5 Frauen mit Rudi auf Cabrera

Der Wind pfeift in Böen von über 40 Knoten. Schwarze Wolkenwände ziehen herauf. Die zur Zeit herrschende Wetterlage ist alles andere als gut. Meldung des DWD (Deutscher Wetterdienst): Ein Höhentief, das am 06.09.2005 bei der Bretagne lag, verlagert sich etwas nach Süden, Richtung Spanien und Balearen.
Das Tiefdruckgebiet Rudi bildet sich aus. Kräftige Hebung auf der Vorderseite des Höhentiefs und die mit der südwestlichen Strömung vom Mittelmeer nach Frankreich geführte feuchtwarme Luft lösen Starkniederschläge, begleitet von heftigen Gewittern aus. Wie wir später erfahren traten so starke Niederschläge auf, dass in Frankreich mehr als 12.000 Menschen die Nacht in Notunterkünften verbringen mussten, einige hundert Häuser überflutet wurden und 1 Mensch ums Leben kam

Aber davon wussten wir noch nichts.
Wir liegen mit unserer Segelyacht Thalatta auf Cabrera und bekommen die Ausläufer dieses Tiefdruckgebietes zuspüren. An Hand der Wettervorher-sagen war allerdings beim Beginn unseres Törns von Tief Rudi noch keine Rede.
Die Thalatta zerrt an der Leine mit der sie an einer Boje festgemacht ist. Sie beginnt sich zu bewegen, viel zu schnell, eben haben wir das Castel achteraus, jetzt ist es quer ab.
Wir, das sind Barbara, Ute, Bettina , Susanne und ich, Felicitas die Skipperin. Arbeitskolleginnen sind wir. Die „Sparkasse Am Niederrhein" ist unsere berufliche Heimat und durch viele gemeinsame Aufenthalte auf der Thalatta sind wir zu Freundinnen geworden. Jetzt sitze ich mit Barbara in der Plicht, die anderen schlafen um uns nachher abzulösen. Der große Handscheinwerfer liegt griffbereit neben uns, wir kuscheln uns unter dem Sprayhout in Decken. Bei diesem Sturm ist es sicherer Ankerwache zu halten. Man weiß nie was passieren kann.
Vor fünf Tagen landeten wir auf dem Flughafen Palma de Mallorca, mit der Hoffnung auf einen schönen Segeltörn und einer volle Bordkasse, in die wir ein Jahr lang eingezahlt hatten. Wir wollen zunächst nach Cabrera segeln und dann die Ostküste entlang, ohne genauen Plan. Segeln, sonnen, schwimmen und in netten Häfen essen gehen. Stress hatten wir alle genug in der letzten Zeit. Zwei Stunden später sitzen wir auf der Thalatta und genießen den Cava (spanischerSekt). Auspacken, die Belegung der einzelnen Kojen steht wie immer fest. Die Achterkajüte teile ich mir mit Ute. Im Vorschiff von uns liebevoll Kinderzimmer genannt, schlafen Susanne und Bettina. Im Salon residiert Barbara. Ein bisschen Lippenstift und was für die Disko übergezogen, ab geht es zunächst einmal zum Abendessen. Wir sitzen in einem wunderschönen Garten unter Palmen und Bananenstauden und essen gegrillte Gambas, herrlich ! Danach an diePlaya de Palma zur Bier- und Schinkenstrasse. Zu Hause, am Niederrhein, beginnt die Moerser Kirmes, aber die haben wir hier in verstärkter Form.
Es ist Sonntagmorgen, kein Grund auszuschlafen. Der Supermarkt in Arenal hat nur bis Mittag geöffnet und wir wollen noch einkaufen. Außerdem muss „klar Schiff" gemacht werden. Es ist heiß und die Eine oder Andere hatte noch Nachwehen von der letzten Nacht. Gegen frühen Nachmittag ist dann alles geschafft. Für den Montag meldet der DWD (Deutsche Wetter Dienst) Süd-Südwest Bft 2-3, gegen Abend Südost-Süd Bft 4, das heißt Wind von vorne, also früh los.

Montagmorgen, Sonnenschein und eine leichte Brise aus Südost. Es ist 10.00 Uhr als wir ablegen. Susanne und Bettina werfen die Vorleinen los, Ute achtern die Muringleine und Barbara filmt uns dabei. Ich steuere die Thalatta rückwärts aus dem Liegeplatz. Der Radeffekt der Schraube hilft mir dabei unser Schiff in die Geradeausfahrt zu setzen. Vorbei am Wartekai steuern wir auf die Hafenausfahrt zu. Die Fender sind schnell abgebunden und verstaut. Wir fahren noch einige Zeit unter Motor. Das Schiff ist neu und wir müssen noch viele Dinge kennen lernen, die auf der alten Thalatta selbstverständlich waren. Wer möchte konnte das Schiff steuern um auszuprobieren wie es reagiert. Wir wiederholen noch mal die Sicherheitseinweisung, wie wird der Motor gestartet, wo sind die Schwimmwesten, wie fährt man das „Mann-(oder Frau) Über-Bord-Manöver." Wie immer herrschen auf dem offenen Meer andere Windverhältnisse als im Hafen, wo man mehr mit Verwirbelungen als mit kalkulierbaren Stärken und Richtungen des Windes zu tun. Um die Segel zu setzen, müssen wir die Thalatta nicht in den Wind fahren, denn den haben wir auf unserem Kurs, 150° leider von vorne. Der für den Abendangekündigte Südostwind ist schon eher gekommen. Unser Kurs führt uns zunächst um das Cabo Blanco. Zuerst steht das 36m² Grossegel, dann rollen wir die Fock aus, fast 80m² Segeltuch stehen nun am Wind. Susanne und Bettina bedienen die Fockschoten, Ute steuert und Barbara filmt die ganze Aktion. Die Thalatta legt sich auf ihre Steuerbordseite und nimmt Fahrt auf. Wir wechseln mehrfach den Bug und kreuzen so bis wir Cabo Blanco querab haben, dann schläft der Wind ein. Wir lassen das Groß als Stützsegel stehen und bergen die Fock. Die Maschine wird gestartet und bringt uns unserem Ziel, das Archipel der Cabreras, entgegen.
Mittlerweile haben wir 3 Seekranke an Bord und Barbara kommt mit tröstenden Worten und dem Anreichen von Papiertüchern nicht mehr nach.
Vom Cabo Blanco aus hatte ich den Kurs in Richtung Cabrera mit 180 Grad berechnet. Damit wir auch da Ankommen wo wir hin wollen verfügen wir über eine moderne Satelliten Navigation, einen elektronischen Seekartenplotter auf dem alle notwendigen Daten wie Position, Geschwindigkeit, Windverhältnisse, Wassertiefe u.s.w. aufgezeichnet sind. Des weiteren gibt uns das Radarbild welches wir im Overlay-Verfahren über die Seekarte legen können die notwendige Sicherheit. Sollte aber Widererwarten alles ausfallen kann ich mit der terrestrischen Navigation also mit Dreieck, Zirkel und Kompass jederzeit unsere aktuelle Position bestimmen. Heute haben wir klare Sicht und können früh die einzelnen Inseln des Archipels erkennen.
Sieben Seemeilen vor der Einfahrt der Ankerbucht erhalten wir einen Telefonanruf aus unserem Hafen. Willy, ein Segelfreund, berichtet uns von der neuesten Wetterentwicklung. Nach der Wetterkarte im spanischen Fernsehen wird es schlechtes Wetter geben, was auch der Deutsche Wetterdienst in Offenbach bestätigt. Es wäre besser umzudrehen.Wir beraten was zu tun ist. So kurz vor dem Ziel aufgeben, Das heißt auch Stunden zurück und im Dunkeln ankommen. Nein, wir sind doch nicht aus Zucker. Als verantwortliche Skipperin, sehe ich die Sicherheit der Crew und des Schiffes, an einer für Yachten installierten Festmacherboje für gegeben, an der wir im Notfall aber auch Abwettern könnten.

Die Inselgruppe der Cabrera's ist ein Naturschutzgebiet. Dieser Nationalpark besteht aus der Inselgruppe der Cabrera's und deren Gewässern. Die Hauptinsel Cabrera, die Insel Conejera u. insgesamt 15 kleinere Inseln. Sie ist nur an wenigen Stellen für die Öffentlichkeit zugänglich. Um den Meeresgrund in der für Besucher vorgesehenen großen Bucht zu schonen, ist das Ankern verboten. Es liegen hier Bojen an denen man sein Schiff festmachen darf, allerdings in den Sommermonaten nur für eine Nacht. Dadurch ist eine maximale Anzahl von Besuchern festgelegt. Die notwendige Genehmigung hatte ich für uns früh genug beim Ministerio de medio Ambiente in Palma beantragt und für unsere Reise im September bekamen wir die Erlaubnis zwei Tage zu bleiben. Wir steuern die Einfahrt an. Ute steht am Ruder, die Thalatta gleitet zwischen den Felsen durch. In der Mitte der Bucht sehen wir die Segelyacht ONYX , eine Sunbeam 44, Annemarie und Peter, Freunde aus unserem Yachtclub, winken schon. Die von uns bevorzugte Boje ist leider mit einem großen Katamaran, belegt. Die Herrencrew ladet uns zum Anlegen an Ihren Katamaran ein. Nein danke, das können wir alleine. Ute steuert die nächste freie Boje an, Susanne nimmt mit dem Bootshaken die Boje auf, ich belege den Tampen auf der Klampe der Thalatta. Perfekt!. Kein Kommentar von dem Katamaran. Das ist ein Fläschchen Cava wert, einen so genannten Anlegerschluck. Wir sitzen auf dem Achterdeck und lassen es uns gut gehen.
Vor uns liegt der kleine Hafen „Puerto de Cabrera" in dem das Anlegen mit einer Yacht nicht erlaubt ist. Oberhalb des Hafens, auf dem höchsten Felsen, befindet sich das Castillo de Cabrera.
Talayoten, Römer, Araber, Christen und Piraten waren alle eine Zeitlang hier anzutreffen. Das Castillo wurde gegen Ende des 14.Jahrhunderts errichtet. Ein besonders trauriges Kapitel in der Geschichte Cabreras begann 1809, als etwa 7000 französische Kriegsgefangene aus Napoleons Heer hierhin verbannt wurden. Ohne Lebensmittel und Trinkwasser, führten Sie einen erbitterten Kampf ums Überleben. Als am 16. Mai 1814 Schiffe zu Ihrer Befreiung in den Hafen kamen, schaffte es nur noch die Hälfte von Ihnen zum Skelett abgemagert bis zum Strand. Zum Glück ist das alles lange her und wir haben ein Schiff und genügend Bordvorräte.

Inzwischen kommt Annemarie von der Onyx herübergeschwommen und wir haben viel zu erzählen. Bei nun sechs Frauen an Bord kaum verwunderlich. Für unsere Seekranken hatte sie auch ein gutes Mittel. Als ehemalige Stewardess hatte sie viel Erfahrung mit solchen Dingen. Peter ist es zu langweilig alleine an Bord der Onyx, er kommt mit dem Beiboot herüber und erhält von uns die Ausnahmegenehmigung als Mann an Bord zu kommen. Später schwimmen wir im glasklarem Wasser um die Thalatta. Im Letzten Jahr wäre das nicht so einfach gewesen, da bevölkerten Millionen von Quallen das Wasser. Aber seit die Parkverwaltung Meeresschildkröten, deren Lieblingsspeise Quallen sind, ausgesetzt hat, gibt es dieses Problem scheinbar nicht mehr.Susanne und Bettina zaubern zum Abendessen gebratenes Hühnchenfleisch, Salat und Baguette, dazu ein kühler Weißwein. Abendsonne, der Pinienduft vom Land, später geht der Mond auf, kitschig schön. Man möchte diese Stimmung einfrieren können.
Der Barograph fällt, aber das verdirbt uns nicht die Laune an diesem schönen Abend.
Dienstag, wir haben alle ausgeschlafen, Es gibt den Morgenaufwachkaffee. Die Sonne lacht , der Himmel ist blau und das Leben schön. Im Kristallklaren Wasser sehen wir das Seegras auf dem Meeresboden und jede Menge Fische, Wir springen ins Wasser und schwimmen erst einmal. Ich schnorchel um die Thalatta und sehe mir das Unterwasserschiff an. Das machen wir so ab und zu um zu prüfen ob alles in Ordnung ist. Bettina hat etwas von unserem alten Brot und sie füttert die Fische damit. Es werden immer mehr Fische. Das möchte Susanne auch. Brotscheiben werden zu ihr ins Wasser geworfen. Darauf hat eine größere Anzahl von Jungmöwen nur gewartet. Sie landen bei Susanne. Die wird von einer Panikattacke erfasst und krault kreischend auf die rettende Thalatta zu. Die Jungmöwen mit ihrem flauschigen braunen Gefieder sehen ihr neugierig nach. Ute macht Rührei für uns zum Frühstück und Susanne und Bettina haben schon wieder das Gefühl seekrank zu werden. Da hilft nur Ablenkung. Ich lasse das Beiboot zu Wasser und die Beiden rudern zur Onyx, das Mittel gegen Seekrankheit holen.
Wir machen einen Ausflug zum Castillo de Cabrera. Bettina steuert das Beiboot der Thalatta an die kleine Anlegestelle. Barbara bleibt an Bord, sie hat an den Füssen Blasen, die neuen Segelschuhe sind schuld. Es ist heiß, als wir zum Castillo aufsteigen. Ich habe Durst und mein Knie schmerzt noch etwas nach der Meniskusoperation. Auf den Felsen wimmelt es von den schwarzen Baleareneidechsen. Insgesamt 80% der weltweiten Population sollen hier auf dem Archipel beheimatet sein. Der Blick von oben entschädigt für alles. Ganz weit im Dunst liegt die Küste Mallorcas. Unter uns die Ankerbucht und dort schaukelt die Thalatta im türkisfarbenen Wasser. Dieses Bild möchte man festhalten.

Der Abstieg fällt leichter und in der Cantina an der kleinen Mole gibt es eine herrlich kühle Limonade. Zurück an Bord finden wir Barbara unter einem selbstkonstruierten Sonnenschutz in einem Berg von Kissen. Der Barograph fällt weiter und Walter, mein Mann gibt uns telefonisch die neuesten Wettervorhersagen. In Südfrankreich tobt ein Sturm, alles ist überschwemmt, Katastrophenalarm ist ausgelöst worden. Nach den Vorhersagen werden wir an den Ausläufern dieses Sturmtiefes sein. Am späten Nachmittag machen wir einen Spaziergang um die Bucht. Dabei fällt mir auf, das sich auf einmal weiße Schaumkronen auf dem seichten Wasser am Ende der Bucht bilden. Barbara die an Bord geblieben ist, erzählt, dass ganz plötzlich eine Windböe von 30 Knoten, das sind 7Bft eingefallen ist. Danach ist wieder alles normal, um die 11 Knoten Wind.
Nach dem Abendessen, sichern wir alles auf dem Deck was wegfliegen könnte. Wir holen das Beiboot hoch. Die Thalatta wird mit einem zweiten Tampen an der Boje gesichert. Der Wind nimmt zu. Jetzt kommt auch noch das Boot der Parkverwaltung zum kontrollieren der Genehmigungen. Ich hole die Papiere , die von einem Windstoss erfasst werden und ins Wasser fallen. Zum Glück sind es nur die in Folie eingeschweißten Kopien, die Originale liegen sicher im Inneren des Schiffes. Wir verständigen uns in Spanisch: Nur Frauen an Bord? Die Herren der Parkverwaltung sind erstaunt und können sich gar nicht trennen. Wir sollen bleiben solange wir wollen. Die Einladung zu einem Glas Wein in der Cantina lehnen wir aber dankend ab.

Mittwoch, die vergangene Nacht war stürmisch und zwei Charter-jachten sind schon am frühen Morgen ausgelaufen, Richtung Palma. Der Wind kommt aus Südost mit 18 Knoten 5Bf. Wir legen die Schwimmwesten an, sichern alles unter Deck, schließen die Seeventile. Gegen 11.45 verlassen wir die Ankerbucht. Draußen gibt es hohe Wellen die sich nachdem wir die Landabdeckung verlassen haben zu Bergen auftürmen. Die Fock wird ausgerollt, wir segeln vor dem Wind. Die Wellen türmen sich auf, fast 3 m sind sie hoch, der Wind nimmt ständig zu, jetzt auf 32 Knoten. Ich nehme den Autopiloten heraus und steuere die Wellen aus, um Mensch und Material zu schonen. Wenn das so weitergeht müssen wir noch Sicherheitsleinen anlegen. Nach einer knappen Stunde die Frage an alle: umdrehen oder weitersegeln? Wir überlegen etliche Stunden in diesen Wellen, wer weiß wie der Wind sich entwickelt? Auf der anderen Seite, wir haben genug zu essen und trinken an Bord und Zeit bis Samstag, warum ein Risiko eingehen. Wir drehen um. Jetzt haben wir die Welle fast gegen an. Die erste Welle schwappt über das Schiff, ich schaffe es gerade noch Luft zu holen, die nächste Welle kommt, Luft holen, die nächste Welle rollt an. Die Thalatta knallt in das Wellental, richtet sich auf um in das nächste Wellental zu fallen. Ute und Susanne ducken sich unter dem Spray hood. Barbara und Bettina aber sitzen ungeschützt auf dem achterlichen Deck. Phantasiealand auf dem Wasser. Erstaunlicherweise wird niemand seekrank.

Endlich haben wir es geschafft, wir sind wieder in der Landabdeckung, die Wellen werden weniger. Aber die Einfahrt wird von einer weißen Wand verdeckt, einer Wand von Hagel und Regen. Wir suchen eine geschützte Boje, hinter einem Berg, da gibt es zwar Fallwinde, aber keine hohen Wellen. Susanne und Bettina knien auf dem Vorschiff mit Bootshaken und Tampen und ichsteuere die Boje an. Nach 4-5 Anläufen, der Wind ist unberechenbar, machen wir an der Boje fest. Keinen trockenen Faden haben wir mehr am Leib und sind alle ziemlich fertig. Am späten Nachmittag das Unwetter macht eine Pause, backe ich für uns ein Brot mit Speck und Rosmarien. Gegen Abend kommen wieder die schwarzen Wolkenwände und dann geht es erst richtig los. Die Thalatta wird hin und her geschüttelt, wir sind zu schnell und fahren wir über unsere eigene Boje.
Nach dem Abendessen, einer ausgezeichneten Käseplatte und einem trocken Rotwein sitzen wir zusammengekuschelt in der Plicht. Ich möchte gerne dass wir Ankerwache halten, zuerst Barbara und ich und später Susanne und Bettina, eventuell im Wechsel mit Ute. Erstens weiß man nie wann zuletzt die Muringsteine an den Bojen kontrolliert wurden, das heißt liegen wir sicher an der Boje und dann kann auch noch einiges im Wasser treiben. In der Nacht zuvor, wir hatten mit der Onyx die mittlerweile in Porto Colom vor Anker lag telefoniert, dort hatten sich einige Schiffe losgerissen und trieben in der Ankerbucht. Jetzt ist es nach 1.00 Uhr, die Böen sind nicht mehr so stark, beschließen Barbara und ich ins Bett zu gehen, Die Anderen wollen wir nicht mehr wecken, aber Susanne und Bettina sind schon wach. Wir legen uns alle schlafen. Kaum das mein Kopf das Kissen berührt hat, öffnet der Himmel alle Schleusen und Wasser wie aus Eimern kommt von allen Seiten, also raus aus dem Bett, alle Luken kontrollieren und den Niedergang schließen. Wieder ins Bett, das Schlauchboot, es hängt achtern in den Davids und wahrscheinlich ist das Ventil zu. Wieder raus, das Schlauchboot ist bereits gut zur Hälfte gefüllt, ich gebe achtern Leine und öffne das Ventil, das Wasser schießt hinaus. Abtrocknen und ins Bett. Im Fallen höre ich Utes Handy, wahrscheinlich eine SMS von Ihrem Freund, der ist gestern angekommen, sitzt an der Playa de Palma und macht sich bestimmt Sorgen.
Donnerstag, heute sieht das Wetter schon besser aus, zwar kommen noch vereinzelt schwarze Wolken, aber die werden immer seltener. Walter ruft an, er hat sich vom Deutschen Wetterdienst die Vorhersagen geholt. Ab Freitag wird das Wetter noch besser, Sonne und 3-4 Beaufort. Wir berlegen was wir machen werden. Ankern in einer Cala ? da wird es noch ungemütlich sein nach dem Wind der letzten Tage. Nach Arenal zurück? Das Meer hat sich noch nicht beruhigt. Da bleiben wir doch lieber noch einen Tag und segeln bei optimalen Bedingungen, wir wollen schließlich Spaß haben. Der Tag vergeht mit faulenzen, schwimmen und lesen. Wir beobachten andere Crews, wie sie anlegen und stellen fest, dass wir eigentlich ganz gut sind. Gegen Abend haben wir es geschafft, unser Wasservorrat ist verbraucht, Strom haben wir auch kaum noch. Wir starten den Motor um die Batterien aufzuladen. Da uns das Motorengeräusch stört, wollen wir Strom sparen. Die Handys dürfen nur jeweils 10 Minuten aufgeladen werden. Zum Abendesse gibt es von Susanne und Bettina zubereitet Nudeln mit Thunfisch und Zwiebel dazu ein Weißwein aus den Bordvorräten.

Freitag, ein Segeltag vom Feinsten, da gibt es kein Halten mehr. Nach dem
Frühstück wird das Mittel von Annemarie gegen Seekrankheit ausgeteilt und dann raus aufs Wasser. Wir setzen die Segel, der Wind kommt aus Südwest und wir fahren am Wind bis Cabo Blanco. Der Wind dreht etwas.
Jetzt müssen wir aufkreuzen bis Arenal . Vor dem Hafen bergen wir die Segel und motoren in den Hafen. Ich steuere die Thalatta auf Ihren Platz zu, unser Freund Heinz , er segelt seit über 40 Jahren und hat mir schon manchen guten Rat gegeben steht am Steg und gibt uns die Leinen an.
Die Thalatta und die Mannschaft sind wohlbehalten im Hafen und wir hatten jede Menge Spaß. Wir sind ein gutes Team, die Crew hat meinen Fähigkeiten vertraut und ich konnte mich jederzeit auf sie verlassen. Wichtige Entscheidungen haben wir gemeinsam durchgesprochen und dazu gestanden. Einen Vorteil hatte das Unwetter, wir haben noch eine prall gefüllte Bordkasse. Wir gönnen uns am Abend ein fürstliches Essen bei einem Edel-Italiener und laden Heinz dazu ein. Beim anschließenden Besuch auf der Bierstrasse, für uns ein Kulturschock, sieht uns bestimmt keiner an, dass wir gerade von einer einsamen Insel kommen.
ENDE




























