Wir sind auf der Rückreise in unserem Heimathafen auf Mallorca, kommend aus dem Golf von Almeria.
Blauer Himmel und Wind aus Südost bescheren uns einen herrlichen Segeltag. Unsere Thalatta segelte wie auf Schienen.
Feli baut auf der Leeseite einen Sonnenschutz für Timmy aus Tüchern, gehalten von Wäscheklammern,. Es dauert einige Zeit und machte viel Mühe um diese Konstruktion zum Halten zu bringen. Und was macht unser Bordhund Timmy? Er bestaunt diese, für ihn neue Behausung nur. Mit einigen Überredungskünsten gelingt es ihr jedoch, unseren Bordhund aus der Sonne in den schützenden Schatten zu delegieren.
Südlich Cabo de Palos liegt der kleine Hafen Puerto Cabo de Palos auf 37°38'N 000°41'W. Er gilt als sicher bei jedem Wetter. Wir warten einige Zeit auf die Zuweisung eines Liegeplatzes, ohne das etwas geschieht. Einen Club Nautico oder einen Marinero können wir nicht entdecken. Nach einiger Zeit machen wir uns der Hafenmauer gegenüber eines Restaurant fest. Die Durchfahrt an dieser Stelle ist so breit, dass wir ganz sicher niemanden stören. Um in den kleinen Ort zu kommen, müssen wir jedoch das gesamte Hafenbecken umrunden.
Wir erleben in einem Restaurant einen traumhaften Sonnenuntergang, bei einem kalten Weißwein und einer Fischplatte.
Der nächste Tag beginnt für uns sehr früh. Im Ort selber ist noch kein Leben auszumachen. Da Timmys morgendlicher Spaziergang noch aussteht und wir dringend frisches Brot benötigen, ziehe ich mit Timmy los. Die Skipperin bleibt zurück und will unsere Abwesenheit nutzen um eine größere und sicherlich auch notwendige Reinigungsaktion auf der Thalatta zu starten. Mit Hund und Mann an Bord ist dieses immer schwer, so sagt sie. Wir würden im Wege stehen, meint sie. Na, ob dieses alles war ist ?
Da weit und breit niemand zu sehen ist, auch Autos nicht zu befürchten sind, kann er ohne Leine laufen. Es gibt im Hafen von Cabo de Palos wohl keine Laterne oder ähnliches, an dem Timmy nicht für nachfolgende Artgenossen, eine Nachricht hinterlässt. Ich muss schon sehr gut aufpassen, damit er sich nicht in den Netzen der Fischer wälzt. Wir glauben, er macht dieses, um für eine eventuell noch zu treffende Hundedame, möglichst intensiv, aber gut zu riechen. Für seinen Geschmack eben. Nach etwa einer halben Stunde haben wir den Hafen gerundet. Zwischen uns und der Thalatta ist nun lediglich 10 Meter, aber eben die Hafeneinfahrt. Unsere Betten hängen über dem Großbaum. Alles mögliche vom Innenleben unseres Schiffes hängt zum Lüften und wir hören den Staubsauger bei der Arbeit, an dessen Ende wohl die Skipperin agiert.
Es dauert eine Zeit, bis ich eine Bäckerei gefunden habe. Mit Pan und panecillos (Brot und Brötchen) gefüllten Tüten wollen wir beide wieder zum Schiff zurück, als aus einer kleinen Gasse drei Hunde zähnefletschend und äußerst bedrohlich uns den Weg streitig machen wollen. Zum Glück hatte ich Timmy an der Leine, da dieser Macho der Meinung ist, sich mit diesen drei finsteren Gesellen anlegen zu müssen. Er agiert als Frontmann mit einem sehr tiefen und extrem aggressiven knurren und bellen, gepaart mit einem hochziehen der Lefzen, so dass jeder Zahn zu sehen ist. Timmy geht in eine Verteidigungsposition. Er macht sich so groß wie möglich und stellt sein gesamtes Fell nach oben. Sicherlich um mächtiger zu wirken. Ich habe unseren Bordhund noch nie so erlebt. Zu allem schien er bereit.
Eine Gasse in Richtung Hafen erscheint mir als ein geeigneter Fluchtweg. Nur Timmy ist der Meinung er müsste sich der Gefahr stellen. Hinter mir her muss ich ihn ziehen, damit wir aus der Gefahrenzone kommen. Das Drohgebärde unseres Bordhundes lässt die Angreifer jedoch kalt, sie verfolgen uns. Nach einigen Metern des Hinterherziehens sieht Timmy wohl ein, dass hier nur der Klügere siegen wird und läuft nun fast schneller als ich. Eine erfolgreiche Flucht soll uns jedoch nicht gelingen. Innerhalb von einigen Sekunden haben uns das Trio eingeholt, dass böse Spiel beginnt von vorne. Die Dreiertruppe besteht aus zwei schwarzen Hunden, größer als Schäferhunde, wobei einem ein halbes Ohr fehlt. Der Dritte ist kleiner, etwa halb so groß wie Timmy. Alles Rüden. Ich muss mir etwas einfallen lassen. Die Version der Flucht ist gescheitert und Timmy wird uns hier nicht alleine raus hauen können. Einer der Drei kommt näher auf uns zu, scheinbar der Anführer, das Alfatier. Uns trennen vielleicht noch 2 Meter, als überraschend der kleinste dieser aggressiven Hunde zu bellen beginnt. Vorher hatte man von ihm nichts gehört, er hielt sich in der Deckung der beiden anderen. Auch der scheinbare Anführer ist für einen kurzen Moment überrascht und dreht sich für eine Sekunde um. Diese geänderte Lage muss ich nutzen. Mit meinem Fuß trete ich den Halbohr-Träger mit voller Wucht an den Kopf und treffe dabei wohl die Schnauze. Die Überraschung ist perfekt. Mein Kontrahent geht sofort in die Knie und sucht Deckung. Ein Aufheulen mit einem hohen winseln des Anführers veranlasst die beiden anderen Hunde erst einmal den Abstand zu uns stark zu vergrößern. Mein Verständnis Tieren gegenüber, verbietet mir an sich, solch eine Maßnahme. Ich sah jedoch keine andere Möglichkeit unbeschadet zu bleiben. Da auch Timmy meine Aktion mit der notwendigen Lautstärke unterstützt, haben wir die Situation erst einmal im Griff. Mit energischen Schritten geh ich dann auf den Rambo mit dem halben Ohr zu, begleitet von einem scheinbar zu allem entschlossenen Bordhund Timmy. Diese Aktion veranlasst die Angreifertruppe zum endgültigen Rückzug. Die Lage entspannt sich. Der größte Stein fällt jedoch mir vom Herzen, da diese morgendliche Begegnung auch anders ausgehen hätte können.
Ohne Umwege laufen wir zur Thalatta zurück. Selbst zum Schnüffeln nimmt Timmy sich keine Zeit. Er sieht mich die ganze Zeit nur an. Als ich Feli von unserem Abenteuer berichte, schaute er , so glaube ich, stolz auf sein Herrchen.
Lange noch mache ich mir Gedanken über das Erlebte, was diese Hunde wohl so aggressiv gemacht hat. Wir haben so etwas noch niemals erlebt.

