Cala Covas
Der frühe Sonntagnachmittag schien uns eine gute Zeit zu sein, einen Platz in einer der Buchten zu suchen. Natürlich hätten wir gerne in der Cala Covas unseren Anker geworfen. Aber in dieser traumhaften, bei den vorhandenen Winden sehr geschützten, Bucht wollten alle natürlich gerne über Nacht bleiben. Für Tageslieger war diese Bucht, durch ihre Nähe zu Mahon, natürlich besonders reizvoll. Da diese Tageslieger jedoch meist gegen Nachmittag die Rückreise antreten, ergab sich für uns um diese Uhrzeit eine gute Chance, einen freiwerdenden Platz zu bekommen. Wir hatten Glück, unsere Kalkulation ging auf. Als wir näher kamen, verließen gerade zwei Schiffe die Cala Covas. Tatsächlich lagen nur vier Schiffe vor Anker. Es sollen schon zehn und mehr Schiffe dort Platz gefunden haben. Der wohl beste Ankerplatz, zwischen den beiden Seitenarmen, war offenbar gerade frei geworden.

Nach einer kurzen Orientierungsrunde fiel unser Bügel-anker auf fünf Meter Sandgrund. Das Einrücken ge-lang ohne Pro-bleme. Eine, an unsere Steuer-bordseite, liegende Yacht war mit drei spanischen Pärchen besetzt, die uns sofort Hilfe beim Ausbringen der Achterleine anboten. Gerne nahmen wir dieses Angebot an, den unser Dingi musste noch klariert werden. Mit der freundlichen Hilfe unserer neuen Nachbarn lagen wir sehr schnell sicher vor Buganker und stabiler Heckleine. Es entwickelte sich rasch eine Kommunikation zwischen den beiden Schiffen. Unser Spanisch, vor allem das von Feli, kam uns mal wieder sehr zur Hilfe. Wir erfuhren, dass die befreundeten Paare bei einem Wochenendausflug waren. Alle arbeiteten in Mahon und hatten sich dieses Schiff für das Wochenende gechartert. Bei unserem obligatorischen Anleger (Bier oder Wein) hatten wir die Ruhe und den Sinn die Cala Covas auf uns wirken zu lassen. Beim Betrachten dieser zweiarmigen Bucht, mit Ihren bis zu 70 Meter hohen Felsen, ist jeder Besucher zutiefst beeindruckt. Von den Felswänden wird jedes Geräusch mit einem Hall zurückgegeben, selbst das Platschen und Kluckern der Wellen gibt nicht gekannte Widerhalle. Jede Art von Lärm stört. Die Gespräche untereinander fanden in einem gedämpfteren Ton statt. Die prähistorischen Wohnhöhlen, in den fast nicht zugänglichen Felsen, sollen aus der Bronzezeit stammen. In den 70er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts zog die Hippiegeneration in den Höhlen ein, sogar einige Kinder sollen in den Höhlen das Licht der Welt erblickt haben. Irgendwann beschloss die Inselregierung, die unliebsamen Bewohner aus ihren prähistorischen Behausungen zu vertreiben. Bisher blieben diese Bemühungen jedoch erfolglos, die Höhlenbewohner kehren jedes Jahr zurück und bewohnen die Höhlen, die einigermaßen erreichbar sind. Vom östlichen Arm führt ein Fußweg bis zum kleinen Strand des westlichen Teils der Bucht. Dieser Abschnitt ist mühsam zu erlaufen, entschädigt jedoch mit seiner Aussicht auf diese Cala, mit Ihrem klaren, sauberen Wasser, in immer wechselnden Blautönen, bis hin zu fast kitschigem türkis. Wir sahen unsere THALATTA einmal von oben.

Mit unserem Dingi fuhren wir an Land. Timmy, unser Bordhund, drängte penetrant auf diesen Ausflug, indem er ständig ins Beiboot sprang und bellte. Im rechten Teil der Bucht befand sich auch ein kleiner Parkplatz mit Müllcontainer und so konnten wir unsere Abfälle entsorgen. Unser Beiboot war, mit uns an Bord, noch nicht ganz an Land, da sprang Timmy schon ins Wasser. Ohne einen Umweg zu machen, ging er direkt zu einer Stelle im rechten Teil dieser Bucht. Wir wussten sofort was er dort wollte: saufen, Wasser saufen, er hatte Durst. An dieser Stelle befindet sich eine Süßwasserquelle die wir von unserem letzten Besuch, vor einigen Jahren, schon kannten. Auch Timmy war seinerzeit mit dabei. Konnte er diese Quelle riechen? Oder konnte er sich daran erinnern, dort gewesen zu sein? Wir werden es wohl nie erfahren. Unserem Bordhund muss dieses Wasser jedenfalls besonders gut schmecken, denn an Bord hat er immer einen gefüllten Wassernapf. Wir achten darauf sehr. Das Wasser dieser Quelle ist gutes Trinkwasser. Wir nutzten die Gelegenheit und füllten uns einige Kanister ab, um damit Kaffee zu kochen und natürlich als Trinkwasservorrat für Timmy. Nachdem wir die Lage unseres Ankers beim Schnorcheln überprüft und im kristallklaren Wasser ausgiebig geschwommen hatten, war unsere THALATTA auch schon fast im Schatten der Felsen eingetaucht. Beim obligatorischen Sundowner, diesmal war es ein Glas Binisalem, verschwand die Sonne hinter der Felsformation. Für unsere Nachbarn neigte sich der Wochenend-ausflug dem Ende zu.Ihr Anker kam für alle unüberhörbar mit dem Ankerspill an die Wasseroberfläche. Ein paar nette Worte von Schiff zu Schiff und in der Cala Covas lag ein Schiff weniger in dieser Nacht. Die kleineren Motorschiffe verließen auch kurz darauf die Bucht, so dass wir uns einer der schönsten Calas der Balearen nur mit drei Schiffen teilen mussten. Bei einer Nudelpaella und kühlem Weiswein ließen wir diesen schönen Tag ausklingen. Das Licht des Mondes legte einen leuchtend grau-silbernen Schleier über die Bucht. Die Luftfeuchtigkeit wies auf einen zu erwartenden schönen, nächsten Tag hin. In den Felsen waren zwei schummrig, vermutlich mit Kerzen, beleuchtete Höhlen zu erkennen. Lange haben wir noch auf dem Vorschiff gesessen und erzählt, den tollen Sternenhimmel beobachtet und sind dabei abwechselt eingeschlafen. Eine zweite Flasche Wein war daran sicherlich mit ausschlaggebend. Den nächste Tag verbrachten wir mit faulenzen, schwimmen und lesen

