Grao der Mond aufging. Er war, wie die beleuchteten Gassen von El Grao, elfenbeinfarbig, riesig groß, hatte ein Gesicht und ist klar und deutlich und fast in seiner vollen Größe zu sehen. Selbst Maler wie Caspar David Friedrich hätten dieses Szenario nicht eindrucksvoller malen können. Dieses Spiel der Natur in seinen wärmsten Farben dauerte vielleicht eine halbe Stunde.

Es Grau

Vier Tage bleiben wir hier. Besuchen mehrfach am Tag das Dorf und sehen am Morgen den Fischern beim Ausladen ihres nächtlichen Fangs zu. Fast jeden Tag gehen Tigerrochen ins Netz. Wir haben Mitleid mit diesen großen und stolzen Meeresbewohnern, wenn ihnen das Fell über die Ohren gezogen wird. Wir  sehen diese lieber durch die See gleiten, zumal sowieso nicht sehr viel Fleisch für den Teller an solch einem Tier ist. Der kleine Supermarkt reicht uns für das Notwendigste. Unseren Morgenkaffee trinken wir abwechselnd in einer der drei Lokale des Dorfes. Uns fällt auf, dass nirgendwo in El Grao ein Müllcontainer steht. Trotzdem ist dieses Dorf bis in die letzte Ecke peinlich sauber. Lange musste ich suchen, bis ich meinen Müllsack loswurde. Am Anfang des Dorfes ist eine Sammelstelle für den Müll mit einem ordentlichen Trennsystem eingerichtet worden. Jeder bringt eben seinen Müll dorthin. Es funktioniert, das Dorf ist eines der saubersten, das ich gesehen habe.  Am Ende der Bucht verbindet ein kleiner Kanal diese Bucht mit einem recht großen Binnensee, der zu einem Naturschutzgebiet gehört. S'Albufera ist das größte natürliche Süßwassergebiet der Balearen und ein wichtiger Rastplatz der Zugvögel.Von unserem Ankerplatz erreichen wir mit dem Dingi in wenigen Minuten versteckte und einsame Buchten zum schwimmen und faulenzen. Unserem Bordhund tut das schwimmen besonders gut. Die Knochen wollen beim Timmy nicht mehr so wie früher. In seinem Alter wohl verständlich.

El Grau - Cala Porte

El Grau >>> Cala Porte

Die Wetteraussichten sind gut. An die 30 Grad, wenig Wolken und Wind,um die 3-4 Beaufort aus Nordost mit Tendenz Ost, sagt der DWD. Erfahrungsgemäß haben wir die höchste Trefferquote bei der Wettervorhersage beim Deutschen Wetterdienst. Wir verlassen die Bucht von El Grao und segeln in südöstlicher Richtung. Wenige Schiffe kreuzen unseren Kurs. Erst als wir die Halbinsel La Mola mit ihrer steil ins Meer abfallenden markanten Formation passieren, wird der Schiffsverkehr dichter. Die Punta del Espero ist der östlichste Punkt Spaniens. Wir queren nun die Einfahrt des Naturhafen der Inselhauptstadt Mahon. Wir haben lange darüber diskutiert, ob wir diesen Hafen auf unserem jetzigen Törn besuchen oder ihn auslassen. Da wir aber noch in den Süden der Balearen, zu den Pituysen, segeln wollen, verkneifen wir uns diese 2-3 Tage, die wir in Mahon verbracht hätten. Die Isla del Aire lassen wir an unserer Backbordseite. In der Durchfahrt wird die Wassertiefe immer niedriger. Der Tiefenmesser geht bis auf sieben Meter hoch. Hier zeigt sich das Meer von einer seiner schönsten Seiten. Dutzende von Blautönen wechseln mit den unterschiedlichsten Türkisvarianten. Wir segeln mit unserer Thalatta mitten hindurch und können uns an dem Farbenspiel nicht satt sehen. Ein Werbefilm für den Segelsport könnte hier entstehen.

Cala Covas
Die Cala Covas ist bald erreicht. Dort wollen wir die letzte Nacht verbringen, bevor uns unser Kurs wieder in Richtung Mallorca führt. Es ist einer der schönsten Calas auf Menorca, nur heute leider zu voll. Vier Schiffe liegen vor Anker und Heckleine, dazu noch für unser Grundgeschier ungünstig. Wir drehen eine kurze Runde, um unsere Entscheidung hier nicht zu ankern, zu festigen. Wir fahren zur nächsten Cala, die nur einige hundert Meter westlich ins Land schneidet, die Cala Porte.

Die Einfahrt ist durch ihre steil ins Meer abfallenden etwa 80 Meter hohen Felswände markant. In diesen Felswänden befinden sich ein Restaurant und eine Diskothek. Von dort hat man einen atemberaubenden Blick aufs Meer und  die Einfahrt. Wir sind alleine und unser Anker fällt ins türkisblaue Wasser auf sechs Meter besten Sandgrund. Die Dünung in der Cala ist noch erheblich jedoch seit Tagen lässt gegen Abend der Wind nach. Meist hatten wir in der Nacht fast glatte See. Die Thalatta zehrt aber heute unerbittlich an ihrer Kette. Der Bug geht hoch und runter. Wir haben jedoch zu diesem Ankerplatz kaum eine Alternative, da die folgenden Calas  eine ähnliche Situation haben. Der Entschluss steht fest, wir bleiben. Im Notfall machen wir unseren Anker hoch und fahren los, in Richtung Mallorca.

Cala Porte
Frisch eingekleidete Skipperin in Cala Porte
Cala Porte

Unser Bordhund Timmy muss dringend an Land und wir wollen es an sich auch. Das Herablassen unseres Dingi von den Heckträgern und die Montage des Außenborder macht bei dem vorhandenem Seegang Probleme. Beim übergehen ins Dingi verursacht die Dünung das ständige Anschlagen unseres Beibootes an den Schiffsrumpf. Wir steuern die Slipanlage an der rechte Seite des Ufers an, da das anlanden mit dem Dingi am Strand bei dieser Dünung kaum möglich ist. Feli steigt zuerst aus und dann passiert das, was eben nicht passieren soll. Eine Welle hebt unser Dinge genau in dem Moment als Feli aussteigt. Sie findet keinen Halt, rutscht aus und ist bis zur Hüfte im Wasser. Die weiße Hose ist nass und durchsichtig, Timmy springt natürlich seinem Frauchen hinterher, verunglückt beim Aussteigen ebenfalls und ist nass. Das am Ufer stehende Publikum könnte sich wenigstens für diese willkommene Abwechslung bedanken. Natürlich müssen wir Feli neu einkleiden. In einer kleinen Straßen-Boutique ersteht die gebeutelte Skipperin einen Pareo. Wir essen sehr gut in einem Restaurant, können aber den ständigen Blick zu unserem Schiff nicht unterdrücken. Die Thalatta tanzt an ihrer Kette. Es ist schon nach 19 Uhr und der Strand ist fast leer. Da hier so gut wie keine Autos fahren, lassen wir Timmy von der Leine. Eine Hündin am Strand hat seine Aufmerksamkeit geweckt. Er schließt sich ihr und einer mittlerweile  dazugekommenen zweiten Hündin an. Unser Bordhund sucht scheinbar soziale Kontakte. Wir lassen Ihn laufen so weit er will. Es ist ungewöhnlich. Timmy entfernt sich nie weiter als ein paar Meter von uns. Weit entfernt können wir sehen wie er etwas holperig den Rückzug antritt, die jungen Hündinnen sind ihm wohl zu wild.

Wir sind unruhig weil die Dünung in der Bucht nicht weniger wird. Den Einstieg ins Dingi planen wir genau, um nicht wieder neben dem Boot zu landen. Am Heck unseres Schiffes angekommen, steigt die Thalatta in den Wellen hoch und kracht mit Getöse aufs Wasser hinunter. Scheinbar sollen wir das zweite Mal an diesem Tag Pech haben. Der vordere Wulst unseres Beibootes schiebt sich beim Anlegen an unserer Thalatta unter deren Heck und Feli, die gerade übergestiegen ist, liegt im Wasser. Timmy kann ich noch soeben an seinem Brustgurt festhalten. Mit seinen Hinterläufen ist er schon über Bord des Dingis gegangen. Eine ausgesprochen gefährliche Situation, da Feli fast unter das Heck geraten ist. Nicht auszudenken, wenn das von einer Welle hochgehobene tonnenschwere Heck die Skipperin getroffen hätte. Pudelnass stehen wir Drei nun auf unserem Achterdeck. Langsam wird es dunkel und die Dünung lässt nicht nach. Wir klarieren uns und das Schiff und warten auf die Nacht. In der Plicht richten wir unseren Schlafplatz her. An einen Aufenthalt in unserer großzügigen Eignerkajüte ist nicht zu denken. Es wird eine ungemütliche Nacht. Nur kurze Abschnitte können wir schlafen. Gegen vier Uhr am Morgen haben wir die Nase voll und machen unser Schiff startklar. Kurs Mallorca, Kurs Puerto Cristo.

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Unser Gästebuch

Gästebuch

 

 

Reise
Ciudadela
Thalatta im Hafen von Ciudadela
Kathedrale in der Altstadt von Ciudadela
Hafen Ciudadela
Hafen Ciudadela
Die Crew der Arrebatao beim Auslaufen in Ciudadela
Ciudadela
Cala Morell
Abendsonne in der Cala Morell
nach dem Morgencafe in der Cala Morell
Cala Morell
Unser Dingi beim Landfall in der Cala Morell
Begegnung im Wasser ein neugieriger Pulpo
Cala Morell
Cala Morell
Fornells
Puerto Fornells
Puerto Fornells
Puerto Fornells
Puerto Fornells
Puerto Fornells
Puerto Fornells
Fornels
Puerto Fornells
Fornels
Nachts in Fornells
Caldereta de Langosta auf der Thalatta
Caldereta de Langosta auf der Thalatta
Fahrradtour zur Cala Tirant
Fahrradtour zur Cala Tirant
Fahrradtour zur Cala Tirant
auf offener See
unter Blister
Feli, die Skipperin
die Bucht von Es Grao
Ankerplatz vor es Grao
Schwimmen mit dem Bordhund
viele kleine Strände in es Grao
Schwimmen mit dem Bordhund
Fischerboot in es Grau
Tigerrochen
Fischer und sein Tigerrochen
Landfall
Schwimmen mit dem Bordhund
Der Fisch ist nur aus Reis
Abendessen auf der Thalatta
Skipperin im Dienst
Cala Porte
Timmy nach seinem unfreiwilligem Bad in der Cala Porte
Cala Porte
unter Blister

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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