Hilfe, ich habe kein Handy!



Ich bin Ich auf Mallorca, der größten Baleareninsel und habe zu meinem Bedauern kein Handy. Als wenn mir jemand ein Körperteil amputiert hätte. Ob ich will oder nicht, es fehlt mir. Von jeglicher telefonischer Kommunikation bin ich nun ausgeschlossen. Der ach so geliebten Short Message Service (engl. für „Kurznachrichtendienst", Abk. SMS) bleibt für mich blockiert. Für Freunde und die mir nahe stehenden Menschen, bin ich, nach Maßstäben der Telekommunikation, ein „NO-GO Typ". Ja, es geht wirklich nicht, ohne Telefon, den Tag zu meistern. Ich muss dieses nun erfahren.
Handwerker die ich dringend benötige, rufe ich von einem öffentlichen Fernsprecher an. Den muss man erst einmal finden. Sie werden in Spanien auch immer weniger. Natürlich war der Experte nicht zu erreichen aber seine Frau sicherte mir einen prompten Rückruf noch am Vormittag zu. Nur bitte schön, wohin. Dass ich kein Telefon habe, stieß auf völliges Unverständnis. In drei Tagen landet der Flieger, in dem ich eingebucht bin, auf dem Flughafen Düsseldorf. Freundlicherweise soll ich abgeholt werden. Wie aber bringe ich die richtige Ankunftszeit an den Abholwilligen? Ich versuche es wieder mit dem öffentlichen Telefon. Man ist gut beraten, genügend Münzen mitnehmen. Ich habe zu wenige, aber ich lerne schnell. Erst der zweite Anlauf war erfolgreich. Mühsam erarbeitete ich mir in zwei Strandbars, das zum Telefonieren notwendige Wechselgeld, mit dem Effekt, schon gegen zwölf Uhr eine leichte Wolldecke im Mund zu verspüren.
Das neue Handy

Es ist unglaublich wie viele Menschen mir entgegenkommen und telefonieren. Als ob sie es extra tun um mich zu ärgern und ich ärgere mich tatsächlich, gebe es aber ungern zu. Die nicht mehr vorhandene Abhängigkeit, auf ein Klingeln reagieren zu müssen, führe ich nun als Argument Handybesitzern gegenüber an. Hört sich cool an. Ich sehe nur noch Telefone an den Ohren. Es scheint so, dass jeder Zweite mir entgegen kommende, Kontakt zu seinem sozialen Umfeld hat, dass jeder gerade eine SMS ließt oder schreibt. Nur ich bin heraus, aus dem elektronischen kontaktieren.
Was mag ich alles versäumt haben, weil ich nun seit drei Tagen kein Funktelefon zur Verfügung habe? Dass ich schlecht zu erreichen bin, werden alle die postulieren, die mich in den letzten drei Tagen sprechen wollten. Hoffentlich sind es viele. Wäre doch auch nicht gut, wenn keiner anrufen würde. Eine schreckliche Vorstellung.
Einen Laptop habe ich jedoch und lese prompt die Anklage in meinem E-Mail Posteingang, warum ich weder telefonisch erreichbar bin noch auf SMS reagiere. Meine Befürchtungen bestätigen sich aber, wie konnte ich bis vor einigen Jahren leben, ohne Handy. Die Erfindung ist ja noch nicht so lange her. Durch die rasante Entwicklung des Mobilfunks erscheinen die Anfänge der drahtlosen Telefonie weit zurückliegend.
Ach ja, warum habe ich eigentlich kein Handy? Die Antwort ist ganz einfach: Gemeinsam mit meiner Fotokamera ist es mir ins Hafenwasser gefallen. Ich war leichtsinnig, hatte also selber Schuld und kann sie niemanden in die Schuhe schieben. Drei Tage ohne Handy brachten jedoch Ruhe und viel mehr Platz in der Hosentasche.