Mallorca und die Pityusen im Herbst 2010
Eine Woche Männertörn vor Mallorcas Süd und Westküste
Unser jährlicher Männertörn führt uns in diesem Jahr vom Club Nautico Arenal zunächst nach Palma, in den Real Club und natürlich in die Altstadt. An der La Cueva kommen wir, der Tapas wegen, nicht vorbei. Wir begegnen Segel-Crews, die genau wie wir, gleiche Sweatshirts haben. Jedoch bei weitem nicht so schöne, wie Friedhelm unsere designt hat. Drohender Regen beendet unsere Altstadt Runde doch schon recht früh. Ein Straßencafé am Real Club ist die letzte Hoffnung für Peter einen Sitzplatz zu ergattern. Hier hat Udo dann seinen großen Auftritt. Alleine, ohne Spanischkenntnisse, aber ausgestattet mit dem eisernen Willen für sich und den Rest der Crew Eis zum kühlen des an Bord wartenden Hierbas zu bekommen, verschwindet er, für uns nicht mehr auszumachen, im Häusermeer dieser mediterranen Großstadt. Wir bleiben zurück. Die in der Nähe befindlichen Nobel-Discotheken, wie das Tito‘s, lockt in erster Linie die Jugend Palmas. Zuerst glauben wir an ein Volleyball Turnier in der Stadt. Wir sehen nur hoch gewachsene junge Frauen. Aus unserem Blickwinkel entgehen uns jedoch die High Heels.
Keine halbe Stunde vergeht und unser Eis-Udo steht mit seiner Beute, überlegen und zum sofortigen Aufbruch bereit, vor uns. Es droht bald zu regnen. Die Blitze erleuchten den dunklen Himmel immer bedrohlicher. Wir machen uns mit schnellen Schritten auf den Weg. Der Regen wird jedoch immer stärker. Fast wolkenbruchartig prasselt er auf uns nieder. Bis auf die Haut nass, ist das Ergebnis. Wir hätten besser in einer Bar bleiben sollen, es war nur ein kurzer aber doch heftiger Schauer.
Andraitx ist unser Ziel am folgenden Tag. Der Wind, so um die 4 Beaufort, weht zwar aus westlicher Richtung, stört uns aber nicht. Die Thalatta zieht auf der Kreuz ihr Lee-Sül durchs Wasser und zeigt ihr Unterwasserkleid fast bis zum Kiel. Friedhelm zupft hier, zieht dort, gibt dem Achtersteg ein wenig Freiheit und den Segeln das richtige Profil. Wir segeln, bei schönstem Wetter hoch am Wind, nach Westen, nach Puerto Andraitx. Der Schwimmsteg der Gemeinde Andraitx bietet uns Platz. Fast 20 Knoten zeigt beim Anlegen der Windmesser und trifft die Thalatta schräg am Vorschiff. Es sind 4 Liegeplätze frei und der Marinero besteht darauf, uns auf den mittleren zu dirigieren. Eine ausgesprochen ungünstige Situation beim Anlegen mit dem Heck. Der Wind drückt uns in Richtung Steg und unseren Bug nach Lee. Wir lassen uns Zeit und besprechen das Manöver. Udo und Friedhelm an die Achterleinen, Peter mit Bootshaken und Ersatzfender standby, das Dingi an die mittlere Lee Klampe und ich bin derjenige, der das bevorstehende Manöver zu fahren hat, und es dann auch völlig versemmelt. Den doch sehr starken Seitenwind habe ich unterschätzt. Wir fahren uns frei und sprechen nochmals alles genau durch. Der zweite Anlauf soll besser werden. Gleicher Winkel zum Wind, zügig achteraus, die Achterleinen fliegen in Richtung Marinero, der die Lee Leine zuerst festlegt. Das ist natürlich falsch. Die Thalatta ist nicht mehr gegen den Seitenwind zu halten, wir driften auf den äußeren Liegeplatz. Mit dem Bugstrahlruder versuche ich das Schiff wieder gerade zu setzen. Genau in diesem Moment blockiert es und fällt aus. Mit Mühe kommen wir in eine stabile Lage und können die Mouring am Bug befestigen. Warum verließ uns das Bugstrahluder in einer äußerst wichtigen Situation? Die Festmacherleine unseres, auf der Steuerbordseite an der Mittelklampe befestigten, Dingi hat sich im Bugstrahlruder verfangen. Durch die Bedienung nach Luv, also nach Backbord, hat es die Leine regelrecht eingesaugt. Wieder etwas gelernt. Ein kurzer Tauchgang kann das Problem beseitigen.
Nach dem wir im Restaurant oberhalb des Hafens hervorragend zu Abend gegessen haben, suchen wir noch ein Lokal, welches für uns keine Langeweile sondern Spass vorrätig hat. Das geht an sich nur, wenn möglichst viele Leute da sind und gute Musik geboten wird. Wir laufen bis zur Brücke die in Richtung Marina führt. Tote Hose in allen Lokalen. Wir wollen schon zurück aufs Schiff aber ein kleines Eis auf die Hand soll es noch sein. Auch diese kleine Eisdiele hat zu unserem Ärgernis geschlossen. Aber was hören unsere Ohren. Stimmengewirr und Musik. Das wollen wir doch! Um die nächste Ecke herumgelaufen sehen wir das, was wir ja suchen. Scheinbar halb Andraitx ist hier versammelt. Die jüngeren und die wohl jung gebliebenen. Gegenüber der Bar „Havana" spielt eine Band. Musik nach unserem Geschmack. Genau zu dem Zeitpunkt, als wir näher kommen, wird ein Tisch in bester Lage frei. Murphy lässt grüßen. Es wird ein toller Abend und eine tolle Nacht. Ich denke, dass unser Tisch wohl den größten Umsatz des Abends vorzuweisen hatte.
Na ja fit sind wir am Morgen nicht, als es gegen 11 Uhr „Leinen los" heißt. Badepause in San Telmo und Porto Soller stehen auf unserem, wohl eher locker, gehaltenen Programm. An einer Boje machen wir, mit Zustimmung der vor Ort anwesender Obrigkeit, fest. Die für eine Paella eingekauften Fische und Schalentiere sind nicht mehr zum Kochen geeignet. Wir geben sie dem Meer zurück, zur Begeisterung der unter der Thalatta stehenden und noch lebenden Fischschwärme.
Mangels Wind geht nun unsere Reise unter Motorkraft weiter. Gute 2 Stunden vor Porto Soller sichten wir eine Segelyacht, die scheinbar auf der Stelle steht. Wir kommen näher und erkennen das internationale Zeichen, Hände über dem Kopf schwenken, der Bitte um Hilfe. Eine 48 Fuß Jeanneau mit überwiegend Finnen an Bord, ist manövrierunfähig. Die Maschine ist ausgefallen und Wind zum Segeln ist leider nicht vorhanden. Wir nehmen eine Leine über, verabreden eine Funkfrequenz und schleppen den Pechvogel in Richtung Porto Soller. Keinen Diesel bekommt die Maschine, wer kennt dieses Problem nicht, mit den Bakterien im Treibstoff. Auf der Thalatta hatten wir zweimal das gleiche Dilemma. Mittlerweile habe ich jedoch vorgesorgt, so dass mir dieses wohl nicht mehr passieren kann. Kurz vor dem Hafen kommt jedoch überraschend Entwarnung, der Motor läuft wieder. Auch dass ist typisch für eine vorhandene Dieselpest, dass es vorübergehend wieder läuft. In Porto Soller machen wir fest in der Marina Tramontana, direkt neben den geschleppten Finnen. Die Wiedergutmachung, in Form von Bier und Wein, ist jedoch nicht nötig. Unsere Mannschaft will in den Ort. Ich kenne ihn gut und schlage vor, dass ich heute an Bord koche. Meine letzten Erfahrungen in Porto Soller im Restaurant EL PIRATA habe ich noch in schlechter Erinnerung. Die heutige Wettervorhersage deutet uns nichts Gutes. Regen und starker Wind aus Nordwest lassen uns zu dem Entschluss kommen, einen Tag länger zu bleiben und mit der Bimmelbahn am nächsten Morgen nach Soller zu fahren. Beim Abendessen bemerken wir, dass vor uns an Land, innerhalb kurzer Zeit, aus einem Container eine Bar entsteht. Optisch, durch Licht hübsch anzusehen, Barhocker und Fassbier, zwei-drei Tische mit Stühlen, um die einzige Palme. An sich ein kleines, nicht zu erwartendes Highlight. Da sollte doch was laufen, einige Charteryachten mit sicherlich interessierten Gästen waren doch auch da. Aber es läuft überhaupt nicht. Das Personal ist völlig desinteressiert und hält sich nicht hinter der Bar auf, sondern sieht im Container fern. Nur zum Verkauf eines Getränkes geht man, mehr unlustig, ans Werk. Musik ist zwar eine Geschmacksache, harte Techno Klänge kommen jedoch kaum an. Schade, hätte was werden können. Man hätte die Möglichkeit gehabt, Besatzungen anderer Schiffe kennen zu lernen. So bleibt jeder auf seinem Schiff. Gutes Personal ist scheinbar auch in Spanien Mangelware.
Der nächste Morgen.Wir bleiben in Porto Soller und sind gerade fast abreisefertig, um mit der Bimmelbahn nach Soller zu fahren, als eine Bavaria 46, uns achtern querend, den Hafen mit Musik verlässt. Es ist Life-Musik. Vier Bläser intonieren eine änliche Musik, die ich bei dem Auslaufen von Übersee-Schiffen kenne. Eine tolle Nummer, die mit Applaus und dem Bedienen der Schiffsirenen gewürdigt wird. Der Spruch von Udo "Da trauen wir uns ja nicht mehr, irgendwo anzulegen" trifft die Sache ein wenig.
Mit der 80-jährigen Siemens Bahn ruckeln wir nach Soller, was immer wieder ein Erlebnis ist. Vorbei an Vorgärten und Terrassen, fast meint man die Küche der Anwohner zu streifen, schlängeln sich die Schienen hoch nach Soller. Hier kommen die Tagesgäste mit dem sogenannten "roten Blitz" aus Palma an. Peter war vor kurzem noch hier und preist uns mit warmen und eindringlichen Worten eine Eisdiele der besseren Art an. Wir müssen nicht lange suchen. Er findet diese auch sehr schnell. Ein hübscher, kleiner dazugehöriger Garten ist für uns wie geschaffen, morgens vor zwölf, eine Kalorienbombe der Extraklasse aufzunehmen. Was dann von uns geordert wird, kann nur mit völliger Gier und antrainierter Unvernunft zu erklären sein. Soviel Kalorien kann kein Mensch in einer akzeptablen Zeit wieder verbrauchen.
Das alles vor dem Hintergrund unser aller Übergewicht. Friedhelm möchte ich hier ausnehmen. Überstanden haben wir es, jedoch mit schlechtem Gewissen. Hoffe ich. Wir vertrödeln den Nachmittag. Gegen vier Uhr wird von den Marineros ein großer Bereich des Anlegestegs frei gemacht. Mehrere Motor-Yachten verholen sich. Was sich uns dann bietet ist großes Kino. Eine traumhaft schöne, selten zu sehende Mega Yacht läuft ein. Die unter der Flagge der Cayman Islands fahrende Megasegelyacht KONKORDIA. Mit 52 Meter Länge über alles, einer Breite von 10 Metern und einem Tiefgang von 5 Metern, gehört diese Yacht zu den größten privaten Segelschiffen. Das Anlegemanöver ist sehenswert. Alles geht ruhig aber bestimmt. Jeder vom Personal ist an seinem Platz. Selbst die zwei weiblichen Crewmitglieder stehen mit beiden Händen auf dem Rücken, parademäßig achtern. Eine Show der Extraklasse. Erst als alles fertig ist und die Gagway perfekt steht, kommt der Eigner, nebst wesentlich jüngeren Begleitung, von Bord. Im Regen verbringen wir, sehr ungemütlich, den ersten Teil des Abends. Fast alleine an der Promenade, besinnen uns dann unserer Vorräte an Bord. Wir bleiben auf der Thalatta, was die richtige Entscheidung war. Leider läuft die Yacht am nächsten morgen aus, ich kann keine Fotos machen.
Auf unserer Reise, die ja wieder zurück nach Arenal führt, wollen wir natürlich, die etwa eine Stunde nördlich entfernte, "Cala de Sa Calobra" sehen und erleben.
Vorbei an mächtigen Felsformationen, auf unserer Steuerbordseite, erreichen wir am Vormittag unser Ziel. Der Kieselstrand des Torrent de Pareis, der in die Cala de Sa Calobra mündet, ist gut, gleich einer Toreinfahrt, auszumachen. Unser Bügelanker fällt auf acht Meter und findet einen perfekten Halt im Sandgrund. Der Rundblick fasziniert. Nach einigen Überlegungen ob wir an Land gehen oder nicht, im Norden steht eine schwarze Wolkenwand, machen wir unser Dingi klar. Der grobe Kiesstrand macht uns kleine Probleme beim Anlanden. Einen, hinter dem Strand liegenden, Tümpel müssen wir durchwaten, um dann den gewaltigen, außergewöhnlichen und faszinierenden Blick in die wildromantische Schlucht zu genießen. Einen, smaragdgrün ausgeleuchteten Fußgängertunnel, der kaum Gegenverkehr zulässt, müssen wir nun bewältigen um in den südlichen Arm der Bucht zu gelangen. Hier befindet sich der Anleger der Ausflugsbote, die aus Porto Soller Urlauber in großer Anzahl herbeischaffen. Diese wiederum vereinigen sich an Land mit den Touristen, die sich von einer Reisebuss Armada, auf einer schon abenteuerlichen Serpentinenstrasse, bis in die Schlucht herab chauffieren lassen. Am Scheitelpunkt beider eintreffender Reisegruppen findet man diverse Ausflugslokale, die sich mit ihren Angeboten auf die gestressten Reisebus- und Schiffspassagiere stürzen. Ein Café, ein Bier und wir flüchten vor diesem enormen Touristenauftrieb zurück auf unsere Thalatta.
Die am Morgen noch bedrohlich wirkenden schwarzen, mit Blitzen durchzogenen, Wolkenformationen sind weiter nach Norden gezogen. Wir lassen den fast mystischen Ort achteraus und segeln bei gutem Wind in südlicher Richtung. Welchen Hafen sollen wir anlaufen? Andraitx waren wir, Port Adriano will niemand hin, also bleibt nur noch Santa Ponsa. Hat dort nicht die TV-Oberdoofnuss Daniela Katzenberger ihre Kneipe? Ja, hat sie und das soll unser Ziel sein.
Gegen 19 Uhr laufen wir in die Bucht von Santa Ponsa ein. Bis kurz vor der Einfahrt, zum Hafen von Santa Ponsa, stehen die Segel. Einen Liegeplatz bekommen wir direkt auf der rechten Seite, nach etwa 50 Meter. In keinem Hafen der Balearen sind die Formalitäten so umfangreich durchzuführen wie hier in Santa Ponsa. Der Marinero benötigt, zu den üblichen Papieren, auch alle Ausweise der Crew und hat Fragen, die in absolut keinem anderen Hafen abgerufen werden. Fast eine Dreiviertelstunde schreibt und rechnet er in seinem Auto. Wir sitzen auf heißen Kohlen, es ist schon weit nach 20 Uhr. Immer wieder hat er Fragen, bleibt aber während der gesamten Prozedur äußerst freundlich, was mich dazu zwingt, ebenfalls freundlich zu bleiben. Irgendwann haben wir die Anmeldung dann hinter uns gebracht. Das Verlassen des Hafens gestaltet sich dann schwierig. Von unserer Position müssen wir um drei Hafenbecken laufen um den Ausgang zu erreichen. Den Ortskern können wir nicht erkennen, aber ein Taxi bringt uns dann nach Santa Ponsa, wo wir in einem Restaurant recht ordentlich essen. Der Kellner, der sehr gut deutsch spricht, kann uns erklären, wo wir das Lokal von Daniela Katzenberger finden. Es ist schon erstaunlich, wie bekannt die doofe Nuss, wie sie sich selbst nennt, sogar auf Mallorca, ist. Wir laufen dort hin. Direkt am Hafen, am oberen Teil der Bucht, werden wir fündig. Natürlich treffen wir sie nicht an. Eine normale Kneipe ohne Höhepunkte. Drei oder vier große Bildschirme spulen in einer Endlosschleife die Höhepunkte ihrer TV Karriere bei VOX ab. Die eindringliche und auf die Dauer nervende Stimme der Katzenberger dringt in die an sich friedliche Nacht. Die Bar ist gut besucht, aber kaum gibt es Gespräche der Gäste, wie sonst in einer Bar üblich. Nein, alle sehen gebannt auf die Bildschirme. Eine Kneipe in der man nur einen Film schauen kann. Ob es diese Bar noch im nächsten Jahr gibt, bezweifele ich. Wer einmal dort war hat alles gesehen und zum „etwas erleben" ist man dort falsch. Warum zum zweiten mal vorbeischauen?
Unsere Reise geht zu Ende. Nach einem gemütlichen Vormittag ist der Club Nautico in Arenal unser Tagesziel. Wir können noch einmal segeln und die Thalatta dem Ziel entgegen steuern. Gegen frühen Nachmittag machen wir im Heimathafen fest.
Der Herbsttörn geht weiter, mit veränderter Besatzung, in Richtung Pityusen





















































