Puerto de Fornells
Die Bucht und der Hafen von Fornells war nun unser Ziel. Nach dem Einholen des Ankers und Bergen der Achterleine fuhren wir mit etwa 60 Grad in Richtung des, weit hinausragenden, Cab Caballeria. Der Wind meinte es nicht gut mit uns. Wir hatten eine Flaute und motorten mal wieder. Erst gegen Mittag erlaubte der einsetzende thermische Wind das Setzen des Groß und der Fock. Gegen frühen Nachmittag erreichten wir Puerto de Fornells.

Der auf einem Hügel stehende Wehrturm markiert die Einfahrt und ist von weitem gut auszumachen. Erst nach dem Einlaufen in die Bucht ist dieser kleine Fischerhafen mit seinen schneeweißen, mit grünen Fensterläden dekorierten, Häuserzeilen zu erkennen. Der Hafen ist sehr klein und bietet nur wenigen Yachten eine Anlegemöglichkeit. Die meisten Yachten ankern in der weiträumigen, sehr geschützten Bucht. Da wir an diesem Tage nicht ankern wollten, versuchten wir einen Platz in diesem kleinen Hafen zu bekommen. Wir hatten Glück, es war ja auch noch früh. Zwischen einer spanischen 32 Fuß Yacht und einer italienischen 40 Fuß Yacht konnten wir festmachen. Die gesamte Besatzung des Schiffes aus Italien stand auf ihrer Backbordseite und signalisierte Hilfsbereitschaft. Ich glaube, sie hatten ein wenig Angst um ihr Schiff. Da wir ja nur zu zweit an Bord waren, trauten sie uns wohl ein sauberes Anlegemanöver nicht zu. Mit Chartercrews, die dann auch meist zu 6 oder 8 Mann an Deck sind, hatten sie sicherlich schon einiges erlebt. Unser Anlegemanöver klappte jedoch ohne Probleme. Es musste niemand eingreifen, wir fuhren die THALATTA wie Butter in die Lücke und standen passgenau mit unserem Bug am Steg. Durch unserem Spanisch und einigen Brocken Italienisch kamen wir ins Gespräch mit unseren neuen Nachbarn. Vor einigen Jahren hatten wir Fornells schon einmal besucht und uns seinerzeit vorgenommen, bei unserem nächsten Besuch die kulinarische Spezialität dieses Ortes zu probieren, die „caldereta de llagosta"- die Hummersuppe. Meine Versuche, den hohen Preis und das Töten eines Hummer, als Argument anzuführen, um an diesem Abend die Bordkasse zu schonen, scheiterten schon im Ansatz. Die Skipperin hat sich diese caldereta nun mal in den Kopf gesetzt. Es war 21.00 Uhr und das Thermometer zeigte immer noch 30 Grad bei totaler Windstille. Die sehr freundliche Hafenmeisterin hatte uns für diese caldereta de llagosta das Restaurant „es cranc" in der Dorfmitte, ohne Meerblick, empfohlen oder das „es pla„ direkt am Hafen, unmittelbar am Wasser. Was tun? Aber wir wollten nicht nur gut essen, sondern dabei auch einen schönen Platz, mit Blick aufs Wasser haben. Das „es cranc" gefiel uns nicht und das „es pla" war zu stark besucht, als dass die Aussicht auf einen Tisch in der ersten Reihe bestand. Diesen bekamen wir dann aber in einer der Restaurants an der ersten Häuserzeile. Das Ergebnis vorweggenommen, die caldereta war ihr Geld wert. Da jede dieser Hummersuppen frisch zubereitet wird, dauert es etwas länger, bis dieser mittlere Tontopf mit einem gelblich - braunen Sud nebst dem zerkleinerten Hummer auf dem Serviertisch steht. Einen kalten Weißwein und Brot dazu vervollkommnte das kulinarische Erlebnis. Inklusiv der Vorspeise und dem Cafe kostete der Abend 129,-- €. Nicht wenig, aber sehr gut. Wir waren uns einig, bei unserem nächsten Besuch in Fornells werden wir dieses sicher wiederholen. Einen nächtlichen Spaziergang an der Hafenzeile, mit Timmy, beendete den Tag in Fornells.

Am nächsten Tag, gegen Mittag, legten wir ab. Wir hatten noch im Ort gemütlich gefrüh-stückt und einige kleinere Besor-gungen gemacht. Die Anordnung der Muringleine im Hafen empfanden wir ungünstig. Sie werden bei etwa zehn Metern mit einer roten kleinen Boje an der Wasseroberfläche gehalten. Dadurch, dass der Hafen von Fornells sehr eng ist, besteht schnell die Gefahr sich die Muringleine in die Schraube oder zwischen das Ruderblatt zu fahren. Man sollte sehr darauf achten. Ideal ist es, wenn ein Crewmitglied mit dem Bootshaken diese Boje freihält. Vor dem Hafen und in der weiträumigen Bucht ankerten Dutzende von Yachten, was unsere Fahrt, um die einzelnen Schiffe, zu einer Art Schlangenlinie machte. Unsere Dieselmaschine schob uns die etwa 2 sm bis zum Wehrturm, der auf der westlichen Einfahrtshuk steht. Die Ansicht der Landschaft, die sich uns bei dieser Fahrt zeigte, war kahl und spröde, wie an vielen Küstenabschnitten dieser Baleareninsel. Die weißen Häuserzeilen mit ihren roten und auch teilweise weißen Dächern machte auf uns jedoch einen einladenden Eindruck

