Porto Colom, Mallorca

Erst am übernächsten Tag, frühmorgens um sieben Uhr, ließen wir die Cala Covas in unserem Kielwasser und steuerten unsere Thalatta zurück, in Richtung Mallorca. Unser Kurs betrug 220°, in etwa 48 Seemeilen lag Porto Colom, der große Naturhafen an der Südostküste. Dieser war unser Ziel. Das Wasser war spiegelglatt. Unsere Dieselmaschine tat Ihre Arbeit und der Autopilot hielt den Kurs. Natürlich warteten wir auf den Wind. Der Deutsche Wetterdienst hatte uns 2 bis 3 Windstärken aus Ost vorhergesagt. Mit meinem faxfähigen Nokia-Communicator, kann ich entsprechend Wettervorhersagen, als Fax, beim Deutschen Wetterdienst abrufen. Die jahrelangen Erfahrungen mit diesem System sind für uns durchweg als positiv zu bewerten. Die Trefferquote der Vorhersagen sind sehr hoch, die technische Abwicklung ist simpel und der zu zahlende Preis ist akzeptabel. Information über das SEEWIS Fax sind unter www.dwd,de/de/wir/Geschaeftsfelder/Seeschifffahrt zu bekommen

Die Küstenlinie Menorcas wurde allmählich undeutlicher, Frühdunst lag noch über dem Land. Der immerwährende Piniengeruch verlor sich. Wir hatten die ersten paar Stunden hinter uns und der Tiefenmesser stand blinkend fest bei 128 Meter. Unter uns lagen nun Meerestiefen von teilw. weit über 1000 Meter. Des Seglers - Glück erwischte uns dann doch noch und der erste Windhauch war langsam zu spüren. Schnell war unser Groß gesetzt, die Fock geöffnet und die Maschine ausgeschalten. Diese Ruhe und das sanfte Eintauchen des Schiffbuges in die See ist immer wieder ein erhabenes Gefühl. Ach wenn wir nur mit drei Knoten dahindümpelten, egal wir segelten. Die gesamte Crew, inklusiv des Bordhundes, war auf dem Vorschiff versammelt. Dort, wo die Schiffsbewegungen nebst Klatschen und Schäumen der Wellen am besten zu spüren sind, halten wir uns immer gerne auf, vorausgesetzt das Wetter lässt dieses auch zu. Man ist dem Element Wasser hier sehr nah und hat doch die notwendige Distanz. Wir segelten einen Amwindkurs mit der Tendenz zum Halbwind. Der Wind kam mit 8 bis 10 Knoten, nicht viel, aber besser als nichts. Kein anderes Schiff war in unserer Nähe auszumachen. Der Rundumblick versicherte uns, dass wir in diesem Seegebiet alleine waren. Da der wenige, uns zur Verfügung stehende Wind, nun tatsächlich wie vorhergesagt, aus Osten kam, rollten wir unsere Fock ein und gaben unserem Blister eine neue Chance.Der bunte Halbwinder stand auch sofort auf der Steuerbordseite.Fast wie Festgegossen trieb er unsere THALATTA mit 5 bis 6 Knoten über Grund. Leider hielt diese, für uns wohl schönste Art der Besegelung, nicht lange an. Die Mittagsflaute nahm uns den letzten Hauch von Lüftchen, sodass auch unser Blister schlaff herunterhing und das Großsegel am Mast und Baum schlug. Das dann folgende Bergen der Segel diente letztlich auch dazu, dass Material zu schonen. Unter Maschine und Autopilot, fuhren wir unserem Ziel mit sechs bis sieben Knoten entgegen. Bei wolkenlosem Himmel und 30° kann diese Zeit mit Tagträumen und Müßiggang am besten überbrückt werden. Unsere Position am Mittag war etwa zwischen Menorca und Mallorca. Menorca sahen wir nur noch schemenhaft, am hinter uns liegenden Horizont. Von Mallorca glaubten wir die Nordostküste um das Cabo Pera herum auszumachen. Feli machte gerade auf dem Vorschiff unter einem leichten Sonnensegel ihren Mittagschlaf, natürlich bewacht von unserem Bordhund. Der Kurs in der elektronischen Seekarte musste mal wieder überprüft werden. Aus diesem Grunde saß ich hinter dem Steuerrad und führte diese notwendigen Kontrollen durch. Stimmt der Kompasskurs mit dem berechneten Kurs, den ich in die Seekarte eingetragen hatte, überein? Zeigt die Seekarte auf unserem Kurs keine Gefahrenstellen? Sind die Instrumente der Maschine alle im grünen Bereich? Ist die Drehzahl des Motors nicht zu hoch und kommt genügend Kühlwasser aus der Maschine? Nicht zu vergessen, der regelmäßige Rundumblick auf dem Schiff und auf das Meer. Es gibt eben immer etwas zu tun. Gerade wollte ich mich meiner Zeitung zuwenden, als ein mittlerer Ruck durchs Schiff ging und die Geschwindigkeit der THALATTA um etwa ein bis zwei Knoten zurückging. Nach der ersten Schrecksekunde kuppelte ich die Schraube aus. Mir war sofort klar, dass dieses nur mit dem Antrieb zu tun haben konnte. Feli war auch sofort nach achtern gekommen und wir besprachen was zu tun ist. Zuerst einmal musste die Maschine gestoppt werden. Irgend etwas musste sich in unserer Schraube verfangen haben. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zu tauchen und nach dem Übel zu sehen. Unser Schiff bewegte sich nun scheinbar nicht mehr. Es war windstill. Um uns herum nur Wasser und das etwa 1000 Meter tief. Das Ergebnis meines ersten Tauchversuches bestand lediglich aus der Bestandsaufnahme. Eine Plastikplane oder Ähnliches hatte sich um die Welle und um die Schraube gewickelt. Mit der bloßen Hand war der Sache nicht beizukommen. Kaum war ich abgetaucht, befand ich mich auch schon am Heck unseres Schiffes. Unsere THALATTA machte jedoch keine Fahrt, so dass es nur eine vorhandene Strömung sein konnte, die mich so sehr nach achtern versetzte. Von der Badeleiter aus versuchte ich dann, mit Hilfe unseres Bootshakens, den Fremdkörper zu entfernen. Eine normale Plastikfolie konnte es nicht sein, dafür war sie zu dick und zu fest. Sie war kaum auseinander zu reißen. Das Maximale, was ich erreichen konnte, war das Freimachen des größten Teiles der Schraube. Um die Welle hatte sich dieses Kunststoffmaterial so fest gefahren, dass ich keine Möglichkeit sah, mitten auf dem Meer, noch dazu bei der vorhandenen Strömung den Rest zu entfernen. Später, in unserem Heimathafen, stellte sich heraus, dass es sich um einen Arbeitsanzug aus Plastik, mit eingearbeitetem Gewebe, gehandelt hatte. Wir mussten nicht lange mit diesem Handicap unsere Reise fortsetzen. Zu unserem Glück setzte, wenn auch verspätet, der versprochene Ostwind ein.

Mit fast idealem Raumschotkurs steuerten wir Porto Colom entgegen. Den runden, schwarzweiß gestreiften Leuchtturm, der die Einfahrt zu diesem Naturhafen markiert, konnten wir schon von weitem ausmachen. Gegen frühen Abend navigierten wir uns an den grünen Tonnen entlang bis zum Gemeindesteg, an dem wir noch einen Platz bekamen. Leider war an diesem Platz die Muring von einem unserer Vorgänger total zerfahren worden, also nicht mehr zu gebrauchen. Mit einer zweiten Leine hatte ich dann schnell eine Hilfsmuring an dem benachbartem Motorboot gebunden. Für eine Nacht, die auch ruhig werden sollte, war das wohl ohne Probleme zu machen. Die Küche auf der Thalatta blieb heute kalt. Wir fanden ein gutes Restaurant direkt in der Nähe, wo wir einen dieser schönen Abende, wenn das Essen gut, der Vino Blanco kalt, der Kellner freundlich und der Preis moderat ist, verbrachten. Natürlich nicht zu vergessen, dass unser Bordhund Timmy unter dem Tisch liegen durfte.

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