Atlantic Rally for Cruisers (ARC Europe 2007)

Gerhard Bengesser

Aufenthalt in Bermuda

Die Zeit zwischen 17. und 22.05.2003 nutzten wir für diverse Instandsetzungsarbeiten am Boot, zur Kontaktaufnahme mit den anderen Crews der ARC, aber auch um ein bisschen Land und Leute kennen zu lernen. Unter anderem machten wir auch mit dem Bus einen Ausflug nach Hamilton und für den „Großeinkauf" ging es nach St. David. In Hamilton deckte sich Peter mit einem neuen Ölzeug ein, was nicht so einfach schien, doch schafften wir es in zwei verschiedenen Geschäften eine Hose und Jacke, welche beide Qualität versprachen, zu ergattern.

Auf der lukullischen Seite hat es uns in Bermuda schlichtweg auf „den Arsch" gesetzt. Das erste Abendessen beinhaltete 3 Bier, 1 Suppe, 2 Hauptspeisen und einen Espresso: das machte die Kleinigkeit von 84,- Dollar. Im selben Lokal kostete ein Glas Wein 7,50 Dollar - mir blieb die Luft weg.

Besonders fiel uns auf dieser Insel auf, dass man hier auf Sauberkeit Wert legte und die Menschen besonders freundlich sind.

 

Vorbereitung zur 2. Etappe: Bermuda - Azoren

Um 16.00 fand das Briefing für die Crews statt. Dabei wurde den Skippern mitgeteilt, dass einige der Schiffe der ARC ein neues Rating bekommen haben. Dabei stellte Peter fest, dass insbesondere die Boote mit englischer Flagge bevorzugt wurden, indem das Rating herabgesetzt wurde, und das bei Schiffen wie SWAN ua.

Gerhard u. Peter

23.05.2007 - Start zur 2. Etappe (Bermuda - Azoren)

Es ist an der Zeit, die Leinen los zu werfen, wir können es kaum erwarten. Die Spannung ist auch diesmal bereits in den frühen Morgenstunden spürbar. Allerdings ist die Wettervorhersage für die nächsten zwei Tage nicht gerade rosig. Unser Generalkurs liegt bei 78 Grad; es wird NNE bis NE mit 25 bis 30 Knoten prognostiziert.

Um 10.00 Uhr bläst es in St. Georges Harbour, also im etwas geschützten Bereich, bereits mit 20 bis 25 Knoten aus NNE.

Pünktlich um 12.00 Uhr bei 25 bis 35 Knoten aus NNE starten wir nahe der Einfahrt bei der Spit-Boje von St. Georges und können uns von Beginn weg an die Spitze des Feldes setzen. Richtigerweise brachte Peter seine ONYX als erstes Schiff über die Startlinie.

An eine Fahrt unter Benützung des Autopiloten war aber jetzt nicht zu denken. Hart am Wind mit 3. Reff beim Großsegel und 2. Reff bei der Genua konnten wir zwar nicht direkten Kurs auf die Azoren nehmen, doch gelang es uns, nicht in Richtung SE abfallen zu müssen und konnten zumindest 85 bis 90 Grad  halten.

Wer von uns beiden am Ruder stand, bekam eine Dusche nach der anderen. Auch die einen oder anderen Tropfen Seewasser fanden ihren Weg ins Schiff. Dies änderte sich nicht bis zum nächsten Tag. Da die Wettervorhersage (NOAA via Sailmail) für die darauffolgenden Tage wenig Wind versprachen, versuchten wir trotz Müdigkeit und Nässe eine möglichst große Strecke zurückzulegen.

24.05.2007

In der Nacht lässt der Wind etwas nach, frischt am Morgen aber wieder bis zu 30 Knoten auf. Unser erstes Etmal betrug 157 Sm, womit wir auf Grund der Witterungsverhältnisse ganz zufrieden waren.

An Kochen, also zumindest einmal pro Tag eine warme Mahlzeit, war auch an diesem Tag nicht zu denken. Wir dachten eher darüber nach, welche warme und vor allem trockene Kleidung steht uns noch zur Verfügung. Um 12.00 Uhr zeigt uns das Log bereits  320 zurückgelegte Seemeilen an !

25.05. bis 29.05.2007

Am 25.05. konnten wir bei Rauschefahrt bis 9,5 Knoten (in den Böen bis zu 11 Knoten) Speed erstmals zu Mittag kochen, was auch unserer Seele und nicht nur unserem Magen gut tat.

In den darauffolgenden Tagen wechseln Wind und Flaute immer wieder ab. Bis zu 2 Knoten Speed segelten wir noch, doch dann musste der Motor ran. Da wir für höchstens 100 Motorstunden Diesel an Bord hatten, hieß es daher mit dem Sprit zu sparen, weil wir ihn auch einmal am Tag zur Stromerzeugung benötigten.

Daher wiederholte sich das Spiel „Spi rauf - Spi runter - Motor an - Motor aus - Spi rauf...." einige Male. Es war manchmal eine nervige Sache.

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30.05.2007

Ein besonders schöner Segeltag! Wir können den ganzen Tag und anschließende Nacht fast permanent mit dem Spi zwischen 6 und 10 Knoten segeln, wobei wir fast keine Welle und schönstes Wetter hatten. Allerdings versprach uns die Wettervorschau - sowohl die englische als auch amerikanische - wieder einmal Starkwind, und das für 2 Tage aus SW und anschließend aus N.

Am Abend müssen wir bereits Gr und Ge reffen. Dafür werden wir mit einem ordentlichen Speed entschädigt. Wir erreichen eine Durchschnittsge-schwindigkeit von 8 Knoten bei einer bereits teils ruppigen See.

In der Nacht setzt bereits Regen ein, was wir bei Temperaturen um 16 Grad - nicht mehr vergleichbar mit der Karibik ist und wir bei kaltem Wind nicht gerade lustig finden.

31.05.2007

der Regen hört nicht auf und die Wellen werden höher und richtig giftig. Am Morgen müssen wir bereits mit dem 3. Reff in den Segeln fahren; ab Mittag ist es aus mit lustig:

....die Wellen türmen sich zu Berge auf,

....kreuzende Wellen machen uns das Steuern schwer und

....der immer wiederkehrende Regen nimmt uns die Sicht.

Ab 13.45 Uhr segeln wir nur mehr mit dem gerefften Großsegel. Wer am Ruder steht, leistet nun Schwerarbeit - wir wechseln uns nun in kürzeren Abständen ab. Und immer wieder diese quer laufenden Wellen und bis zu 52 Knoten Windgeschwindigkeit!

Gegen 18.30 Uhr können wir wieder mit gereffter Genua und Großsegeln weiter kämpfen. Plötzlich haben wir zwischen diesen Riesenwellen keinen Wind mehr, höchstens noch 5 bis 8 Knoten! Das Steuern wird nun schwierig. Um 20.10 Uhr dreht plötzlich der Wind von SSW auf NW und frischt wieder bis 25 Knoten auf.

Nun können wir auch endlich wieder Kurs halten, die kommende Nacht war aber kein Honigschlecken.

01.06.2007

In den Morgenstunden erfahren wir über Sailmail, dass 400 Seemeilen hinter uns die SY COCHISE - sie lag im Dinghi-Club in St. Georges auf Bermuda neben uns - ihren Mast verloren hatte, was uns zum Nachdenken brachte. Ein weiteres Schiff der ARC nahm Kurs zu ihnen, um der Crew ihren in Kanister gebunkerten Dieselvorrat zu bringen.

Trotz der noch anhaltenden Dünung vom Vortag geht es nun aber recht flott immer mit 6 bis 10 Knoten Speed in Richtung der Azoreninsel Faial nach Horta weiter. Gott sei Dank hat aber inzwischen der Regen aufgehört und die Sonne lässt sich fallweise schon blicken. Peter und ich sind nach den letzten 24 Stunden ziemlich geschafft und müde. Der Blick auf die Logge um 13.00 Uhr sagt uns aber, dass wir bereits 1.429 Sm zurückgelegt haben

Nachts plagt uns noch immer die starke Dünung mit den Querläufern dazwischen; und dazu wieder einmal Schwachwind.

02. bis 03.06.2004

2 Tage von Schwachwind gezeichnet und gleichzeitig vom Blick der Segler auf die Logge. Mühsam quälen wir uns unter Einsatz von Spinnaker und fallweise unter Motor weiter - nicht gerade lustig, da das Ziel nur langsam näher rückt. Am letzten Abend dreht noch dazu die Dünung genau auf die Nase und der Gegenstrom bis zu 1 Knoten macht uns auch zu schaffen - und kaum Wind! Es wird Zeit, dass wir unser Ziel erreichen!

04.06.2006

Die letzten 50 Seemeilen ziehen sich wie ein Strudelteig. Ab nacht wird es nebelig und der Berufsschiffverkehr ist auch nicht zu unterschätzen. Immer wieder begegnen uns Öltanker oder Containerschiffe.

Trotzdem können wir um 10:40:10 die Ziellinie vor der im Nebel liegenden Stadt Horta überqueren, was wir ARC Europe Control auf Kanal 72 mitteilen. Der Hafen ist überfüllt mit Schiffen, die den Atlantik überquert hatten und wegen der schlechten Wetterlage auf die Weiterfahrt hier warten.

Als wir dann beim Immigration Office anlegen, erfahren wir völlig überrascht, dass wir das erste Segelschiff der ARC - Flotte sind, das Horta erreichte. Wir wussten unterwegs nichts von den Platzierungen bzw Standorte der anderen Schiffe.

Auf diesem Teil der ARC Europe legten wir laut Loggestand einen Gesamtweg von 1.865 Seemeilen zurück, segelten einmal eine Höchstgeschwindigkeit von 13,6 Knoten und erlebten mit 52 Knoten die höchste Windgeschwindigkeit

die Azoren
Der Hafen von Horta/Azoren
das berühmte Cafe Sport
Malereien, Überbleibsel vieler Yachten in Horta
Ponta Delgada AzorenPeter bei der Preisverteilung auf den Azoren

 

Leider bleibt mir nun nur mehr die Verabschiedung. Eine Verabschiedung mit dem Gefühl, etwas Schönes und Aufregendes erlebt und von einem tollen Segler gelernt zu haben.

Ich danke dir Peter und deiner ONYX !

Leider muss ich dieses Schiff nun in Horta verlassen und nach Hause fliegen. Ich bin noch nicht in der glücklichen Situation, dem Broterwerb ade zu sagen. Mein einziger Trost ist, dass ein nicht nur lieber Freund, sondern auch ein ambitionierter Segler, Norbert FREI dem Kapitän Peter ATZENHOFER zur Seite stehen wird.

Lieber Peter und Norli, ich wünsche euch beiden nicht nur ein eine gute Platzierung auf dem letzten Teil der ARC Europe 2007, ich wünsche euch auch Mast- und Schotbruch !!!

Alles Liebe

     Gerhard  Bengesser

Horta, am 04.06.2007

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