Segeltörn 2005 der Thalatta zu den Pituysen


Am nächsten Morgen waren wir gegen acht Uhr an Deck und die die Sonne schien schon in die Bucht. Vereinzelt waren schon Urlaubsgäste zum Frühschwimmen im Meer unterwegs. Unsere erste Tätigkeit heute Morgen bestand darin, mit Timmy an Land zu fahren, damit er sein Geschäft erledigen konnte. Als er merkte, dass wir in Richtung Land aufbrachen, sprang er schnell ins Dingi, um ja nicht vergessen zu werden.
Es war Freitag, der 16. September. Am darauf folgenden Sonntag fand in Deutschland die vorgezogene Wahl zum Deutschen Bundestag statt. Das Ergebnis dieser Wahl wollten wir uns im Fernsehen ansehen. Natürlich hatten wir die Möglichkeit der Briefwahl in unserer Heimatstadt genutzt.
Also sollte unser heutiges Ziel der Hafen von Santa Eulalia sein. Da wir unsere Reise immer nach dem vorhandenen oder zu erwartenden Wind planten, war Santa Eulalia mehrfach verschoben worden. Heute wollten wir aber sicher gehen, einen Hafenplatz zu bekommen. Feli rief vorsorglich über unser Handy das Büro des Hafens an und reservierte uns einen Liegeplatz. Hier zeigte es sich mal wieder, wie vorteilhaft es ist, spanisch zu sprechen.
Auch ein Grund einen sicheren Hafen anzulaufen, war der aktuelle Wetterbericht. Dieser warnte für den Nachmittag des folgenden Tages, vor einem durchziehenden Tief, mit ergiebigen Regenfällen und Wind aus Süd mit 7-8 Beaufort in Böen bis 9 Beaufort.
Wir verließen die Cala Puerto de San Miguel. Es war absolut windstill. Segeln konnten wir vergessen. Unsere Maschine mussten wir starten und fuhren nun mit 6 Knoten in Richtung Nordost. Weit und breit war am blauen Himmel keine Wolke zu sehen und es war wieder so warm wie in den letzten Tagen. Erst als wir etwa eine Seemeile vor der Meeresenge zwischen Ibiza und Tagomago kreuzten, bemerkte ich, dass die Wasseroberfläche, eine halbe Meile voraus, nicht mehr glatt war sondern sich kleine Schaumkronen bildeten. Unser Groß fuhren wir als Stützsegel. Ein leichter Wind gab sogar seit fast einer Stunde Druck ins Tuch. Nach Lage der Dinge mussten wir nun jedoch an der östlichen Seite der Insel mit starkem Wind aus Süd rechnen. Bei unserem Kurs in Richtung Santa Eulalia also Wind genau auf die Nase. Vorsorglich bargen wir unser Groß und machten die Thalatta sturmsicher. Timmy kam an die Leine und unsere Automatic Rettungswesten lagen bereit. Mittlerweile zeigte unsere Wind-Loge 15 Knoten querab. Wir passierten Tagomago und mussten unseren Kurs nun in Richtung unseres Zielhafens südlicher ausrichten, was zur Folge hatte, den nun immer mehr ansteigenden Wind, immer mehr von vorne zu nehmen. Die Windstärke lag jetzt zwischen 20 und 25 Knoten. Längst trugen wir die Westen und waren über unseren Lifebelt mit dem Schiff fest verbunden. Die zwischenzeitlich hoch aufgebaute Welle ließ unsere Thalatta in kürzeren Abständen aufsteigen und mit einem fast kreischenden Getöse in das Wellental stürzen. Ich reduzierte die Drehzahl der Maschine auf maximal 2000/Min und versuchte die Wellen seitlich anzulaufen, um einen, Material und Mannschaft, schonenderen Kurs zu steuern. Es war die reinste Achterbahnfahrt. Die Windgeschwindigkeit lag jetzt etwa bei 30 bis 35 Knoten und es gingen die ersten Wassermassen über unser Schiff. Hinter dem Steuerrad stehend duckte ich mich bei jedem Wasserschwall, was aber nicht immer erfolgreich ablief. Da ich die anlaufenden großen Wellen aussteuern wollte, war an den Einsatz des Autopiloten nicht zu denken. Das für den folgenden Tag, zum Nachmittag hin, in diesem Seegebiet angekündigte Tief, hatte sich wohl mit seinen Vorläufern eingefunden. Nach wie vor hatten wir einen strahlend blauen Himmel und eine wärmende Sonne, die unsere, teilweise nassen, Kleidungsstücke am Körper nicht so tragisch erscheinen ließen. Timmy, unser Bordhund, war sichtbar unberührt von der ganzen Angelegenheit. Der Sturm war ihm egal. Er hatte sich in der Plicht unter dem Sprayhood einen trockenen Platz gesucht und sich so postiert, dass er auch genügend frische Luft bekam. Hin und wieder schaute er uns an, um wohl festzustellen, ob alles in Ordnung war.
Vor uns lag nun die Islas Santa Eulalia mit ihren verschiedenen Untiefen. Bei ruhigem Wetter kürzen wir immer den Weg nach Santa Eulalia ab, indem wir diesen Felsen an unserer Backbordseite lassen. Nun mussten wir jedoch die weitere Strecke zu unserem Ziel in Kauf nehmen. Um jedes Risiko bei diesen Wetterbedingungen auszuschließen, passierten wir die Islas Santa Eulalia an unserer Steuerbord Seite, mit genügend Abstand, ohne dabei jedoch die etwas südlicher gelegene Untiefe Losa Santa Eulalia mit Ihrer Warnbarke aus den Augen zu verlieren.
Gegen Mittag lagen diese Untiefen achteraus und wir konnten nun unseren Kurs nach Nordwesten in Richtung Hafen ändern. Trotz nach wie vor 8 Windstärken, wurde unsere Fahrt durchs Wasser wesentlich ruhiger und angenehmer. Die Wellen trafen uns nur noch achtern querab und hatten nun eine Schiebewirkung. Bei geringer Drehzahl der Maschine machte die Thalatta zwischen 7 und 8 Knoten durchs Wasser. Die Bergformation, im westlichen Teil der Bucht vor Santa Eulalia, erwirkte einen Windschatten, der dazu führte, dass wir nur mit einem leichten Wind, von etwa 8 Knoten in den Hafen einliefen. Der Blick auf das Meer zeigte jedoch, dass etwa 2 bis 3 Seemeilen draußen, nach wie vor, starke Winde vorherrschend waren.

Der am runden Turm des Verwaltungsgebäudes stehende Marinero erkannte wohl den Namen unseres Schiffes, da Feli uns ja telefonisch angemeldet hatte. Es blieb uns erspart, am Wartekai der Marina festzumachen. Er nannte uns sofort unseren Liegeplatz und fuhr mit dem Schlauchboot voraus.














