Teil 3

Cala Porte >>> Puerto Cristo
Wir verlassen Menorca und nehmen Kurs auf Mallorca. Kein Schiffsverkehr weit und breit. Wir sind das einzige Schiff in diesem Seegebiet. Nach etwas über einer Stunde bricht der neue Tag an und es wird immer heller. Den Sonnenaufgang auf hoher See zu erleben ist immer wieder faszinierend. Die Farben der Sonne und das was sie mit ihren Strahlen trifft, sind für unsere Augen weich und warm. Auf dem Wasser befinden sich Millionen von Quallen, die an ihrer Oberseite ein segelähnliches Gebilde haben, was sie mit dem Wind treiben lässt.
Gegen Mittag erreichen wir Puerto Cristo und bekommen im Stadthafen einen sehr schönen Liegeplatz. Wir mögen diese Stadt und diesen Hafen. Alles was wir brauchen finden wir hier. Es gibt sehr gute Einkaufsmöglichkeiten, eine Fereteria, gute Restaurants, einen sehr schönen Strand und gute Möglichkeiten mit Timmy spazieren zu gehen. Wenn der Tagestourismus gegen 17 Uhr den Ort verlassen hat, ist es sehr ruhig im Ort.
Es ist Donnerstag und wir wollen einige Tage hier bleiben. Auf jeden Fall bis kommenden Sonntag. An diesem Tag findet in Puerto Cristo der Wochenmarkt statt. Den Morgen beginnen wir immer mit einem Besuch in einem der zahlreichen Cafes der Stadt. Hier lässt sich bei Kaffee, Bogadillo und Tageszeitung ( auch wenn sie von gestern ist) gut in den Tag starten. Zurück an Deck unseres Schiffes sehen wir in der Hafeneinfahrt Clubfreunde aus Arenal einlaufen. Doris und Jürgen mit Ihrer SY Najö II. und Annegret und Lothar, unsere direkten Nachbarn in unserem Heimathafen, mit ihrer SY Magellan steuern den Anleger im Stadthafen an. Es herrscht heute starker Seitenwind, was das Anlegen nicht gerade leicht macht. Wir nehmen die Leinen der beiden Schiffe an und begrüßen die Crews. Gemeinsam sind sie auf der Reise in den Norden Mallorcas. Im Restaurant Flamingio, mit seinem traumhaften Blick auf den Hafen und die Einfahrt, sitzen wir am Abend beim Wein zusammen. Es gibt viel zu erzählen und wir lachen viel.
Leider brechen die beiden Crews am Sonntagmorgen früh zu Ihrer Weiterreise auf. Dadurch erleben Sie leider eine besondere Fiesta nicht, die um elf Uhr startet. Ein Paellakochwettstreit. Unter großen schattigen Platanen, auf der Plaza mitten im Ort, findet das Spektakel statt. Etwa 20 - 30 Paellapfannen werden aufgebaut. Beheizt nicht mit Strom oder Gas, sondern mit Holz. Die unterschiedlichsten Größen kommen zum Einsatz. Der beißende Geruch des brennenden Holzes mischt sich mit den Gerüchen der Zutaten. Dutzende von Tisch und Stuhlreihen sind aufgebaut und jede Familie hat Ihre Versorgung mitgebracht. Tortillas und Oliven, Brot und Sobrasada, Wein, Bier und Wasser. An nichts soll es mangeln. Auf einem Podest hat sich ein Sänger nebst Musikbegleitung eingefunden. Auf einem Tisch stehen die heiß begehrten, umlagerten und erhofften Pokale für die Sieger dieses ach so sympathischen Wettstreites. Es ist toll, zwischen den Kochstellen der einzelnen Hobbyköchen zu schlendern. Jeder hat einen eigenen Stil, den er lauthals als den einzig wahren und originalen anpreist. Es entstehen Paellas mit üppigen Meeresfrüchten und Fleisch. Auch mal ohne das eine oder das andere. Selbst vegetarische Paellas werden zubereitet.

Kaum zu glauben, wie viele Varianten die Phantasie dieser Kochkünstler zu Tage bringen. Selbst ganze Hummer habe ich im Safransud schwimmen gesehen. Es wird lauter, der Qualm beißender und die spaßigen Anfeindungen der Nachbarpaella werden massiver, um so näher wir der Pokalverleihung kommen. Ein aus drei Personen bestehendes Jurorenteam stellt die fachkundigen Experten. Mittlerweile läuft der Sänger zu Höchstform auf. Bei vielen ist das spanische Temperament nicht mehr zu bremsen und es wir getanzt was das Zeug hält. Die Preisverteilung bringt, nach einigen hitzigen Diskussionen, für fast jeden einen Pokal, was dem Frieden in der Nachbarschaft sicherlich auf Dauer gut tut. Bleibt zum Schluss nur noch zu erwähnen, dass alle Paella-Pfannen von den vielen Angehörigen blank gegessen wurden. Wir von der SY Thalatta haben dieses Fest genossen, ein schöner Abschluss in Puerto Cristo.

mehr Bilder vom Paella-Wettkochen auf die Paella klicken.

Puerto Cristo >>> Puerto Petro
Unsere Reise geht weiter. Wir segeln nach Puerto Petro. Der Wind kommt heute aus Nord-Ost und lässt uns unsere Thalatta vor dem Wind segeln. Wir kommen langsam voran aber wir haben Zeit und es reicht, wenn wir gegen Nachmittag in der weiträumigen Bucht von Puerto Petro einlaufen werden. Viele Schiffe kommen uns entgegen. Es ist Montag und die Flotte der Charterschiffe, die gegen den Uhrzeigersinn Mallorca umrunden wollen sind heute fast alle in diesem Seegebiet.

Ein Teil der einwöchigen Chartercrews wählt den Kurs mit und ein Teil den Kurs gegen den Uhrzeigersinn. Also rechts oder links herum, um diese schöne und größte Balearen-Insel. Welcher ist der richtige Weg? Es gibt viele Meinungen an den Theken der Jachthäfen. Sicherlich 15 mal sind wir schon um die Insel gesegelt. Immer den Weg im Uhrzeigersinn. Es gibt meines Erachtens keine gültige Regel. Es gehört immer etwas Glück mit dem Wind dazu. Rechts herum gibt es mangels Häfen die größeren Einzeletappen zu Anfang des Törns. So bleibt den Crews etwas mehr Zeit für die schönen Calas auf der östlichen Seite der Insel.
Wir machen in Puerto Petro an einer Boje fest und verbringen eine ruhige Nacht. Morgen früh wollen wir zeitig in Richtung der nächsten Balearen Insel auf unserer Reise starten.

Porto Petro >>> Santa Eulalia/Ibiza
Um sechs Uhr können wir nicht mehr schlafen. Wir setzen mit dem Dingi noch einmal an Land, damit Timmy unser Bordhund noch einmal alles Notwendige erledigen kann. Wir fahren los und stecken unseren Kurs auf Tagomago/Ibiza ab. Leider nur unter Maschine, da der notwendige Wind fehlt. 86 Sm warten heute auf uns, um im Kielwasser zu bleiben. Erst als wir das Archipel der Cabreras auf unserer Backbordseite liegen sehen, meint Rasmus es gnädig mit uns und schickt den ersehnten Wind. Drei bis vier Beaufort aus Ost erlaubt uns einen Halb- Windkurs mit fünf bis sechs Knoten Geschwindigkeit. Blauer Himmel, 28 Grad, es läuft gut. Über Stunden nichts anderes als Wasser so weit das Auge reicht. Zwei große Containerschiffe sehen wir lediglich am Horizont. Gegen Mittag schläft leider der Wind ein. Wir müssen die Maschine starten. Am frühen Nachmittag, es sind noch etwa 25 sm bis Ibiza, lege ich mich, nach einem kleinen Imbiss lang in die Plicht, um ein wenig zu schlafen. Der Gleichklang der Maschine, das Gurgeln und Klatschen der See und das Speien des Kühlsystems haben einen beruhigenden Einfluss. Dieses wirkt aber nur solange, solange alle Faktoren ungestört funktionieren. Und dieser Gleichklang wird heute zu unserem Unglück gestört.

Langsam wird unsere Maschine leiser, stotterte zwei bis drei mal vor sich hin und läuft nicht mehr. Glockenwach bin ich in diesem Moment, da ich ahne was passiert ist. Zuerst ist die Überlegung da dass nicht genug Diesel im Tank vorhanden ist. Nach unserer Berechnung müssen jedoch noch mindestens 50 bis 80 Liter zur Verfügung stehen. Ich tanke die noch im Ersatzkanister vorhandenen 30 Liter nach. Das ist nicht unser Problem. Es bleibt nur eine Möglichkeit übrig. Der Dieselvorfilter ist wieder mit Algen und Bakterien verstopft. Das war im letzten Jahr schon einmal der Fall. Unsere jetzige Situation sieht also so aus: 25sm vor Ibiza auf hoher See, fast 30 Grad Lufttemperatur, eine alte Welle, die uns erheblich beutelt und keinen Wind, um vorwärts zu kommen. Tolle Lage, unsere heutige.

Ich versuche den Filter auszubauen, um ihn zu reinigen. Das Schiff rollt von einer Seite auf die andere, die Maschine ist glühendheiß und die Temperatur im Motorraum ebenfalls. Der Filter ist dermaßen dämlich angebracht, dass eine Demontage, selbst im Hafen einem Schlangenmensch vorbehalten bleibt. Trotz aller Bemühungen gelingt es mir nicht unter diesen Bedingungen an den Filter zu kommen. Nach einer Stunde breche ich die Arbeiten ab und wir beraten was zu tun ist. Feli hat, während ich im Maschinenraum war, versucht mit dem minimalen Hauch von Wind, unsere Thalatta wieder auf Kurs zu bringen. Wir segeln mit knapp einem Knoten, besser als nichts. Bei der Geschwindigkeit werden wir etwa 20 Stunden bis Santa Eulalia benötigen. Egal, eine andere Möglichkeit haben wir im Moment nicht. Aber Rasmus, der Herr der Winde hat ein Einsehen mit uns. Auf jedem Törn erhält er ein Schluck spendiert mit dem Einzeiler: „Rasmus, altes Rübenschwein, gib uns Wind uns Sonnenschein".
Der Wind frischt auf aus Ost. Bei mittlerweile 4 Beaufort läuft die Thalatta jetzt im Raumschotkurs 6 Knoten. So etwas nennt man Glück im Unglück. Wir haben einen der schönsten Segeltage dieser Reise. Als ob das nicht schon genug des Ganzen ist, wird diese Situation noch getopt. Wir bekommen Besuch. Eine riesige Herde Delfine kreuzt unseren Kurs. Normalerweise verschwinden sie nach einigen Minuten wieder und setzen Ihre Reise fort. Nicht so diese Herde. Ob sie Langeweile gehabt haben? Wir segeln unser Schiff mit dem Autopiloten unter Vollzeug mit sechs Knoten durch die See und stehen auf dem Vordeck ganz nahe bei den Delfinen. Welch ein Erlebnis diesen Tieren beim Spiel mit unserem Schiff zuzusehen. Zu Dritt setzen sie sich vor unseren Bug und drehen sich um die eigene Achse, so dass wir die hellen Unterseiten sehen können. Andere machen fast neben unserer Bordwand gewagte Sprünge durch die Luft. Sie tauchen, sichtbar für uns, aus der tiefblauen See auf und begleiten uns einige sm. Dieses Spektakel dauert 15 vielleicht 20 Minuten.

Ibiza kommt immer näher in Sicht. Wir erkennen schon die Bucht von Santa Eulalia, in der eine gefährliche Untiefe in Richtung Osten lauert. Diese gilt es zu umschiffen. Die Dämmerung setzt ein und wir haben nur noch 3 Seemeilen bis zum Hafen. Der Wind steht kurz vor der Marke Null. Da wir keine Maschine zur Verfügung haben und das Hafenbüro uns über UKW Funk mitgeteilt hat, nur bis 20 Uhr Hilfe zu leisten, müssen wir alleine klar kommen. Da wir ortskundig sind, können wir uns entsprechend vorbereiten. Hinter der Steinmole befinden sich die Tankstelle und das Hafenbüro auf der linken Seite. Wir machen also unsere Backbordseite fertig. Eine Meile vor der rettenden Mole de Espera (Wartemole) beträgt unsere Geschwindigkeit nur noch einen Knoten.

Kurz vor der Einfahrt haben wir eine platte See und keinen Hauch Wind. Mit dem letzten Schwung steuere ich die Thalatta um die Ecke. Bis zur Tankstelle fehlen mir nur zwei Schiffslängen. Wir stehen und die leichte Strömung drückt unseren Bug in Richtung der Steinmole. Mit dem Bugstrahlruder kann ich mich für den Moment frei halten. Wir dümpeln so einige Minuten hin und her und erwägen schon den Anker auszubringen. Das zweite Mal haben wir heute Glück im Unglück. Ein kleines Fischerboot läuft gerade ein und nimmt uns für diese uns fehlenden 20 Metern auf den Haken. Es ist fast Mitternacht als wir fest am Gebäude der Hafenverwaltung liegen. Natürlich ist das Büro geschlossen. Nur zwei Wachleute versuchten uns noch über eine Stunde die letzten Nerven zu rauben. Zweimal mussten wir uns mit dem Schiff an der Mole um einige Meter verholen, ohne das ein Sinn zu erkennen war. Die Anmeldeformalitäten wollten die beiden mit uns noch in der Nacht erledigen. In allen Häfen ist das am nächsten Tag möglich. Irgendwann habe ich sehr deutlich meine Meinung in Deutsch kundgetan. Gut, dass die beiden, ach so wichtigen Wachleute, das nicht verstehen. Timmy, unser Bordhund, legt sich, weil es ihm so in den Sinn kommt, am seitlichen Aufstieg zu unserem Schiff scheinbar demonstrativ hin. Der alte Bordhund erzeugt ungewollt Respekt. Wir hatten danach unsere Ruhe und eine ruhige Nacht.

Es ist noch keine Mittagszeit als ein Monteur an Bord ist. Das gleiche Problem wie vor einem Jahr ist die Diagnose. Dieselschlamm hat die Kraftstoffzufuhr zum Vorfilter verstopft. Der vom Tank zum Vorfilter führende Schlauch ist an einer Messingschraube am Vorfilter befestigt. Diese Schraube ist rechtwinkelig und hohl und verjüngt den Leitungsquerschnitt zum Vorfilter. Genau an dieser Verengung entsteht die Verstopfung. Der Filter der eigentlich die Schmutzpartikel auffangen soll, war genau wie im letzten Jahr sauber. Warum der Diesel im rechten Winkel durch eine Verengung gepresst wird, ist mir völlig unklar. An dieser Stelle werde ich eine Änderung vornehmen. Ich werde einen Separ Filter in Doppelausführung zum umschalten einbauen lassen.
Hier im Hafen von Santa Eulalia habe ich auch wieder Wifi Zugang und kann unsere E-mails abrufen. Seit einigen Tagen liegt eine Nachricht der SY Bramasole im Eingangsordner. Elke und Michael waren etwa zwei Jahre unsere Nachbarn in Arenal. Vor ein paar Wochen sind Sie in Richtung Italien und Kroatien aufgebrochen. Hier die empfangene E-mail der Bramasole:

Hallo Felicitas&Walter, hier mein kurzer Bericht wie versprochen von unserer Überführung unserer "BRAMASOLE" von Arenal nach Punta Gabbiani / Italien: Am 30. April 2009 haben wir S'Arenal verlassen, sind dann an Salinas vorbei auf direkten Kurs nach Sardinien und wollten eigentlich auf der vorgelagerten Insel San Pietro im Hafen von Calaforte -Empfehlung von ONYX-Peter- übernachten. Wegen guter Segelwinde (beide Segel im 3. Reff und trotzdem noch zeitweise bis 9Kts Logspeed), allerdings mit hoher Dünung während der gesamten Überfahrt von Mallorca nach Sardinien, entschieden wir uns dann bis auf die Liparischen Inseln weiterzusegeln und unseren Stopp auf Lipari einzulegen. Auf dem Weg von Sardinien nach Lipari mussten wir durch eine riesige Gewitterfront mit unglaublich starkem Regen und Hagel hindurch, allerdings war die hohe Dünung danach weg. Der Aufenthalt auf Lipari hat sich gelohnt, sind sehr freundlich mit einer Flasche Wein am neuen Schwimmsteg begrüßt worden. Sehr netter kleiner Ort mit guten Einkaufsmöglichkeiten und Tankstelle. Am nächsten Tag ging es weiter durch die Straße von Messina, stellenweise Strom bis 5 Kts von vorne. Der Wind nahm immer mehr ab, segeln war immer weniger möglich. Wir sind dann um den "Stiefel" herum und nach passieren des Golf von Tarent, quer über die Adria auf direkten Kurs nach Lastovo/Kroatien. Auf diese Weise haben wir ca. 35NM gespart, sind dem heftigen Berufsverkehr ausgewichen und haben die Verkehrstrenngebiete in der nördlichen Adria vermieden. Auf Lastovo haben wir dann wieder übernachtet und sind am nächsten Tag Richtung Rovinj/nördliches Kroatien aufgebrochen. Der Wind war in der ganzen Adria meistens schwach und aus der falschen Richtung, von vorne. Am 12.Tag sind wir von Rovinj zur letzten Etappe, ca. 40NM, nach Punta Gabbiani/Italien aufgebrochen. Gegen 18 Uhr haben wir in dem schönen Hafen mit einer super Anlage nach 1265NM und 12Tagen festgemacht. Übrigens mein AIS hat sich sehr bewährt und uns besonders während der Nächte gute Dienste erwiesen. Bin gespannt, was Peter so erlebt hat bei seiner Überfahrt. Ich denke er hat von dem schlechten Wetter noch mehr mitbekommen. Ich hoffe euch Beiden oder besser euch Dreien geht es gut und wir wünschen euch eine schöne Segelsaison. Grüße an alle bekannten im Hafen. Eure Elke&Michael von der "BRAMASOLE"
Wir wollen heute unseren Törn fortsetzen. Nach dem Morgencafe an der Ramla, im Ort, gehen wir einkaufen und machen ohne Zeitdruck unser Schiff für die Weiterreise fertig. Auch unsere Nachbarn, Niederländer aus der Nähe von Venlo, mit einer Aluminium-Yacht wollen aufbrechen. Die Skipperin kommt gerade mit einem großen Paket frisch gewaschener und gebügelter Wäsche aus der Wäscherei, die ihr jedoch ins Wasser fallt. Nur zwei Sweatshirts können gerettet werden.

Santa Eulalia >>> Cala Portinatx

Gegen frühen Nachmittag fällt unser Anker in der Bucht von Portinatx, an der Nordwest Seite von Ibiza. Es liegen mehr Schiffe vor Anker, als wir vermutet haben. Portinatx ist einer unserer Lieblingsbuchten auf dieser Insel. Da nach der ersten Nacht wesentlich weniger Schiffe in der Bucht sind, verholen wir uns an einen besseren Platz und bleiben noch eine weitere Nacht.

Cala Portinatx >>> San Antonia Abad
Unser heutiges Ziel unter Segel: San Antonio. Nordost, um die fünf Beaufort bringen die Thalatta teilweise an die acht Knoten. Die lockere Bewölkung, die Sonne und der beständige Wind erzeugen bei uns Seglern, an so einem traumhaften Tag, nur Glücksgefühle. Es macht soviel Spaß unser Schiff unter solchen Bedingungen, durch die tiefblaue, mit leichten Schaumkronen gezeichnete See, zu steuern. In der tief ins Land einschneidenden Bucht von San Antonio weht uns der Wind mit bis zu sechs Beaufort voll auf die Nase. Wir scheuen uns den Motor anzumachen und kreuzen in 6 -7 Schlägen bis vor die breite Einfahrt des Hafen. Dieser Segeltag ist einer der schönsten der ganzen Reise.
Die Hafenanlage ist in den letzten zwei Jahren durch Schwimmstege enorm erweitert worden. San Antonio hat in der Yacht-Szene keinen guten Ruf. Der Tourismus, hier vornehmlich der englische Tourismus, ist mit seinen gesamten Facetten allgegenwärtig. Es gibt hier aber auch ein anderes San Antonio. In der Altstadt gibt es rund um die Kirche sehr schöne ruhige Bereiche mit netten kleinen Kneipen und Bodegas. Die wenigsten wissen, dass man das berühmte Cafe de Mar in San Antonio findet. Tausende von Menschen pilgern jeden Abend vor Sonnenuntergang zu dieser Location.

San Antonia Abad >>> Espalmador/Formentera
Der Ostwind bleibt beständig unser Begleiter, als wir unseren Kurs in Richtung Süden abstecken. Wir segeln um die Insel Conejera mit achterlichem Wind und kreuzen zwischen den kleinen unbewohnten Felsinseln meist mit halbem Wind. Der Versuch in einer vermeintlich geschützten Cala Zuflucht zu suchen scheitert. Erstens daran, dass dort schon zu viele Schiffe lagen und zweitens diese Cala einen nichterwarteten hohen Schwell hat. Wir halten weiter Kurs Süd und passieren die Meerenge an der beeindruckende Insel Vedra. Von unserem Autopilot gesteuert, schneidet sich unsere Thalatta ihren Weg durch die See.

Wir sitzen auf der Kante und genießen Ibiza's südliche Steilküste in den warmen Farben der Abendsonne. Da an dieser Küste die nächsten Ankerplätze in der Nähe der Salinen zu finden sind, also in der Flachebene, werden diese uns bei den Windverhältnissen keinen Schutz geben. Wir steuern nun Espalmador, eine unbewohnte Insel mit Karibik Stränden, an. Gegen 20 Uhr sichten wir den Mastenwald in der Lagune und hoffen eine Boje zu bekommen. Ankern ist hier aus Gründen des Naturschutzes nicht mehr erlaubt. Glück muss man haben. Fünf oder sechs Bojen sind frei. Direkt in der ersten Reihe, vielleicht nur fünfzig Meter vom Strand entfernt, legen wir unsere Thalatta an einer Boje fest. Vier Tage bleiben wir an diesem schönen Ort.
Anja und Udo, gute Bekannte aus Moers am Niederrhein, machen gerade Ferien auf Formentera. Wir hatten uns locker zum segeln verabredet, falls wir zu dieser Zeit an diesem Ort sind. Ein kurzes Telefongespräch mit Udo und schon sind wir für Donnerstag verabredet. Gegen 10 Uhr laufen wir in den Hafen von La Sabina auf Formentera ein. Die Beiden warten schon an der Tankstelle auf uns. Feli geht schnell noch einmal in das Oficina, um uns einen Hafenplatz für die nächsten Tage zu reservieren. Keine Möglichkeit müssen wir hören, höchstens auf die Warteliste würde man uns nehmen. Die Hafengebühren hätten pro Nacht 125,00 € betragen. Es ist noch keine Hochsaison.

An Bord gekommen, packen unsere beiden Gäste ihre Mitbringsel aus. Brot und ein wenig Käse sollten sie mitbringen. Dieses taten sie auch, aber sie bringen auch Schinken, Salami, Alioli und ein großes Tablett Kuchen mit. Wir haben noch einige Tage etwas davon. Der Wind kommt heute wieder aus Osten. Die Segel sind schnell gesetzt und die Thalatta zieht ihren Kurs in Richtung der Salinen von Ibiza. Auch hier sind Bojen zum Anlegen auf dem Meeresgrund verankert. Der Schwell lässt uns unruhig liegen. Gute zwei Stunden verbringen wir dort und dürfen mit ansehen, wie vier junge Männer es schaffen, ein mit einer kleinen Rutschbahn versehenes Tretboot zum kentern zu bringen. Nur das Aufrichten sollte ihnen nicht gelingen. Udo steuert unser Schiff gegen frühen Nachmittag in die Lagune von Espalmador. Hier erleben wir fünf ( incl. Bordhund ) ein Strandleben vom feinsten. Wir schwimmen in warmen und kristallklaren Wasser der türkisfarbenen Lagune. Die satten und weichen Farben am späten Nachmittag, die sich noch mit der untergehende Sonne verstärken, faszinieren und führten zu dem Schluss, dass es in der Karibik kaum schöner sein kann.


Espalmador/Formentera >>> Club Nautico El Arenal/Mallorca
Am Abend fahren wir zurück nach La Sabina und unsere Gäste verlassen die Thalatta. Ein wirklich schöner Tag liegt nun im Kielwasser. Mit dem letzten Büchsenlicht machen wir wieder an einer Boje in Espalmador fest und bleiben über Nacht.
Die Wettervorhersage deutet nichts Gutes. Morgen soll es noch aus Osten mit drei bis vier Beaufort wehen. Danach soll der Wind auf Nord drehen. Das können wir nicht gebrauchen. Wir wollen zurück nach Mallorca. Unsere selbst genehmigten zwei Monate gehen in einer knappen Woche zu Ende.
Nach einer ruhigen Nacht starten wir gegen sieben Uhr in Richtung Mallorca. Der Untiefenbereiche bei der Freu Grande ist schnell hinter uns gebracht und wir lassen die Insel Espardell an unserer Steuerbordseite liegen. Bis in die Bucht von Palma wechselt die Windsituation öfter, so dass wir mal segeln können und mal unter Motor fahren müssen. Am späten Nachmittag machen wir nach zwei Monaten unsere Thalatta in unserem Heimathafen wieder fest.
Es war eine überwiegend schöne Zeit. Aber es gab auch negative Momente unserer Reise. Die teilweise völlig aus den Fugen geratene Preispolitik mancher Häfen ist erschreckend. Die schleichend eingeführte Bürokratisierung der Hafen- und Ankerplatz Verwaltungen lässt nichts Gutes ahnen. Der ewige Kampf um einen Liegeplatz für die Nacht ist frustrierend. Der maritime Massentourismus, vor allen Dingen in den Gewässern der Pituysen im Juli und August, schreckt uns nur noch ab. Wenn man jedoch, wie wir, Zeit hat, können einige der vorgenannten Punkte umschifft werden.
Nach zwei Monaten ist es auch genug. Wir freuen uns auf unseren Garten und auf den Niederrhein, den wir in diesem Sommer noch besser kennen lernen möchten.
Timmy, unserm Bordhund geht es jetzt scheinbar besser als vor der Reise. Das viele schwimmen, im warmen Wasser, hat ihn seinem hohen Alter entsprechend fit gemacht. Ob er noch mal mit auf „sein" Schiff zurückkommt, steht wohl in den Sternen. Er wäre dann über 15 Jahre alt.

Wir würden uns freuen wenn die Leser dieses Reiseberichtes ihre Meinung dazu ins Gästebuch eintragen. Besten Dank Feli und Walter

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