Porto Cristo - Cala Magraner
Da der Bolzen, auf den wir warteten, erst am nächsten Montag am Flughafen in Palma eintreffen sollte, verholten wir uns bis dahin in die benachbarte Cala Magraner und fanden einen wunderschönen Platz im nördlichen Teil der Bucht. Da der Wind aus Nordost kam und auf drei Beaufort gefallen war, bot uns diese Cala ausreichend Schutz. Wir verbrachten zwei traumhafte Tage mit Schwimmen und Faulenzen. Unsere THALATTA schwebte wie schwerelos in dem kristallklaren Wasser. Der Ankergrund wechselte die Farbe von Türkis bis hin zu Dutzenden von Blautönen. Das glasklare Wasser gab uns eine freie Sicht auf 5 bis 6 m Wassertiefe, so dass wir unseren Anker gut erkennen konnten. Von der Reling aus und natürlich beim Schnorcheln, beobachteten wir die Fische. Ein kleiner Rochen steuerte unser Unterwasserschiff an, bog aber vorher ab. Es war ihm wohl doch nicht ganz geheuer. In den Felswänden brüteten Hunderte von Möwen und viele davon versuchten ihren Nachwuchs mit viel
Geschrei zum Fliegen zu überreden. Ein erfolgreicher Jungfernflug eines Jungtieres wurde dann von allen begeistert und lautstark kommentiert. Es war lustig anzusehen was dort auf dem Felsen so alles geschah. Besonders spaßig zeigten sich jedoch die Kormorane, die kurz vor dem Untergang der Sonne zu Dutzenden in diese Cala Magraner geschwommen kamen. Dort erklommen sie in abenteuerlicher Weise die Felswände bis auf ca. 20 m, und verbrachten dort die Nacht. Am Morgen, als wir aufwachten, warensie dann schon lange wieder unterwegs zum Fischfang.

Es war ja Wochenende, dadurch hatten wir natürlich während des Tages einige Ankerlieger, als Nachbarn auf Zeit, in der Cala Magraner. In der ersten Nacht teilten wir uns diese wunderschöne Cala nur mit einer spanischen Familie und ihrem 28 Fuß Schiff. Unser Grill kam wieder zum Einsatz. Mit Einbruch der Dunkelheit war es absolut Windstill und auf beiden Schiffen herrschte eine angenehme Ruhe. Wir hatten Zeit mit einer Flasche Wein auf dem Vorschiff zu sitzen und den Sternenhimmel zu bewundern. Der Mond beleuchtete die Felswände schon fast gespenstisch, zumal hin und wieder eine Möwe noch durch den Nachthimmel flog. Wir sprachen leise, um die Stimmung nicht zu zerstören. Erlebnisse die man wohl in dieser Intensität nur auf einem Schiff in einer einsamen Cala erleben kann. Am nächsten Morgen waren wir alleine, unsere Nachbarn hatten wohl, ohne das wir es bemerkten, leise am frühen Morgen ihren Anker aufgenommen. Es war Sonntag, die ersten Tagesausflügler ließen nicht lange auf sich warten. In kürzester Zeit lagen etwa ein Dutzend, meist kleinere Schiffe, in dieser aus zwei Armen bestehenden Cala. Gegen späten Nachmittag, wir waren mittlerweile fast wieder alleine in der Cala Magraner, sahen wir mit Schrecken in der Einfahrt eine dreistöckige Motoryacht Kurs auf uns halten. Es kam wie es kommen musste. Gute 100 Fuß lang war dieses Schiff und zwängte sich zwischen uns und einer etwa 40 Fuß großen Bavaria. Unsere traumhafte Lage war dahin. Das Personal an Bord hatte seine Mühe mit dem Anker und dem Befestigen der Heckleine.
Es ist Zweifels ohne ein mühsames Geschäft, eine solch große Motoryacht in einer solch kleinen Cala festzulegen. Die „Herrschaften" an Bord interessierte diese ganze Angelegenheit überhaupt nicht und einen Gruß von Schiff zu Schiff wurde nicht beantwortet. Die Herren saßen beim Drink auf dem Achterdeck um den großen runden Tisch, auf dem natürlich ein riesiges Blumengebinde thronte. Die Damen lagen verstreut auf wuchtigen Liegen in der Sonne und waren in sicherlich wichtigen Lektüren vertieft. Kein noch so kleiner Blick auf das Geschehen. Ich hatte den Eindruck, das dort auf dem Schiff die pure Langeweile herrschte. Zuden unangenehmsten Dingen an den Motoryachten in den Buchten und Ankerplätzen gehören deren Generatoren und Klimaanlagen, die meist die ganze Nacht vor sich her rumpeln und Lärm verursachen. Wir waren nun gezwungen auch eine Achterleine auszubringen, da die Motorjacht natürlich unseren Schojeraum nicht beachtet hatte.

Nach Sonnenuntergang warteten wirauf die Rückkehr der Kormorane, die ja an dem Felsen uns gegenüber des Abends ihr Nachtlager aufschlugen. In einigem Abstand sahen wir eine Gruppe von vielleicht zwanzig Tieren, die nur zögerlich herankamen. Wir beobachteten das weitere Geschehen der Nachtruhe-suchenden. Sie favorisierten abends immer einen etwa 1 ½ m hohen Felsen, den sie scheinbar vom Wasser aus leicht erklimmen konnten, um dann weiter nach oben zu hopsen. Aber kurz vor diesem Felsen war heute Schluss. Es sah so aus als hätten sie Angst vor irgendetwas. Ein oder zwei Kormorane, es schienen die Mutigsten zu sein, schafften es auf diesen kleinen Felsen zu gelangen. Aber selbst die benahmen sich scheu und äußerst vorsichtig. Mittlerweile versammelten sich mehrere Gruppen, von je etwa einem Dutzend Tiere, um diesen Felsen. Es dauerte, bis wir den Grund der Zurückhaltung oder Angst der Kormorane beim anschwimmen ihres Nachtplatzes entdeckten. Unsere Achterleine, die wir um diesen Felsen gebunden hatten, brachte die gesamte Kolonie aus dem Konzept. Erst nachdem sich einer der Kormorane den notwendigen Mut gefasst hatte und unter der Leine durchtauchte, folgten, zwar äußerst zögerlich, die Anderen. Die Prozession auf den Felsen begann.












