Cala Magraner - Porto Cristo - Menorca 

Am Morgen verholten wir uns wieder zurück nach Porto Cristo. Friedhelm Burchardt von der Firma Armada - Yachting hatte den neuen Bolzen unseres Autopiloten in Palma am Flughafen abgeholt und baute diesen auf unserer THALATTA ein. Ein guter Liegeplatz, diesmal aber am Gemeindesteg von Porto Cristo, verleitete uns zwei Tage zu bleiben. Hier lernten wir auch die Eigner der SY RELAXE, Silvia und Claus-Dieter aus Wilhelmshaven, kennen.

Wir verbrachten auf dessen Schiff einen netten Abend und sorgten für die Reduzierung der Rotweinvorräte auf der  RELAXE. An dieser Stelle vielen Dank an die beiden, für den netten Eintrag ins Gästebuch unserer Homepage www.thalatta.info. Auch wir hoffen, dass der Kontakt bleiben wird. Aber wir Segler wissen ja, dass das Mittelmeer groß ist und die Häfen klein. Man sieht sich immer mindestens zweimal. Neben uns am Gemeindesteg lag die SY MADOMA. Die Crew der MADOMA bestand aus dem Skipper und drei Gästen. Eine sehr lustige Truppe. Einen der Gäste haben wir meist beim Einkaufen von Lebensmitteln oder beim Kochen erleben dürfen. Die Düfte aus der Kombüse der MADOMA waren jedenfalls verlockend.

Zur gleichen Zeit mit unseren Nachbarn, der Segelyacht MADOMA, verließen wir den Hafen von Porto Cristo. Die Überfahrt nach Menorca war nun unsere Tagesetappe. In etwa vierzig Seemeilen sollte unser Ziel die Cala Santandria, südlich von Ciudadela sein. Ciudadela, als ersten Anlaufhafen, hatten wir ausgeschlossen, weil dort zur Zeit die Fiesta San-Juan in vollem Gange war. Stolze und bis an die Haarspitzen aufgeputzte Reiter auf ihren edlen Pferden, gefolgt von den Einwohnern und Touristen, reiten durch die engen Gassen der Altstadt. Immer wieder werden die Pferde dazu gebracht, lange Strecken aufrecht stehend, auf ihren Hinterläufen, dutzende von Metern zu laufen. Dass es bei dieser Art der tierischen und menschlichen Profilierung nicht zu Unfällen kommt, ist sehr verwunderlich. Bei den angekündigten Südwinden, sollte die Cala Santandria, mindestens im hinteren Teil der Bucht, Schutz geben können. Wir gingen jedoch davon aus, dass auch dieser Ankerplatz zu diesem Zeitpunkt stark besucht war. Strahlend blauer Himmel und leichte umlaufende Winde waren nun beim Start in Porto Cristo unsere äußeren Bedingungen. Mal segelten wir, mal war unsere Maschine die treibende Kraft in Richtung Menorca. Unser Kurs ergab, dass eine ganze Zeit die Küste Mallorcas an unserer Backbordseite vorbeizog. Erst spät verschwanden die Umrisse Mallorcas achtern im Dunst des Horizont. Gegen Nachmittag liefen wir, bei etwa 15 Knoten Südwind, langsam in die Cala Santandria ein. Wie schon erwartet, war der hintere Teil hoffnungslos überfüllt. Im vorderen Bereich der Calla lagen vier Schiffe vor Anker und Heckleine. Es wäre noch Platz für ein Schiff, also für uns, gewesen. Ich befürchtete jedoch, bedingt durch den nun seitlich zum Schiff stehenden Wind, dass nach dem Ankerlegen, nicht genug Zeit blieb, um die Achterleine zu klarieren. Außerdem wären wir an dieser Stelle nicht besonders gut geschützt gewesen. Im nördlichen Teil der Bucht, wo sich auch ein kleiner Strand befindet, lagen zwei weitere Schiffe sehr unruhig und tanzten offen zur See. Eine spanische Skipperin mühte sich gerade mit dem Ankermanöver ab, ohne dass die restliche, männliche Crew sich aktiv beteiligte.

Was nun? Unsere bewährte „Skipperbesprechung" musste die Lösung bringen. Wir drehten mehrere Kreise, um Zeit für unsere Beratung zu haben. Da die Wettervorhersage nur von südlichen Winden sprach, entschieden wir uns, die Segel zu setzen und zur Nordküste zu fahren, zumal es noch früher Nachmittag war und somit genug Zeit vorhanden war, um einen ruhigen Platz für die Nacht zu finden. Mit nordöstlichem Kurs ging es vorbei an Ciudadela und einigen anderen kleineren Buchten und Ankerplätzen, die uns aber alle nicht für uns geeignet erschienen.

Der Norden Menorcas hat einen eigenen Charakter. Die Landschaft mit ihrer zerklüfteten Küste wurde noch karger als sie bisher zu beobachten war. Kein Baum kein Strauch, nur nackte schroffe Felsen. Hin und wieder unterbrochen von einigen einzelnen, weiß getünchten Häusern, meist Feriendomizile. Der Tramontana, mit den meist sehr starken Nordwinden, hatte seine Spuren hinterlassen. Bei Fahrten an die Nordküste Menorcas darf nicht vergessen werden, dass dieser Küstenabschnitt im Einflussbereich des Löwengolfs liegt, also jederzeit mit starken Nordwinden zu rechnen ist. Das Ankern in Buchten der Nordseite ist dann unmöglich und zudem gefährlich. Der Wind hatte sich mittlerweile gänzlich verabschiedet, die Segel waren eingeholt und unsere Thalatta lief unter Motor mit 6 Knoten entlang der nordwestlichen Küste Menorcas, in Richtung der Cala Morell. Aus der nautischen Literatur erfuhren wir, dass diese Cala gegen alle Winde und Seegang geschützt ist und damit für uns geeignet erschien. Also nichts wie hin.

Das Cabo Nati lag gut sichtbar vor uns. Der Autopilot wurde zur Arbeit verdonnert und wir saßen auf dem Achterdeck und genossen unseren Sundowner in der Abendsonne. Das eine solch karge Landschaft so beeindruckend sein kann war für mich neu. Es gab für uns immer wieder neues an dieser Küstenformation zu entdecken. Einen Wasserfall, der aus der schroffen und felsigen Küste austrat und aus etwa 20 Meter Höhe sein Wasser direkt ins Meer stürzen ließ, war ein Naturschauspiel, mit dem ich in dieser vegetationsarmen Gegend nicht gerechnet hatte. Irgendwie verhielt sich Timmy, unser Bordhund, ganz nervös. Er rannte von achtern nach vorne und wieder zurück, blieb immer mal kurz stehen und schaute gebannt aufs Meer um kurz danach mit gespanntem Blick, das doch weit entfernte Ufer zu beobachten. Ersuchte.

Wir wussten was nun kommen wird und da waren sie auch schon. Eine kleine Delfingruppe kreuzte unseren Kurs.Timmy bemerkt diese sympathischen Meeres-bewohner immer zuerst.Seine Ohren hören wesentlich höhere Töne als unsere. Sie kamen aus dem Wasser in tollkühnen Sprüngen, mal einzeln dann wieder zu zweit. Für uns sah es aus wie ein Spiel. Zwei dieser lustigen Gesellen tauchten unter unserem Schiff durch, um dann vorne vor dem Bug zu schwimmen als ob sie unsere Segelyacht hinter sich her ziehen würden. Sie spielten mit unserer Thalatta und uns. Delfine in freier Natur zu treffen ist einer der schönsten Erlebnisse die man auf See, auf einem Schiff, haben kann. Wir genießen es immer wieder. Wenn Delfine in unserer Nähe sind und einer von uns schläft gerade, gilt immer: „Für Delfine darfgeweckt werden".

Leider waren sie schnell verschwunden. Näher betrachtet hat das Gesicht eines Delfins einen immer lachenden Ausdruck. Dabei wird diesen lustigen Burschen übel mitgespielt. In langen Treibnetzen verheddern sich die Delfine und verenden so zu Tausenden. Überall auf der Welt sind sie bedroht und benötigen Hilfe. Rollo Gebhardt, der in Seglerkreisen bekannte Weltumsegler, setzt sich sehr vorbildlich für diese Tiere ein. Aber ohne die Hilfe von Freunden der Delfine kann er nur wenig ausrichten. Es lohnt, die Homepage http://www.delphinschutz.org/  zu besuchen. Rollo Gebhardt ist dort maßgeblich beteiligt. Ein Sparschwein, zu Gunsten der Delfine, die uns immer soviel Freude machen, bei dem nächsten Seglerfest, Geburtstag oder Stammtisch würde seinen Zweck nicht verfehlen

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