Segeltörn 2005 der Thalatta zu den Pituysen

Nach drei Tagen Espalmador verlegten wir uns für den Rest des Tages in Richtung Formentera, unterhalb der Salzmühle. Hier sind die Farben des Wasser besonders schön. Von hellblau über türkis bis dunkelblau sind alle Farbschattierungen anzutreffen. Auf nur vier Meter Tiefe fiel unser Anker. Nicht weit von uns lag die SY Ballada, aus unserem Heimathafen Arenal, mit dem Skipper Wolfgang, vor Anker.

Direkt am Strand, etwas oberhalb der Dünen ist die bekannte Strandkneipe von Arnold zu finden. Gegen 12.00 Uhr mittags beginnt dort die Parade der Motorjachten mit ihren gestylten Mädels und der bunten Power-Boote mit ihren dröhnenden und extrem Sprit fressenden Motoren. Meist mit im Wasser hängenden Grundgeschirr donnern sie, möglichst eng, kreuz und quer durch die Ankerlieger, um nach einem idealen Platz zu suchen. Kann man bei dieser Aktion doch wunderbar, durch kurzes Gas geben sowie aufheulen lassen der Motoren, seine PS-Überlegenheit, vor allen den Seglern gegenüber, demonstrieren.

Die Ankermanöver dieser Freizeitkapitäne sind dann immer wieder besondere Erlebnisse. Schwungvoll, wie ein Lasso im wilden Westen, wird eine Leine, an der ein Anker befestigt ist, über Bord geworfen. Meist ist diese Leine nicht viel länger als die Wassertiefe. Wichtig ist nur, nahe genug am Strand und in Augenweite der Gäste in Arnold's Strandbar zu sein. Gesehen werden ist eben alles. Nur 100 Meter weiter ist alles frei. Es drängt sich aber alles auf kleinstem Raum mit dem Ergebnis, dem Nachbar dann das Salz zu seinem Frühstücksei herüberreichen zu können und die Partnerschaftsprobleme, der Nachbarn auf Zeit, hautnah mitzuerleben. Auf einen Schwojeraum achten die meisten wenig. Dass hier Schiffe auf Drift gehen und an den nicht unweit vorhandenen Unterwasserfelsen zu Schaden kommen, ist nicht selten, sondern bei steigenden Wind-Loge die Regel.
Der Möchtegern Jetset von Ibiza trifft sich hier. Eine andere Welt, die wir uns gerne mal ansehen aber die nicht unsere ist.
Am folgenden Tag wurde das Wetter unbeständig. Der Wind frischte auf, es wurde bedeckt und vereinzelt fielen Regentropfen. Wir benötigten Wasser und unsere Batterien waren auch mittlerweile in die Knie gegangen. Es wurde Zeit für einen Hafenaufenthalt. Puerto de Sabina lag nur eine halbe Stunde entfernt. Wir holten unseren Anker hoch und drehten noch eine Runde um die an Ihrer Kette zehrende Segelyacht Ballada aber Wolfgang der Skipper war nicht zu sehen.
Der Hafen von Formentera war nur zur Hälfte belegt, was sicherlich mit den hohen Liegeplatzkosten zu begründen ist. Wir machten unsere Thalatta im neueren Teil des Hafens fest. Neben uns lag die etwa 14 Meter, unter USA Flagge fahrende Segelyacht, OBSESSION. Das Skipperpaar kam aus Schweden. Mit an Bord dieser Yacht war eine pechschwarze Katze, die in der Nacht nur an ihren grün leuchtenden Augen zu erkennen war. Keinen Blick ließ sie von unserem Bordhund, der wiederum von der Nachbarkatze nichts bemerkt hatte. So blieb der Frieden zwischen den beiden Schiffen erhalten.

Am frühen Nach-mittag, unsere Tanks waren voll und wir waren gerade mit allen Arbeiten am Schiff fertig, standen zwei „alte" Be-kannte, aus unserer Heimat-stadt Moers/am Niederrhein, vor unserem Schiff. Mia und Ali machten Ferien auf Formentera und waren zufällig an diesem Tag in Sabina. „Mal sehen ob Feli und Walter mit ihrem Schiff hier sind" soll Ali gesagt haben. Beide waren über unser Zusammentreffen genauso überrascht wie wir. Lange Jahre hatten wir uns nicht gesehen, es gab viel zu erzählen. Vor etwa zwanzig Jahren sind wir durch Mia und Ali erstmals nach Formentera gekommen und haben diese Insel lieben gelernt. Das wir die schöne, ruhige Auto- und Motorradfreie Zeit auf Formentera miterleben durften, verdanken wir den beiden.
Wir nutzten gerne das Angebot, am Abend für einen Kneipenbummel mit dem Auto abgeholt zu werden. Das Problem, in Es Pujols kaum einen Parkplatz zu bekommen und das im September, machte mich schon nachdenklich, ob die Entwicklung dieser Insel nicht doch falsch war. Wie mag es hier in der Hochsaison aussehen.

Wir sind gerne auf Formentera. Für uns ist diese Insel einer der schönsten die wir kennen gelernt haben. Nirgendwo haben wir die intensiven, mediterranen Farben und Gerüche so intensiv erlebt wie auf Formentera. Wie ein skurriler Hammer liegt die Insel fast zu Füßen der großen Schwester Ibiza. Ganze 18 km sind es vom Hafen La Sabina zum Leuchtturm La Mola auf der Hochebene. Pinienwald, Oliven-, Feigen- und Johannisbrotbäume findet man in dem dazwischen liegendem Teil der Insel. Das Fahrrad ist auf dieser kleinen Insel sicherlich das beste Fortbewegungsmittel. Nur mit dem Rad kann man alle Ecken der Insel erreichen, vor allen Dingen die Salinen. Die Autos und die Motorräder werden leider immer mehr und nehmen der Insel das Besondere, das Einmalige, die Ruhe, die Zeit und vor allen Dingen Besinnlichkeit. Vor Jahren noch der Geheimtipp für massenmüde Einsamkeitsfanatiker. Inzwischen ist das malerische Strandparadies zur bevorzugten Ferieninsel deutscher und italienischer Sonnen- und Sandhungrigen geworden. Viele behaupten auch, dass Formentera der „südlichste Stadtteil von Düsseldorf" ist.
Trotz allen touristischen Zugeständnissen, die diese Insel in den letzten Jahren gemacht hat, ist sie nach wie vor eine Perle im Mittelmeer.






















