Atlantic Rally for Cruisers (ARC Europe 2007)

Bordtagebuch
 
 
 

Die Vorbereitungen:

WAS nimmt man für eine voraussichtliche Dauer von 5 - 6 Wochen dauernde Transatlantik Regatta mit, wenn man davon ausgeht, dass die längste Strecke einen Zeitaufwand von mindestens 2 ½ Wochen in Anspruch nehmen wird. Was lässt man zu Hause, was soll an Spezialmaterial eingekauft werden. Dazu werden uns unterschiedliche Wetter- und Klimabedingungen erwarten.

Die Regatta beginnt am 10.05.2007 in Antigua, Jolly Harbour und wird die ersten 900 Sm nach Bermuda führen, wo auf das gesamte Feld gewartet wird, wobei ein Teil der Teilnehmer zeitgleich in Florida, San Augustin startet und ebenfalls 900 Sm bis Bermuda zurückzulegen hat. In weiterer Folge wird die ca 1.700 Sm lange Strecke nach Horta auf den Azoren zurückgelegt und die Regatta endet dann in Portugal in Lagos .

Wir werden bei 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit in Antigua ablegen und auf der Strecke nach Horta (Azoren) in der Nacht nur mehr 8 bis 10 Grad haben - also warme Sachen zusätzlich mitnehmen. Leichter gedacht als getan !!!

Am 03.05.2007 geht's los. Am Bahnhof in Graz werden noch rasch ein Laib Brot für Peter und einige Zeitschriften eingekauft und im SPAR-Sackerl mitgenommen.

Ankunft in Antigua

8 ½ Stunden Flug, 1 Stunde Enreiseformalitäten, die Lässigkeit beim British Airways Schalter, insgesamt 6 Stunden Zeitverschiebung und die Luftfeuchtigkeit hinterlassen zweifelsfrei ihre Spuren. Dann mit dem Taxi (ohne Segeltasche) 45 Minuten holprigen Weges nach Jolly Harbour, wo in der halb leeren Marina Peter mit der Sunbeam 44 bereits meine Ankunft erwartet. Es war für uns beide ein berührender Moment! Die volle Crew von der SY ONYX war vereint!

Der erste Weg führt Peter und mich zu einem herrlichem Abendessen in der Marina. Die ersten Neuigkeiten werden ausgetauscht, die ersten Teilnehmer an der ARC für die nächsten Tage erwartet!

Peter ATZENHOFER und seine SY ONYX:

Der Zahnarzt Peter Atzenhofer, Jahrgang 1948, seit Anfang 2006 in Pension, ist seit seinem 6. Lebensjahr begeisterter Segler. Seine ersten Segelerfahrungen sammelte er in seiner Heimat am Mattsee in Salzburg und wurde ein erfolgreicher internationaler Regattensegler, der nun seinen Traum im Fahrtensegeln mit viel Gefühl für Meer und seinem Schiff zur einen oder anderen Regatta auslebt.

Peter Atzenhofer, den eine tiefe Freundschaft mit Manfred SCHÖCHL, einem der beiden Chefs der Schöchl-Werft in Mattsee, verbindet, kann in der Segelwelt mit einem „Botschafter" dieser Werft verglichen werden. Er ist nicht nur ein  hervorragender Segler sondern auch Kenner der Szene und als hilfsbereiter Segelkamerad weit hin bekannt.

SUNBEAM - Yachten haben weltweit den Ruf von sicheren Top-Qualitätsschiffen, jedoch in der oberen Preisklasse. Es handelt sich um Schiffe, sofern man sie nicht in der Größe verändern will, die man für ein Leben lang kauft. 

Die Sunbeam 44, Segelyacht ONYX:

Lüa = 13,07 m, Breite = 3,90 m, Gesamtgewicht (beladen) ca 13 t, Dieselkapazität 230 Liter, Wasser ca 450 Liter, Großsegel und Genua 102 m2, Blister, Spinnaker, Parasail,....

07.05.2007

Der Atem der ARC wird endlich spürbar. Heute erfolgt das Check in  beim ARC Europe Office bei Andrew BISHOP & Fionn McKee und um 11.00 Uhr folgt durch Andrew BISHOP die Überprüfung bzw. Inspektion der ONYX wie auch der anderen teilnehmenden Schiffe. Andrew zeigte sich offensichtlich sehr zufrieden, der Peter Atzenhofer und sein Schiff von der ARC nach St. Lucia schon her kannte.

Am späten Nachmittag gibt es dann eine Wilkommen-Party in der Dog Watch Tavern mit Rum-Punch, bei der sich die Teilnehmer - sofern sie sich nicht schon vom November 06 her kannten - erstmalig trafen.

Da ich am Vormittag noch mein (stark vermisstes) in London/Heathrow verloren gegangenes Gepäck zugestellt bekommen habe, speisen Peter und ich am Abend das von mir (vakuumverpackte) mitgebrachte südsteirische Geselchte.

 

08.05.2007

Peter geht in den Mast (mit der elektrischen Winsch bei diesen Temperaturen ist das keine Hexerei) - die neue Windex-Anlage, gekoppelt mit der Antenne lässt sich aber leider nicht montieren; das Rigg wird bei dieser Gelegenheit gleich mit überprüft.

Zu Mittag werden wir zum Essen von der einzigen an der ARC Europe teilnehmenden slowenischen Crew der SY MARISA eingeladen - mit einer Gegeneinladung für den nächsten Tag. Es gab herrliche Nudeln mit Fisch.

Wasser wird auf der ONYX gebunkert, den Rest werden wir erst am vorletzten Tag einkaufen.

Am Abend wieder Happy Hour mit der ARC und anschließendem Grillbuffet, ein gemütliches Beisammensein - der übliche Seglertratsch, der allen gut tut.

09.05.2007

Dieser Tag ist von den letzten Vorbereitungen und dem Mittagessen mit den slowenischen Freunden (Neno und Denis PETROVCIC, Miran HUALA und Primoz BERECIC) auf der ONYX geprägt. Außerdem plagen uns die Fliegen, als wären wir auf einem südsteirischen Bauernhof mit Schweinezucht !

Das Mittagessen à la Bengi schaut zwar nicht nach einem 5-Sterne-Essen aus, schmeckt aber offensichtlich allen, da nichts übrig bleibt.

Als nächstes müssen wir ausklarieren, was auf Antigua mit dem Behördenschimmel nicht so einfach ist, also TAKE IT EASY!

10.05.2007

Endlich ist der Tag gekommen, der Tag an dem es los geht. Man merkt bei allen Teilnehmern, dass sich ein gewisses nervöses Verhalten breit macht. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, um 12.00 Uhr lokaler Zeit ist der Start zur ARC - Europe; die ersten 900 Sm warten auf uns. In Jolly Harbour werden uns zwischen 15 und 20 Konten Wind angezeigt, also optimaler Segelwind.

Um 10.50 Uhr legen wir ab und begeben uns auf die lange Ausfahrt von Jolly Harbour, einem klar betonten Kanal, der zwischen den vielen Untiefen hinausführt auf das Meer.

Bei 20 Knoten ESE starten wir mit Gr und Ge um Punkt 12.00 Uhr Richtung Bermuda. Bereits beim Start sind wir bei den ersten Booten, die slowenische MARISA backbord leicht voraus, die Swan 46 zieht von Beginn an davon.

Peter und ich erleben in unserer ersten, als Crew gemeinsamen Segelnacht einen sternklaren Himmel auf See. Ich staune über den Speed von ONYX, da wir ständig zwischen 7 und 10 Knoten laufen.

11.05.2007

Als ich in der Früh aufstand - Peter hatte die letzte Wache - bemerkte ich voller Staunen, dass wir bereits unter Spi segelten. Der Wind drehte außerdem von E nach SE. Um 08.15 Uhr (Antigua-Zeit) versuchte Peter erstmalig unsere Position via Sailmail an ARC wie  vorgesehen zu übermitteln; keine Chance. Dies gelang ihm erst nach über einer Stunde, was ihn ein bisschen ärgerte.

Segeln unter Spinnaker war für mich in der Praxis absolut neu aber auch etwas verwirrend. Die vielen Leinen und die von Peter dazu extra verwendete Technik  - damit war ich ernsthaft etwas überfordert, jedoch fasziniert. Bis knapp über 11 Knoten Speed !! Da kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Die Sonne beginnt nun gnadenlos auf uns nieder zu brennen, die Sonnencreme ist nun absolut gefragt, aber mit einem Schutzfaktor von mindestens 40 bis 50. Wir müssen anfangs mit ca 10 Knoten aus SE bei stärker Dünung auskommen.

Um 14.00 Uhr sind es noch 735 Sm bis Bermuda - ein Lüftchen mehr wäre schön, da uns der Schweiß in Bächen fließt.

Da es ein relativ ruhiger Segeltag ist, koche ich uns am späteren Nachmittag Nudeln in Käsesoße mit (südsteirischem !) Speck, den mir der Zoll Gott sei Dank nicht entdeckt hatte. Allerdings wird das Kochen zum absoluten Saunagang.

In der Nacht wird der sich ständig drehende Wind und starke Dünung lästig, wobei bereits der nächtlich stark bewölkte Himmel bemerkbar wird.

12.05.2007

Am frühen Morgen, so scheint es zumindest, ist das schöne Wetter vorbei. Die ersten Nieselschauer beginnen und der Himmel ist zur Gänze bedeckt. Gleichzeitig bekommen wir mit dem Wetterbericht eine Sturmvorhersage für den Bereich Bermuda.

Um 08.00 Uhr (UTC 12.00 Uhr) können wir erneut ein Etmal von 176 Sm feststellen, was uns beide freut. Gegen 10.45 müssen wir den in der Früh erneut gesetzten Spi bergen, da nun richtige Regengüsse sichtbar heran rasen. Trotzdem segeln wir zwischen 8 und 10 Knoten dahin. Dann geht es einige Male so dahin, Spi rauf - Spi runter, Regen, Spi rauf - Spi runter, Regen .....

Die Wetterprognose via Sailmail sagt voraus, dass wir am nächsten Tag nur 5 - 8 Knoten Wind bekommen und erst danach mit mehr rechnen könnten und nahe Bermuda dann den Wind genau aus N uns auf die Nase wehen wird. Aus diesem Grund drehen wir etwas mehr E um später nicht aufkreuzen zu müssen.

In diesen ersten Tagen dürfte ich Peter doch den einen oder anderen Nerv gezogen haben, doch versucht er ernsthaft dies immer wieder mit Verständnis hinzunehmen. Tatsache ist doch, dass ich mit meiner MARYDREAM, Sunbeam 36, ein überaus tolles Schiff habe, doch, auch wenn es aus der selben Werft kommt, mit Peter's ONYX in keiner Weise vergleichbar ist - da sind schon Welten dazwischen. Wenn man aber, wie ich, sein Schiff schon über 7 Jahre segelt, und dann auf ein anderes der selben Werft geht, so glaubt man anfangs doch, dass auch auf diesem alles gleich zu handhaben ist wie auf dem eigenen. Diesen Fehler machte ich doch einige Male - und werde ihn - so hoffe ich zumindest - nicht mehr so oft begehen.

An dieser Stelle muss man Manfred SCHÖCHL ein dickes Lob für viele Ideen zu seinen tollen Schiffen aussprechen.

13.05.2007

ach nächtlichen bis in den späteren Morgen fortsetzenden Regenschauern ziehen wir wieder unter Spi mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 8,5 Knoten in Richtung Bermuda, wobei der Wind zwischen SW und SE hin und her pendelt.

Gegen Mittag nehmen See und Wind zu, sodass wir den Spi wieder bergen müssen und der Himmel zieht wieder einmal total zu. Dabei beginnt sich die See zu kreuzen. Um 19.00 Uhr haben wir 599 Meilen auf der Logge.

14.09.2007

m 02.45 Uhr bricht ein schweres Gewitter herein, wobei der Sturm mit 35 bis 52 Knoten aus SW hereinbricht und wir bis 11 Knoten Speed mit 2. Reff im Groß und Genua dahin rauschen. Doch dies sollten nicht die letzten Sturmböen werden.

Um 08.00 Uhr können wir wieder ein Etmal von 180 Sm feststellen.

Laut Wetterbericht via Sailmail erfahren wir, dass bei unserer Ankunft in Bermuda uns ein N bis NE wehender Wind mit 30 bis 35 Knoten erwarten soll.

Am Vormittag haben wir nur mehr 10 bis 15 Knoten Wind aus W, aber die starke Dünung ist noch immer da, nicht gerade angenehm !

Gegen Abend wird die kreuzende See wieder unangenehm und der Wind sowie die Wellenhöhe nehmen zu. Dazu müssen wir weiter nach E abfallen, was nicht gerade ermunternd ist. Wir weichen bereits etwas zu weit von unserem Kurs ab, doch war der Zeitpunkt noch nicht da, um auf Backbordbug weiter zu segeln.

Gegen 20.00 hatten wir wieder einmal gewaltig Sturm; diesmal jedoch heftiger als in der letzten Nacht. Um 20.30 Uhr entschlossen wir uns, da auf Backbordbug kurzfristig ausprobiert, vorübergehend beizudrehen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir NE bis zu 54 Knoten in den Böen und gewaltige Wellen. Mit den gerefften Segel war dies jedoch nur für einige Zeit möglich. In weiterer Folge segelten wir dann auf Backbordbug weiter - wie auf einer Hochschaubahn.

Peter tat mir dabei besonders leid, da er bereits seit 2 „nassen" Tagen feststellen musste, dass sein „Ölzeug" alles andere als trocken war. Er musste in nassem Gewand gerade diese Wetterbedingungen über sich ergehen lassen, was wir nur teils abfendern konnten, in dem er meine „leichte Windjacke", welche zwar auch nicht absolut dicht war, verwendete (ein harter Brocken, der Peter !).

15.05.2007

Ehrlich gesagt, waren wir froh, wie der Tag anbrach. Die inzwischen haushoch angewachsenen Wellen sind nächtens nicht wirklich lustig. Bei Tageslicht kannst du ihnen aber ganz anders begegnen und sie schonender segeln. In der Nacht hat es schon ordentlich gekracht, wenn das Schiff in die Wellen schoss.

Bei diesen Wellen erschrak ich einmal richtig, als ich so eine haushohe Welle ansteuerte und am Wellenkamm, wie sonst auch, das Schiff hinunterdrehen wollte, plötzlich die hintere sich senkende Wellenwand als steil nach unten reichende herausstellte, als würde man plötzlich keinen Boden unter sich haben. Dies geschah nun einige wenige Male, was den Adrenalinausstoß gewaltig förderte.

Gegen 08.00 Uhr haben wir noch immer 8 Bft aus ENE. Erst gegen 16.00 Uhr beruhigt sich der Wind, noch immer aus NE mit 15 bis 20 Kn wehend, doch die Dünung ist noch immer stark.

Mit einem guten Gefühl segeln wir in die offensichtlich letzte, leider sehr kalte Nacht vor unserer Ankunft in Bermuda hinein.

16.05.2006

In der Nacht ärgert uns der Wind ein bisschen. Er bewegt sich zwischen 2,7 bis 20 Knoten in einem Bereich von 140 Grad schwankend, doch wir segeln oft und lange bis 8,5 Knoten, was kann uns besseres passieren.

In den frühen Vormittagsstunden ist es jedoch mit dem Segeln endgültig vorbei: kein Wind - kein Segeln; so einfach ist das. Wir ärgern uns gewaltig; gibt es doch nichts schöneres, als unter vollen Segeln über die Ziellinie zu ziehen. Unsere ETA hatten wir uns zwischen 12.00 und 14.00 Uhr in der Nacht schon errechnet.

Also Maschine an, wir motoren. Ich hatte mich gerade etwas niedergelegt, als Peter und ich kurz nach 10.00 Uhr ein kurzes zurückgehen der Drehzahl des Motors hörten. Wir stoppten und nahmen gleichzeitig starke Vibrationen wahr !!! Was ist los!

Ein Tauchgang durch Peter auf offener See brachte die schreckliche Erkenntnis, dass sich um den Propeller ein Knäuel von Leinen, offensichtlich ein Teil eines Fischernetzes, gewickelt hatte. Peter schaffte aber auch dieses Problem. Innerhalb von 15 Minuten befreite er mit seinem Tauchermesser die Schraube, wobei er sich leicht (bis mittelschwer) am linken Zeigefinger schnitt. Es hätte schlimmer ausgehen können!

die Strecke

Doch unsere Freude, Bermuda in Sichtweite, kann auch diese „kleine Verletzung" samt Ursache nicht mehr trüben. Bereits 4 Sm zuvor haben wir auf Kanal 72 unser Kommen ARC Europe Controll mitgeteilt.

Und dann ist es soweit: am 16.05.2007, um 12:42:40 Uhr (Antigua Time), also nach genau 6 Tagen, 42 Minuten und 40 Sekunden passieren wir bei der SPIT-Boje, St. Georges, Bermuda, die Ziellinie !!!

Nachdem wir Bermuda-Radio auf Kanal 27 unser Eintreffen, wie 40 Sm zuvor angekündigt, mitgeteilt haben, bekamen wir die Erlaubnis bzw die Order, rasch die enge Einfahrt zu St. Georges Harbour zu passieren, da offensichtlich ein Kreuzfahrtschiff auslaufen wollte.

Nach dem wir uns der Einklarierungszeremonie gestellt und im Dinghi-Club vor Buganker angelegt hatten, genossen wir unser Bier in  v o l l e n  Zügen!!!

Auf diesem ersten Teil der ARC - Europe von Antigua nach Bermuda segelten wir eine Gesamtstrecke von 1.042 Sm, hatten einmal eine Maximalgeschwindigkeit von 12,0 Knoten erreicht und eine Maximalwindgeschwindigkeit von 54 Knoten erlebt.

Dir, liebe ONYX und deinem Kapitän PETER, danke ich für diese Erlebnisse in diesen Tagen, einem tollen Schiff und perfektem Segler !!!

                                                                                                Gerhard Bengesser  

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