Die Sache mit Franziska

Unser Bordhund Timmy war vielleicht 5 oder 6 Jahre alt. Ich war, wie sehr oft, mit ihm alleine auf unserem Schiff, im Club Nautico Arenal. Wir warteten auf die Ankunft der Skipperin, denn die war der vorgegebenen Urlaubsplanung Ihrer Arbeit gebenden Bank unterworfen.

Jetzt im Spätsommer war der Tagesablauf meist gleich. Es blieb viel Zeit für die Pflege unserer Segelyacht Thalatta und gegen späten Nachmittag bekam Timmy seine Spiel- und Badestunde(n) am kleinen Strand unseres Clubs. Gegessen wurde an Bord meist erst gegen 22 Uhr. Sorge machte mir jedoch, dass Timmy schon den zweiten Tag seinen Fressnapf unberührt ließ und mit diesem, zu meiner Verwunderung, achtlos umging. Selbst als Welpe fraß Timmy am liebsten abends, selten tagsüber. Eine Mahlzeit reichte ihm vollkommen.

Selbst gegen Mitternacht war es noch sehr warm. Das Thermometer zeigte noch fast 28 Grad. An Schlafen war nicht zu denken. Das war die Zeit unseres fast täglichen Mitternachtsausfluges.

Timmy stand schon am Bugkorb. Man konnte ihm anmerken, dass er den Beginn unseres nächtlichen Ausfluges nicht abwarten konnte. Das er nun seit etwa 2 Tagen keine Nahrung mehr aufgenommen hatte, war scheinbar spurlos an ihm vorbei gegangen. Ich sah die Erklärung in seiner jugendlichen Stärke.

Mit dem Bordfahrrad ging unsere Route der Promenade am Meer entlang, vom Club Nautico zum Balneario 8 und zurück. Es gehörte schon ein wenig Geschick dazu, mit dem Rad, zwischen tausenden von Menschen, zu fahren. An der Playa de Palma waren zu dieser Jahreszeit, nachts, sehr viele Urlauber unterwegs. Timmy lief meist ohne Leine, war jedoch von mir immer gut auszumachen, da er ein blinkendes Leuchtband trug, was zu der Zeit ausgesprochen selten bei Hunden zu sehen war. Da wir meist die gleiche Strecke fuhren, waren wir bekannt. Die Animateure der Restaurants oder Bars riefen schon von weitem „da kommt der Diskohund".

Angekommen am Strand-Pavillon mit der Nr. 8, wechselten wir immer die Seite. Zurück ging es nun in Richtung Club Nautico, immer an den Straßen-Cafés und Geschäften vorbei. Timmy meist 5-6 Meter voraus. An dieser Strecke lag das Openair Lokal „ Don Quijote", heute teil des großen Mega-Parks. Hier arbeitete als Bedienung Franziska, eine Belgierin die wir gut kannten. Unser Weg führte uns immer auf ein bis zwei Glas Bier für mich und einer Schale Wasser für Timmy zu ihr. Das „Don Quijote" bestand aus etwa 10 übergroßen Bierpavillons und einer dahinter liegenden Restauration. Hunderte Gäste standen in guter Stimmung beim Bier aus Deutschem Lande. Die Zeit, die notwendig war, mein Fahrrad sicher abzustellen, nutzte Timmy regelmäßig um in der unübersehbaren Menschenmenge zu verschwinden und bei Franziska über seine Schale Wasser herzufallen. Er fand den Pavillon seiner Freundin ohne nur einen Umweg zu machen, egal von welcher Seite wir kamen. Zu sehen war er für mich nicht, nur seine Laufrichtung konnte man an den, nach unten gerichteten, Köpfen der Gäste unschwer erkennen.  Angekommen, lag Timmy, scheinbar mit einer Wasserschale zufrieden gestellt, bei Franziska. Trotz dutzender Rufe der Gäste, die Gläser wieder zu füllen, ließ Franziska es sich nie nehmen, in Timmy‘s Augenhöhe, mit ihm zu knuddeln. Was ihm sichtlich gefiel.

Die letzte Strecke bis zu unserem Schiff lief unser Bordhund nicht mehr vor, sondern gesittet neben mir. Ich vermutete er war müde und ich drosselte mein Radeltempo.

Auch in den nächsten Tagen gab Timmy das Tempo an. Schnell hin zu Franziska und langsam zurück zum Schiff.

Besondere Mühe machte ich mir jedoch bei der Zubereitung für Timmy‘s Fressnapf. Nachdem auch ernste Sorgen, von der Skipperin aus Deutschland, über Timmy‘s Hungerstreik laut wurden, war ein fester Termin beim Tierarzt  ins Auge gefasst worden. Irgendeinen Grund muss es doch haben, dass er kein Interesse an dem üppig gefüllten Napf hatte. Nach einigen Tagen der Nahrungsverweigerung konnte es nicht mehr nur an den hohen Temperaturen liegen. Ausfallerscheinungen zeigte unser Englisch-Springer-Spaniel jedoch nicht. Im Gegenteil, unsere nächtlichen Ausflüge in Richtung Franziska konnten gar nicht früh genug beginnen. Das Tempo hin zu Franziska wurde immer mehr forciert. Das hätte mir auffallen müssen.

Es kam die vierte nächtliche Tour in Folge, des scheinbar ach so ausgehungerten Bordhundes Timmy.

Aufgehalten, vielleicht durch eine attraktive Hundedame, kam Timmy erst nach mir bei Franziskas Bierpavillon an, setzte sich wie selbstverständlich in den Eingangsbereich neben seine schon bereitgestellten Wasserschale die er jedoch völlig ignorierte. Er wartete offensichtlich auf Franziska, die gerade einige durstige Kunden mit Bier aus der deutschen Eifel versorgte.

Als sie Timmy sah, beugte sie sich wie selbstverständlich zu ihm herunter und ich konnte noch soeben aus meinen Augenwinkeln mitbekommen, wie sie etwas Großes aus einer Serviette nahm und ihm gab.

Geduckt, herunter schlingend und mit einem Auge auf mich gerichtet, beobachtete dieser Filou mich. Er wusste sofort, dass ich der Sache Einhalt gebieten würde und ahnte wohl meine Reaktion auf diese heimliche, mir bisher entgangene, Fressorgie.

Franziska, was machst du da?" war meine Frage.

Ein Entricote für Timmy, gebbe iche jedde abend eine enticot an Timmy" entgegnete sie mir in ihrem gebrochen deutsch mit französischem Akzent.

So war es also, Timmy wusste genau was ihn auf unserer nächtlichen Tour erwartete. Saftiges, gewürztes, von Gästen des „Don Quijote" nicht verzehrtes Fleisch, anstatt Hundefutter zu Hause.

Ich konnte mich der Tatsache nicht erwehren, dass ich ihn verstand. War ja doch intelligent, unser Englisch-Springer-Spaniel  und Bordhund Timmy.

Auf unseren nächsten, nächtlichen Ausflügen, musste Timmy aber auf diese nicht artgerechte Ernährung zu seinem Leidwesen verzichten lernen.

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Feli und Timmy
ich will rein !
Kontrollgang aufs Vorschiff
Timmy will spielen
schwer Wetter
zurück an Bord
wie ein Bieber
mit Schwimmweste
Nach dem Besuch beim Tierarzt
Timmy
mit Frauchen im Wasser
Timmy und die Weihnachtsmänner
Unser Borhund Timmy
ich will mit nach Hause
La Mola auf Formentera
in der Cala Morell / Menorca